Online-Bestenliste: Endlich kam DLV seiner Pflicht und Schuldigkeit nach

(Darmstadt/Krefeld, 09. März 2021) Kleine Rückblende, da es das aktuelle, wichtigere Tagesgeschäft verhindert hat, darauf früher einzugehen. Der jahrelange Kampf von LAMPIS in Gestalt eines neuzeitlichen Don Quichote gegen die Windmühlenflügel des trägen Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) wurde endlich von Erfolg gekrönt. Der DLV berichtet in einer offensichtlich äußerst schweren Geburt mit gleich drei Schreiberlingen der Kürzel dd/am/nw in der Senioren-Spielecke der Verbandsnetzseite unter der Überschrift „Die digitale DLV-Bestenliste 2020 – jetzt neu mit allen Altersklassen“.
Keineswegs ein Grund, nun lauthals Halleluja und Hosianna auszurufen: 1.) Damit kam der Verband nach jahrelanger Verweigerungs- und Hinhaltetaktik lediglich seiner verdammten Pflicht und Schuldigkeit gemäß § 2.7 DLO sowie einer Gleichbehandlung (§ 3 GG) mit allen anderen Klassen nach, hat 2.) etwas von Arg- und Hinterlist, damit lediglich drei Wochen nach Veröffentlichung des Statistik-Jahrbuches gegen 17,50 Euro des von ihm sanktionierten kommerziellen Anbieters herauszukommen, der sich zudem DLV-Seniorenstatistiker nennen durfte.

Ein Schuft, der Böses dabei denkt

Dazu heißt es dann im Text der Rechtfertigungsarie zur besonderen Deutlichmachung in Gedankenstrichen „Bitte unterstützen Sie unsere Senioren-Statistiker bei ihrer nationalen – wohlgemerkt ehrenamtlichen – Aufgabe“. Welch ein Hohn! Das stimmt/e nur auf den unteren Ebenen hinauf bis zu den 20 Landes-/Regionalverbänden, endete an der Türe der DLV-Geschäftsstelle in Darmstadt. Und es wäre mit einem bisschen guten Willen garantiert auch vor der kürzlichen Herausgabe der zu allem Überdruss zu knapp bemessenen antiquierten Buchform (wir berichteten) möglich gewesen. Schilda lässt schön grüßen! Aber allem Anschein sollte der „Kommerzialisierungsrat“ noch ein Abschiedsgeschenk für seine jahrelange „aufopferungsvolle“ bezahlte Tätigkeit eines Ehrenamtsinhabers erhalten.
Helle und einhellige Begeisterung löste das neue „Gesamtkunstwerk“ nach bei uns eingehenden, mit Glückwünschen an unsere Adresse verbundenen Rückmeldungen nicht aus. Beklagt wird das Selektionsverfahren anstelle einer durchgängigen Form aufsteigend nach Altersklassen und Disziplinen wie bei einer Online-Ergebnisliste (freilich nicht der vom SELTEC-Durcheinander). Außerdem fehlt gegenüber der bisherigen analogen Version und anders als bei den Landesverbänden die M/W30.  

DLV hat geradezu schier unrealisierbare Hausaufgaben vor sich

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Torun/Krefeld, 08. März 2021)
Stammbesuchern unserer Internett-Plattform ist hinlänglich bekannt, dass wir die Huldigung von Medaillenspiegeln bei internationalen Meisterschaften für ausgemachten Humbug halten und uns daran nicht beteiligen. Obschon beides Obst, ist das fürs Phrasenschwein nämlich der sich in aller Regel verbietende Vergleich von Äpfeln und Birnen, die sich allenfalls zum Kompott oder Fruchtsaft eignen. Soll heißen: Alle Nationen von sehr unterschiedlichen Größen und Teilnehmerzahlen in einen Topf zu werfen, ist unangemessen und hinterlässt objektiv gesehen zwangsläufig ein Zerrbild. Ausgemachter Unsinn ist zudem, dass bei einer Nation mit lediglich einer Goldmedaille die Platzierung schwerer wiegt als bei einem anderen Land fünf Silberne und sieben in Bronze. Das sei indes lediglich als Randbemerkung dahingestellt.

