Senioren-DM: Nach Tag 1 (bislang?) keine Berichterstattung beim DLV

Kolumne

Moment mal


(Darmstadt/Baunatal/Krefeld, 16. September 2021)
Wenngleich es dieselbe – nicht vorhandene – Auswirkung hat, als fiele vor dem Hauptbahnhof in Darmstadt ein Fahrrad um, werden wir nicht müde bei diesem unsäglichen Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) die Tastaturfinger in die vielen Wunden zu legen. Da wurde, drastisch formuliert, wieder einmal das Messer im Ferkel stecken gelassen. Auf der Senioren-Spielecke des digitalen Mitteilungsorgans prangt mit Datum des Katastrophentages 11.September (nine eleven) bislang unverändert der Beitrag „Senioren-DM Tag 1: Erfolgreiche Rückkehr auf Meisterschaftsbühne nach…“ Irgendwie bezeichnend und mit Symbolcharakter.
Eingedenk der vielen negativen Begleitumstände mal abgesehen von der schamlosen Übertreibung in der Überschrift: Und was ist im DLV-Sprachgebrauch ausgedrückt „With the Days after“ (Mit den Tagen danach)? Der weitaus größte Teil der Entscheidungen dieser Titelkämpfe vom 10. bis 12.September in Baunatal  fanden an Tag zwei und drei statt. Nix von alledem. Folglich auch kein handelsübliches Resümee des hohen Hauses von Friede, Freude, Eierkuchen, wie toll denn alles war. Zugegeben: Das wäre geschenkt.

Schändliches Verhalten gegenüber der Ü35-Generation

Wer oder was hat der früheren ehrenamtlichen Öffentlichkeitsarbeiterin Bettina Schardt von der MTG Mannheim, die für den erschienenen Beitrag verantwortlich zeichnete, die Lust genommen, ihr begonnenes Werk fortzusetzen? Denn dass sie es sich freiwillig entgehen lässt, in dritter Person von ihrem eigenen Erfolg im Hammerwurf der W45 zu berichten, ist schwerlich anzunehmen. Dass die notgedrungen anwesenden Hauptamtlichen um den Senioren-Referenten David Deister kein gesteigertes Interesse an den Talenten von gestern und vorgestern haben, ist hinlänglich bekannt.
Per Saldo ist es schlichtweg schändlich, wie der DLV einmal mehr mit seiner zahlenmäßig größten Fraktion umspringt. Das war das berühmte, mitunter berüchtigte Tüpfelchen auf dem i. Nix wie raus aus dieser unfähigen Dachorganisation!
Vorher verleiht LAMPIS jedoch mit unverhohlener Schadenfreude die virtuelle Schlafmütze des Mannes im Mond. Denn merke: Ein Online-Medium ist kein Wochenblatt, noch weniger ein Monatsmagazin. Da ist zeitnahe Berichterstattung von aktuellen Ereignissen geboten.

Diskuswerferin Ruth Baumann schreibt heute die neunte Null

(Dinslaken/Krefeld, 15. September 2021) Naturgemäß gibt es weitaus angenehmere Chronistenpflichten, als innerhalb weniger Tage zwei Nachrufe zu verfassen und zu veröffentlichen. Höchst erfreulich, dass wir dem nun etwas ausgesprochen Positives von einem bislang erfüllten und langen Leben entgegen setzen können. Die erfolgreiche, immer noch aktive Diskuswerferin Ruth Baumann (*15.09.1931) von SuS 09 Dinslaken am Niederrhein schreibt just heute die neunte Null. Eigentlich hätte die Jubilarin vergangenes Wochenende bei den Deutschen Senioren-Meisterschaft im hessischen Baunatal in ihrer national schon neuen Altersklasse W90 in den Ring gehen wollen. Doch nicht nur zur ihrem Leidwesen und Bedauern wurde ihre Paradedisziplin Diskuswurf aus nicht nachvollziehbaren Gründen mutwillig aus dem Programm genommen. Aber über diesen frevelhaften Akt der Verhinderung haben wir ja seit Bekanntwerden in den letzten Wochen gebührend verurteilend berichtet.
Eine ausführliche Laudatio zur Vollendung des 90. Lebensjahres befindet sich unter dieser Verlinkung auf dem Internet-Portal ihres Klubs.

