Polnische Speerwerferin machte beim Werfer-Europacup "den Beamon"

(Split/Krefeld, 10. Mai 2021) Nun sind 91,12 Meter im Speerwurf der Männer alles andere als ein Pappenstiel, würden vermutlich bei den etwaig stattfindenden Olympischen (Nachhol-)Spielen vom 23.Juli bis 08.August 2021 im von Corona besonders arg heimgesuchten Tokio in Gold aufgewogen. Doch eine Tochter Evas mit den biblischen Vornamen Maria Magdalena und Andrejczyk dahinter stahl Johannes Vetter von der LG Offenburg gestern Abend beim Werfer-Europacup in Split an der kroatischen Adriaküste die Schau. Die im Olympiajahr 1996 geborene Polin katapultierte das 600 Gramm schwere Wurfgerät im ersten Durchgang (das eint sie mit „Bruder“ Johannes) auf 71,40m. Die drittbeste Weite der Historie.
Dass es sich um keinen Zufallstreffer und gewaltigen Ausreißer nach oben handelte, unterstrich die 25-Jährige mit 69,68m im vierten Versuch. Der einen Schatten ihrer selbst darstellenden fast 40-jährigen amtierenden Weltrekordhalterin (72,78m) Barbora Špotáková aus Tschechien nahm sie bei deren nach fünf unterirdischen, bewusst ungültig gemachten Würfen mit im finalen Versuch erreichten 58,24m (Achte) fast 13 Meter ab. Da prallten mit Vehemenz ein auf- und untergehender Stern am Speerwurf-Himmel aufeinander.

Bei allem Erstaunen keine Leistung aus dem Niemandsland

Wiewohl bei allem Erstaunen diese „hammermäßige“ Leistung von Andrejczyk nicht gerade aus dem Niemandsland kommt. Als U-20-Europameisterin von 2015 in Eskilstuna (Finnland) bewies sie mit Juniorinnen-Weltjahresbestleistung von 59,73m ihr außergewöhnliches Talent. Als erst 20-Jährige warf sie ein Jahr später bei den Olympischen Spielen 2016 im brasilianischen Rio de Janeiro mit nationalem Rekord von 67,11m in der Qualifikation die absolute Bestweite, wurde im eigentlichen Wettbewerb mit 64,78 m Vierte. Übrigens da noch direkt hinter Špotáková, verpasste sie um die Winzigkeit von zwei Zentimetern die Bronzemedaille. Einem Hauch von Nichts. Die Weltrangliste 2020 führt die Polin als Zweite mit 65,70m. Unstreitig alles tolle Empfehlungsschreiben. Den Rest schenken wir uns, wollen selbst märchenhafte Steigerungsraten nicht gleich mit wilden, haltlosen Spekulationen in Frage stellen. Sicherlich wird sie anschließend zur Dopingkontrolle „gebeten“ worden sein. Obschon das lediglich den Istzustand abbildet.

Es gibt sie halt, die ungewöhnlichen Momente im Sport

Aber: Es gibt sie schließlich überall im Leben und vor allem im Sport, die ungewöhnlichen, unerklärlich anmutenden, be- und verzaubernden Momente. Deren Beispiele gäbe es etliche. Es sei nur an die 8,90m im Weitsprung von Bob Beamon (USA) bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexico City erinnert, bei dem er den bestehenden Weltrekord um 55 (!) Zentimeter übertraf, nie wieder auch nur annähernd (8,20m in 1969) an dieses „Überding“ herankam und 1970 (7,91 m) seine Karriere früh als gerade mal 24-Jähriger beendete. Das möge der polnischen Weitenjägerin erspart bleiben.

Weltklasse-Resultat von Christin Hussong geht fast ein wenig unter

Vergessen wir über das am gestrigen zweiten Tag des Stelldicheins der Spezialisten*innen von Stoß und Wurf alles restlos in den Schatten stellende Ergebnis Christin Hussong (*1994) vom LAZ Zweibrücken nicht. Als Zweitplatzierte dieser in mancherlei Hinsicht bemerkenswerten Konkurrenz erzielte sie mit der griffigen Zahl von 66,44m unter normalen Maßstäben schließlich auch noch ein Weltklasse-Resultat. Alle disziplinär zu filternden Ergebnisse der beiden Wettkampftage unter diesem Link.