Germany im Medaillenspiegel auf Rang 16

Aber: Da der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sich bei den Senioren/innen, die er ansonsten wie „Rotz am Ärmel“ behandelt, gerne mit dem sinnfreien Erbsenzählen der großen Ausbeute von Edelmetall in aller vielfältigen Couleur „seiner“ 632 Teilnehmer/innen brüstet, halten wir ihm aus purer Gemeinheit und zur Besinnung auf die knallharte, unbestechliche Realität den Medaillenspiegel der gestern zu Ende gegangenen Hallen-Europameisterschaften der Männer/Frauen im polnischen Torun vor.
Obwohl der federführende und nominierende DLV mit 48 Aktiven eine der quantitativ größten Teams an den Start brachte, belegte Germany (hier ist die internationale Bezeichnung geboten) in der Gesamtwertung den 16. Rang. In Worten: Sechzehn. Hinter einem „Zwergenstaat“ wie die Schweiz (Siebte), doch derweil immerhin denkbar knapp vor einem „Giganten“ wie Aserbaidschan (18.).

Frauenstaffel rannte den Niederlanden gnadenlos hinterdrein

Und unsere westlichen Nachbarn aus den Niederlanden (Erste) und Belgien (Vierte) steckten unsere Vertreter/innen derartig in den Sack. Das teilweise auch im direkten Aufeinandertreffen bei Männlein und Weiblein. Die deutsche 4x400m-Staffel der Frauen lief im abschließenden Wettbewerb der viertägigen Titelkämpfe den erfolgreichen „Meisjes“ aus dem vergleichsweise kleinen Königreich (17,28 zu 83,02 Millionen Einwohner) als Letztplatzierte um geschlagene vier Sekunden oder rund 30 Meter hinterdrein. Das sind gewissermaßen Lichtjahre in der Leichtathletik. Beschämend!

Schönfärbende „Statements“ in Rosa und Prosa

Das gilt auch für die handelsüblichen staatstragenden Stellungnahmen, sie nennen es Statements, der verantwortlichen Personen im Dachverband. Selbstverständlich ist es legitim, dass sie sich schützend vor ihre Athleten/innen stellen und die nicht öffentlicher Kritik aussetzen. Schon aus lauter Eigennutz, da sie von ihnen schlussendlich allzu großzügig nominiert worden sind. Aber mitunter wäre es besser den Mund zu halten, als alles und jedes in schönfärbendes Rosa und Prosa zu tauchen. Gell, Frau Cheftrainerin Annett Stein (Achtung, Denglisch-Masch-Masch: „Die Mannschaft hat gut performt“) und Herr Sport-Generaldirektor Cheik-Idriss Gonschinska („International wertvolle Wettkampf-Kompetenz gesammelt“). So sieht er also aus, der Mantel der Barmherzigkeit, kann bei realistischer Bilanzierung allerdings auch als „Blinde Kuh spielen“ bezeichnet werden.
Jetzt fehlt nur noch der Sermon vom präsidialen Fettnäpfchentreter Jürgen Kessing, der es damals bei der heißen Freiluft-WM 2019 in Doha (Katar) in klimatisierten VIP-Räumen gar nicht so warm fand. Kunststück!  

Hofberichterstattung aus dem Bereich von Märchen und Sagen

Ja, es gab außer den sechs Medaillen mit noch elf weiteren Endkampf-Platzierungen einige Lichtblicke. Allerdings auch unübersehbare krachende sowie leise Enttäuschungen zu vieler EM-Touristen im Nationaltrikot und so gut, richtiger: schlecht, wie keine positiven Überraschungen mit über sich hinauswachsenden Talenten oder Arrivierten.

Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe. Nach diesem Motto verfuhren in Anlehnung an ihre Chefs auch die Literaten der Dachorganisation bei ihrer Hofberichterstattung. Bei dem Beitrag über  die „versilberte“ amtierende Weitsprung-Weltmeisterin Malaiko Mihambo aus dem Bereich von Märchen und Sagen ihrer angeblich deutlich verbesserten Anlaufprobleme fiel mir im krassen Gegensatz zu meiner veröffentlichten Wahrnehmung beim pflichtgemäßen Lesen sinnbildlich der Kitt aus der Brille. Wenigstens Mihambo führte im unmittelbar anhängenden eigenen Fazit ihres Tuns diesen ausgewiesenen Nonsens ad absurdum. Und das ist gut so!  

