Bei demgemäßem Lebensstil wird jeder irgendwann der Ü80 angehören

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Wiesbaden/Darmstadt/Krefeld, 09. Oktober 2021)
Wer Zitate, Sprüche und Aphorismen zu Statistik im Netz recherchiert, der bekommt 96 Angebote dazu präsentiert. Wen’s näher interessiert, der kann ja mal selber nachforschen. Unsererseits greifen wir uns ein paar besonders gängige Umschreibungen heraus: Hoch lebe die Statistik – Traue keiner Statistik, die nicht von dir selber gefälscht worden ist – Steigerungsform von Lüge: Notlüge, verdammte Lüge, Statistik. Nun wollen wir dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden selbstverständlich nicht unterstellen, es würde lügen. Schon gar nicht bei der an knallharten Fakten feststehenden Frage, wie alt die weibliche und männliche Bevölkerung unserer Republik wird. Wohlgemerkt: Das bildet den rechnerischen Durchschnitt vom plötzlichen Kindstod bis zur Sterblichkeit im Methusalem-Alter ab, beträgt bei Frauen 83,6 bei Männern 78,9 Jahre. Tendenz kontinuierlich steigend.
Man lese und staune: Trotz Corona-Pandemie gab es im Vorjahr 20.465 Menschen über 100 Jahre, und damit 3.523 mehr als 2019! Heruntergebrochen auf über 90-Jährige sind es 0,85 Millionen (0,58 Frauen, 0,27 Mio. Männer). Der Altersgruppe von 80 bis 100 gehören 7,1 Prozent oder  5,9 Millionen der in Deutschland lebenden Bürger an.

Ü35-Generation gebührt die verdiente Wertschätzung
  
Genug der Zahlenarithmetik. Kommen wir zum springenden Punkt und zur eigenen Mission Leichtathletik, die jedoch mit dem Vorgeplänkel im unmittelbaren Zusammenhang steht. Die Altersstruktur bei den Damen und Herren „der über 50 hauptamtlichen Kräfte in der Geschäftsstelle“ (O-Ton Präsident „Tollpatsch“ Jürgen Kessing) des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Darmstadt ist uns nicht bekannt. Doch sicherlich dem eigenen Credo entsprechend überwiegend jung, dynamisch und ungeheuer innovativ. Das ist aber auch ziemlich schnuppe. So sie sich jedoch nicht bei Eintreten der – im DLV-Deutsch – „Midlife-Crisis“ (Lebensmittekrise) den Eiffelturm oder sonst wo runterstürzen wollen, einen halbwegs soliden, gesunden Lebenswandel führen, vielleicht auch selber nach Neigung und Talent Sport treiben, werden sie eines schönen Tages in den Ruhestand verabschiedet und wenn’s gut weiterläuft irgendwann die 80-Lenze-Marke knacken. Also was sein werden? Richtig: Senioren*innen!
Einfach noch im seligen Berufsleben in exponierter Stellung mal daran denken und immer wieder vor Augen führen, wenn es um die Wertschätzung der bislang zumeist und noch verstärkt seit dem Ausbruch von Corona mit Geringschätzigkeit behandelte und Missachtung gestrafte Ü35-Generation geht. Sogar vorliegende Bewerbungen mit im Amtsdeutsch „belastbaren Absichtserklärungen“ (Mehrkampf und Wurf-Fünfkampf 2021 in Zella-Mehlis) sind schlechterdings einfach ignoriert worden.

Kleinere Nationen machen es dem DLV vor

Konkret in die nahe Zukunft gesehen: Derweil im
Rahmenterminplan 2022 für die U-Klassen und Männer/Frauen alle Einzelmeisterschaften einschließlich Team-DM Jugend schon fix terminiert und einige auch schon mit einem Austragungsort versehen sind, herrscht bei den Titelkämpfen der Talente von gestern und vorgestern in allen Belangen gähnende Leere: Als da wären die Großen Fünf mit dem Kürzel DM: Halle/Winterwurf, Stadion, Mehrkampf, Wurf-Fünfkampf, Team (DAMM).
Dabei gibt es seit der offenbar noch nicht vollinhaltlich umgesetzten Strukturreform von April 2021 eine eminent wichtiges elfköpfiges Gremium mit dem Arbeitstitel „Kommission Laufen und Seniorenwettkampfsport“ unter Leitung der hauptamtlichen „Senior Managerin Sportentwicklung“ Dr.Kristin Behrens (siehe Link). Da würde der Volksmund konstatieren: „Viele Köche verderben den Brei“, „Die linke Hand weiß nicht was die recht tut“ oder
„Wenn einer nicht mehr weiter weiß, dann bildet er 'nen Arbeitskreis". Jedenfalls sichtbar auf den Weg gegeben hat dieses Konsortium bislang nullkommanix.
Derartige Probleme sind von unseren Anrainerstaaten Niederlande, Belgien, Österreich und der Schweiz bei ihren Masters nicht bekannt. Kleinhirn an Großhirn: Neidisch werden! Probater noch: Die bereits von vielen namhaften Athleten*innen und Ehrenamtsinhabern geforderte Abspaltung nach britischem Muster betreiben. Rund 390.000 Leichtathletik-Senioren*innen sind ein Pfund, mit dem sich wuchern ließe.
In diesem Sinne einen schönen Sonntag im „Goldenen Oktober“ und, je nach Alter, eine schaffens- oder abwechslungsreiche 41. Kalenderwoche!