Nicht mehr vorhandene Stellenwert einstmals ruhmreicher deutscher Leichtathletik
 
Abschließend zum nicht mehr vorhandenen Stellenwert der einstmals ruhmreichen deutschen Leichtathletik: Die angesehene und vielzitierte Rheinische Post, die früher auf diesem Sektor immer mit eigenen Redakteuren groß einstieg, berichtet heute mit einem von DPA übernommenen Beitrag auf der vierten und letzte Sportseite weiter unten in einem dürren Zweispalter ohne Foto mit der Überschrift „Mihambo fehlten vier Zentimeter zu EM-Gold“.
Dann machen sie mal mit Blick auf den Sommer fleißig und unermüdlich die versprochenen Hausaufgaben, Frau Stein, die nun denselben der Weisen suchen muss! Da wird allerdings ein mittelprächtiges Wunder vonnöten sein, den zu finden. Das ist eine wahre Herkules-Aufgabe. Schön, wenn sie für alle verbliebenen unverbesserlichen optimistischen Patrioten gelingen würde. Freilich höchst unwahrscheinlich bis unmöglich.

Weitsprung-Silber von Malaika Mihambo fehlten Glanz und Glamour

Kolumne

Das Wort am Sonntag


(Torun/Krefeld, 07. März 2021)
Es geht schon wieder los, das darf doch wohl nicht wahr sein. Malaika Mihambo von der LG Kurpfalz machte gestern Abend bei der Entscheidung im Weitsprung bei den Hallen-Europameisterschaften im polnischen Torun genau da weiter, wo sie in der Zitterpartie der Qualifikation aufgehört hatte: Als in einer neuen Art von Brettspiel war der 27-jährige „Engel“ (das oder Guter Geist ist die Bedeutung ihres Vornamens) hauptsächlich damit beschäftigt, den Balken vernünftig zu treffen, dessen Katapultwirkung zu nutzen und möglichst wenig letztlich gemessener Flugweite zu verschenken. Wie sie jedoch mit einer derartigen Zielsicherheit und Konstanz bei den Labor-Bedingungen einer Halle ohne Wind von vorne, hinten oder der Seite daran – ja, kläglich – scheiterte, ließ Fachleute und Laien gleichermaßen bass erstaunt mit großem Unverständnis zurück. Und Bundestrainer Uli Knapp verstand es ebenfalls nicht, entscheidend Einfluss zu nehmen und die erforderlichen Korrekturen an die Frau zu bringen.

Beide Male Silber, jedoch anders interpretiert
 
Der Videotext vom ZDF titelte einerseits: Weitsprung: Mihambo verpasst Titel, andererseits: Kranz sprintet auf Rang zwei. Das bringt es auf den Punkt: Jeweils dieselbe Medaille, aber eine völlig andere Interpretation. Silber kann durchaus eine Enttäuschung sein. Dies war eine. Gerade bei einer vermeintlich haushohen Favoritin, die sich das edelste aller Edelmetalle anscheinend nur noch abzuholen brauchte.
Gesprungen werden musste freilich vorher auch noch und das weiter als die sieben übrigen Finalistinnen. Dabei soll keineswegs übersehen werden, dass Mihambo im dritten Versuch mit 6,88m Weltjahresbestleistung (WJB) sprang und ihre bis dahin gelisteten 6,77m um elf Zentimeter übertraf. Was gibt es da noch zu jammern, werden sich jetzt Krethi und Plethi fragen?
Einiges, antwortet der Autor mit eigener 52-jähriger Wettkampf-Erfahrung nicht nur als Kugelstoßer (zuvor Fußball, Eishockey und Tennis) und dazu die Leichtathletik mittlerweile 55 Jahre als Sportjournalist begleitend! Die Analyse ist folglich nicht aus dem luftleerem Raum der Redaktionsstube eines bloßen Schreibtischtäters gegriffen.

Ein wenig Zahlenkosmetik oder -arithmetik

Betreiben wir also zur Beweiserhebung ein wenig Zahlenkosmetik oder -arithmetik. Vorausgeschickt, dass es graue Theorie ist, den Balken stets exakt bis an den unheilvollen Plastilinstreifen zu treffen. Aber große Annäherungswerte sollten professionellen Weltklasseathletinnen der Branche möglich sein. Das sind sie auch. Der Nachweis wurde vor Ort in Polska mehrfach erbracht. Die drittplatzierte Khaddi Sagnia aus Schweden schaffte es bis auf 1,5 Zentimeter, Maryna Bekh-Romanchuk (Ukraine) bei ihrem Siegessprung und der neuen WJB von 6,92m bis auf 2,3 Zentimeter. So schaut’s aus!
Und bei der jungen Frau mit dem verpflichtenden Kürzel MM, einer feinen deutschen Sektmarke mit dem Werbeslogan
„Manchmal muss es eben Mumm sein"? Den ließ sie in den sechs gültigen Sprüngen (diesmal ein schlechtes Zeichen, hatte keine sonst) vermissen und insgesamt 152,7 Zentimeter oder aufgerundet 1,53 Meter liegen. Würde bei ihr wie in der Kinder-Leichtathletik innerhalb eines Toleranzraumes die wirklich gesprungene Weite gemessen, sie flöge der Konkurrenz auf Nimmerwiedersehen davon. Die gesamte Flugweite der zweifachen Deutschen Sportlerin des Jahres betrug 41,60 Meter, mithin im Querschnitt 6,933m. Famos, geradezu grandios. Doch leider ein Muster ohne Wert. Noch mal aufgeschlüsselt in der Reihenfolge der Versuche: 6,60m (minus 25,7 cm), 6,56m (27,8), 6,88m (10,1), 6,56m (36,6), 6,69m (24,5), 6,78m (28,0). Fünfmal sprang sie vor dem Brett auf dem Kunststoffbelag ab. Haarsträubend, unbegreiflich!

Wie beim Biathlon ist eine möglichst perfekte Symbiose gefragt

Wagen wir den nicht einmal besonders kühnen Vergleich mit dem Biathlon: Das ist es die Kombination aus gut Ski-langlaufen und zwischendurch unter hoher Pulsfrequenz die 50 Meter entfernten, verdammt kleinen Scheiben zu treffen. Nur die perfekte Mischung macht’s. Falls sich die Gelegenheit in den sozialen Medien bietet, mal Biathletin und „Ballerina“ Denise Herrmann fragen (nachträglicher Einschub: Ausgerechnet heute strafte sie mich als Zweite im Verfolgungsrennen beim Weltcup in Nove Mesto lügen). Genau das bekommt Mihambo, sicherlich trotz Nachjustierens während des Wettbewerbes, eben viel zu oft in der Symbiose von Anlauf und Absprung in Abstimmung mit ihrem Trainer in unschöner Regelmäigkeit ebenfalls nicht hin. Die Ansagen bleiben dem Betrachter, der sich (wie ich) gestern den direkt angewählten Weitsprung-„Livestream“ vom Anfang bis zum bitteren Ende unter Puls- und Blutdruckalarm angeschaut hat, freilich leider verborgen.

Körpersprache ist wenig verheißungsvoll

Und da wäre noch die von (Hobby-)Psychologen vielzitierte Körpersprache. Für Außenstehende wirkt die dunkelhäutige Perle der Zunft tiefenentspannt, als drohe sie jeden Moment selig und süß einzuschlummern. Es könnte auch phlegmatisch oder lethargisch genannt werden. Der größte sichtbare Gefühlsausbrauch war die Aufforderung an die wenigen Schaulustigen zum rhythmischen Klatschen. Temperament, Feuer, Biss und „Killerinstinkt“ ist indes schwer erlernbar. Frau hat es oder halt nicht. Die Siegerin hat. Diese kapriziöse, extrovertierte 25-jährige Ukrainerin machte sich vor ihrem letzten Versuch (bis dahin 6,86m) regelreicht heiß, schrie sich selber an, um anschließend nach 6,92m zu landen. Da wusste sie sofort, dass ihr ein Riesensprung gelungen war. Allerdings noch nicht, ob es auch zum Triumph reichen würde.

Absolute Mut zum Risiko fehlte durchgängig

Denn ihre größte Widersacherin aus Deutschland hatte noch ihren finalen Sprung. Da konnte die Devise eigentlich nur Top oder Flop, Sekt oder Selters lauten. Das brave „Engelchen“ beließ es beim zuvor Zelebrierten. Sie flog zwar 7,06m weit, aber gemessen wurden „nur“ 6,78m. Aufbäumen „mit dem Messer zwischen den Zähnen“ hätte deutlich anders ausgesehen. Das sah eher nach wie von allen guten Geistern verlassen aus. Müßig zu erwähnen und keine offene Frage, dass sie es sich auch anders vorgestellt hat. Aber es bleibt der Bei- und Nachgeschmack, dass Mihambo den Titel irgendwie „abgeschenkt“ hat. Faktisch sowieso. Schade, jammerschade. Erinnern wir uns an die Videotext-Überschrift. Derweil gibt es mit diesem Link den Endstand. Es darf gemutmaßt werden, dass Heike Drechsler (damals noch DDR) als immer noch amtierende Hallen-Europarekordlerin (7,37m) und Meisterschaftsrekord-Inhaberin (7,30m) ziemlich konsterniert zugeschaut und ihren Augen nicht getraut hat.
In diesem Sinne, liebe Leser mit Herzblut und Leidenschaft für die mitunter schwere Leichtathletik: Schön tapfer bleiben, auch in Sachen Corona, Mund abwischen. unverdrossen weitermachen und einen schönen Sonntag, bei was auch immer sowie eine entspannte 10.Kalenderwoche im Jahr zwei der Pestilenz! 

Achtung, Männer: Heute wird der 110 Jahre alte "Weltfrauentag" begangen

(Krefeld und die Welt, 08. März 2021) Kein Datum und Wochenanfang wie jedes/r andere. Denn heute wird seit nunmehr 110 Jahren (ab 1975 von den Vereinten Nationen/UN auf den 08.März festgeschrieben) der „Weltfrauentag" begangen. Einstmals ausgelegt im Kampf um die Gleichberechtigung, das Stimm- und Wahlrecht (übrigens in der liberalen, unabhängigen Schweiz erst 1971 eingeführt) sowie die Emanzipation zur Selbständigkeit und Chancengleichheit. Ausgerechnet die „Kampfhenne“ und Superemanze Alice Schwarzer (*03.12.1942), Gründerin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift mit dem beziehungsreichen Namen „Emma“, plädiert dafür, diese Ehrentag für ihr Geschlecht abzuschaffen. Er sei „gönnerhaft und zudem eine sozialistische Erfindung“. Na, da schau an: Alice im Wunderland, die mit einem Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung belastet ist.

Superemanze und Steuersünderin Alice Schwarzer plädiert für die Abschaffung

Und schwuppdiwupp sind wir beim Gender-Wahnsinn, bei dem ja alle begrifflich-sprachlichen Bezeichnungen bis zum Exzess verweiblicht werden sollen (Linguisten sind ultimativ dagegen!). Ein bisschen Steuern bei der Einkommensteuer-Erklärung zu sparen (war bei Schwarzer indes ein bisschen mehr; allein die Strafe war sechsstellig) ist ja eine Art Volkssport. Dies wird dann gerne als Kavaliersdelikt abgetan. Das Wort ist jedoch sowas von eindeutig männlich, dass sich eine Vergenderisierung (das habe ich gerade erfunden, steht noch nicht im Duden) mit Kavalierinnendelikt strikt verbietet. Wie nennen wir es also bei der im Sternzeichen Schütze geborenen Feministin Schwarzer? Hat jemand Rat?

Brüder im Geiste und der Gattung des homo sapiens: Feiert eure Mädels!

Doch kurz zurück zum Internationalen Frauentag. Grundsätzlich sollte man(n) stets zuvorkommend, galant und höflich zum gemeinhin schöneren Geschlecht, den Töchtern Evas sein. Womit wir bei der vermeintlichen Entstehungsgeschichte wären. Ohne Frauen gäbe es die Menschheit nicht. Denn zu gebären ist deren Privileg und wird es nach derzeitiger Voraussicht auch bleiben. Nicht nur deshalb, schließlich will und kann sich nicht jeder
Adam" beliebig vermehren, gibt es viele gute Gründe für einen der holden Weiblichkeit gewidmeten besonderen Tag. Im Zuge der bisweilen nötigen Gleichberechtigung der Krone der Schöpfung wird (erst) seit 2000 jeweils am 03.November der Weltmännertag „gefeiert“. Der dient jedoch ziemlich banal der Stärkung des Bewusstseins zur Gesundheit.
Sei’s drum: Brüder im Geiste und der Gattung des homo sapiens, feiert eure Mädels, lasst Blumen oder sonst was sprechen. Bei romantischem Kerzenschein, die „German Lighthouse Association" alias DLV in Darmstadt würde es zum Candle Light Dinner hochstilisieren, irgendwo lecker essen gehen, schließt sich momentan leider aus.

Christina Schwanitz holte beim "Hitchcocktail" für starke Nerven Bronze

(Torun/Krefeld, 06. März 2021) Es war so ein bisschen wie beim Songtext von „Kreuzberger Nächte“ der Gebrüder Blattschuss: „Erst fang‘ sie ganz langsam an, aber dann, aber dann...“ Gemeint ist das Kugelstoßen der Frauen gestern Abend bei den Hallen-Europameisterschaften im polnischen Torun. Ein Dramaturg hätte es nicht spannender inszenieren können, was dieser Wettbewerb in sechs Akten in der Realität hergab. Eben auch aus der ganz speziellen deutschen Sicht war es gewissermaßen ein „Hitchcocktail“ für starke Nerven mit Christina Schwanitz (*1985) vom LV 90 Erzgebirge in eine der Hauptrollen. Die mit Abstand Stubenälteste des achtköpfigen Finalfeldes rettete auf der letzten Rille die kurz zuvor entglittene Bronzemedaille.
Die in den fünf Versuchen bis dahin mit sich und ihrer instabilen Technik (sie kam mit dem rechten Angleitbein nicht richtig unter den Körper) hadernde 35-jährige Zwillingsmama bewies im letzten Durchgang nach ein
er für sie grauseligen Serie mit dem Befreiungsschlag auf 19,04m ihre Nervenstärke und ihr Kämpferherz. Wenn’s aufgegangen ist, sagt sich das so leicht am Ende des Abends. Der feine sechste Platz von Sara Gambetta vom SV Halle mit bestleistungsnahen 18,34m (bis dahin 18,43m aus der Qualifikation) rundete das Gesamtkunstwerk schwarz-rot-goldener Prägung ab. Keine andere Nation stellte zwei Finalistinnen.

Hypernervöser Beginn  der Finalistinnen

Gambetta war es auch, die in der hypernervös beginnenden Konkurrenz nach der ersten Runde mit 18,30m vor Schwanitz (18,21m) und der Weißrussin Aliona Dubitskaya (18,11m) die „Polonäse“ anführte. Die Rangordnung der fünf Angleiterinnen und drei Drehstoßerinnen (Roos, Schilder, Toimil) wurde im zweiten Durchgang in etwa wieder hergestellt. Die favorisierte Wahl-Portugiesin Auriol Dongmo setzte sich mit 19,21m vor der sich auf 18,71m steigernden Schwanitz an die Spitze. Doch so richtig Stimmung kam erst nach dem Motto „Traue keiner Drehstoßerin“ ab dem fünften Versuch in die Bude respektive unters Hallendach. Das 20-jährige Nesthäkchen Jessica Schilder aus den Niederlanden zauberte plötzlich mit 18,69m die persönliche Bestleistung aus dem nicht vorhandenen Ärmel, konnte ihr Glück kaum fassen und weinte erst mal reichlich Freudentränen.

Erst ab dem fünften Versuch kam Stimmung in die Bude

Das war allerdings lediglich die Ouvertüre. Den Paukenschlag setzte anschließend die Schwedin Fanny Roos, die mal eben zu ihren 18,59m 70 Zentimeter drauflegte und mit 19,29m die zwischenzeitliche Führung übernahm, jedoch schon wenig später von Dongmo mit 19,34m gekontert wurde. Platz eins und zwei waren damit theoretisch und auch praktisch manifestiert, wie sich noch herausstellen sollte. Doch Dubitskaya steigerte sich im finalen sechsten Durchgang von 18,70 auf 18,86m, schnappte Schwanitz vorübergehend Bronze weg, dass sie sich jedoch postwendend mit jenen 19,04m zurück eroberte. Die lange Zeit ziemlich verbiestert und angespannt dreinschauende Dresdenerin fand ihr bekannt strahlendes, verschmitztes Lächeln wieder zurück, umarmte sich mit der Nationalfahne und die beiden vor ihr landenden Medaillen-Gewinnerinnen. Beim Hallen-Meeting in Rochlitz hatte sich Schwanitz auf die Frage eines MDR-Reporters noch sibyllinisch - buchstäblich - nichtssagend zu Dongmo
geäußert" (wir berichteten).

Hinter Sieger Tomáš Stanek drei weitere über 21 Meter

Alte Binsenweisheit fürs Phrasenschwein: Wer nicht da ist, der hat frei. Doch der nachfolgende Männer-Wettbewerb der sich ausnahmslos um die eigene Achse drehenden Kolosse zeigte auf, dass für den aus familiären Gründen fehlenden doppelten Ex-Weltmeister David Storl (SBL 20,83m) aus Leipzig Edelmetall unerreichbar gewesen wäre. Das vom Tschechen Tomáš Stanek (im Bild) mit 21,62m angeführte Spitzenquartett übertraf allesamt die 21-Meter-Marke. Es hagelte aufgrund des nicht regelkonformen, zu schmalen Sektors in der rechteckigen, seitlich und nach hinten geschlossenen hohen Schutzkonstruktion viele eigentlich nicht ungültige Versuche. Das wies uns der erfolgreiche Wurf-Allrounder Klaus Kynast (*1949) aus Hagen in einer bildlich-grafischen Darstellung nach. Dazu genügte für fachlich versierte Betrachter freilich beim direkt anwählbaren
Livestream" schon der genaue Augenschein. Für die Freunde der Statistik verweisen wir blau eingefärbt auf die Ergebnislisten der Frauen und Männer. Übrigens geht es hier in der Dachleiste Ost-Deutsch zu. Ulf Timmermann hält immer noch den Hallen-Europarekord (22,55m) und die Meisterschaftsbestmarke (22,19m). Lang, lang ist's her.

Ritt auf der Rasierklinge von Malaika Mihambo
 
Und was es sonst noch von den männlichen und weiblichen Germanen gegeben hat? Die amtierende Weitsprung-Weltmeisterin Malaiko Mihambo von der LG Kurpfalz leistete sich mal wieder durch ihre latenten Brettfindungsprobleme einen Ritt auf der Rasierklinge. Stets mindestens 30 Zentimeter vor dem Plastilinstreifen abspringend, rettete sich die 27-jährige im dritten Versuch der Qualifikation als Fünfte mit 6,58m in das im „Livestream“ zu sehende heutige Finale (Beginn 19.40 Uhr).
Darüber hinaus wechselten in den weiteren Vorentscheidungen Licht und Schatten in rascher Folge. Wohlgemerkt: Niemand wird an Unmöglichem gemessen, sondern lediglich an dem eigenen Leistungsvermögen. Es verstärkt sich einmal mehr der Eindruck, dass für allzu viele vom DLV entsandte nationale „Spitzenkönner“ die Nominierung bereits das Hauptereignis ist (war). Dort vor Ort werden dann die Beine schwer und die Köpf leer. Bis hin zu kopflosem taktischen Verhalten bei Läufen ab 400 Meter. Manche/r Athlet/in müsste vor sich selber geschützt werden, in dem er/sie nicht zu früh ins „Haifischbecken“ der europäischen Elite geworfen wird.  Alle Details unter leichtathletik.de