Ralf Mordhorst gewann Generationen-Vergleich "Vater gegen Söhne"

(Bremen/Krefeld, 14. September 2021) Wohl dem, der als Senior altersgemäß noch Alternativen und vor allem das weit überdurchschnittliche Leistungsvermögen hat, in die Männer-Konkurrenz herunter zu starten. Und das nicht nur bei einer „Bauern-Olympiade“ in der Provinz. Ralf Mordhorst (*1973; im Bild) vom LAC Lübeck hat sie, die Klasse. Und so machte er aus der Not eine Tugend, dass in einem ungeheuerlichen, frevelhaften Akt der Willkür bei der Senioren-DM die klassischste aller Leichtathletik-Disziplinen, der Diskuswurf, aus dem Programm genommen wurde (wir berichteten mehrfach darüber). Der Ralf von der Waterkant ging kurzerhand bei den für ihn geografisch zudem näherliegenden, zeitlich parallel ausgetragenen Norddeutschen Meisterschaften der Männer/Frauen im Stadion Obervieland in Bremen gegen die Jungspunde im Generationen-Vergleich „Vater gegen Söhne“ in den Ring. Mit eindrucksvollem Erfolg. Der 48-Jährige aus der Marzipan-Stadt lieferte nicht nur für sein fortgeschrittenes Leistungssportalter ein ausgesprochenes Leckerli ab, gewann mit formidablen 50,49m deutlich vor Mika Jokschat (*2001) mit 47,22m und Niklas Sagawe (*2000, beide PSV Eutin) mit 40,52m. Dazu wurde R.M. aus L. mit 14,05m noch Dritter in seiner Zweit-Disziplin Kugelstoßen.

Diskuswurf-Pendant zu Kugel-Andy

Das liefert uns das Stichwort zu Spezialist Andy Dittmar (*1974) aus Gotha, der ebenfalls der M45 angehört. Ralf Mordhorst darf im Diskuswurf getrost als deutsches Pendant zum herausragenden Kugel-Andy bezeichnet werden. Mit jenen 50,49m findet auch er als aktuell 27. Eingang in die Top Dreißig der deutschen Bestenliste der Männer. Dieses gemischte Vorzeige-Doppel hätten sicherlich auch außerhalb der Werfer-Familie viele liebend gerne in Baunatal gesehen. Das hätte der Veranstaltung fraglos mehr Glanz verliehen. Der DLV wusste es zu verhindern. Eine Spezialität des Hauses was die Ü35-Generation anbelangt. Das kann nicht oft genug in dem Bestreben einer Abspaltung wiederholt werden. Der Lübecker ist übrigens einer der unzähligen bekennenden Befürworter einer solchen Maßnahme.
Mit dem nachfolgenden Verlinkung geht es zur vollständigen Ergebnisliste der Norddeutschen Meisterschaften.

Hammerwurf-Weltrekordler Jurij Sjedych erst 66-jährig verstorben

(Sittard/Paris/Krefeld, 15. September 2021) Große Ungewissheit herrschte beim zu Deutschland grenznahen AV Unitas Sittard in den Niederlanden. Hammerwurf-Nationaltrainer Michel Leinders hatte für seine verschiedenen Kader-Athleten keinen Geringeren als den seit Anfang der 1990er Jahre in Paris lebenden amtierenden Weltrekordler und dort eine private Werfer-Akademie unterhaltenden Jurij Sjedych (*11.Juni 1955) vergangenes Wochenende zur Leitung eines Lehrganges eingeladen. Die Lernwilligen nebst ihrer Heimtrainer warteten jedoch vergeblich. Nunmehr ist bekannt, weshalb der gebürtiger Ukrainer nicht erschien. Sein nicht minder prominenter, ehedem stabhochspringender Landsmann und Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Sergej Bubka, teilte via Twitter mit, dass Sjedych gestern verstorben sei. Er wurde lediglich 66 Jahre alt, wo das Leben nach einem Schlager von Udo Jürgens, Gott hab' ihn selig, angeblich erst beginnt.
Einer mehr, der auch in diesem Fall viel zu früh seinen bei der EM 1986 in Stuttgart aufgestellten, bereits 35 Jahre alten Weltrekord von 86,74m mit ins Grab nimmt. Über diese Bestmarke hinaus (er hielt mit 67,74m zeitweise auch den Weltrekord in der M45, aufgestellt 2001 in Clermont-Ferrand) wurde der spätere Wahl-Franzose über einen langen Zeitraum hinweg zweimal Olympiasieger (1976, 1980), einmal Weltmeister (1991 in Tokio) und dreimal Europameister (1978, 1982, 1986). Der Verstorbene hinterlässt seine Frau aus zweiter Ehe, die Kugelstoß
-Olympiasiegerin von 1988 Natalja Lissowskaja, und die gemeinsame Tochter, die für Frankreich startete und bei den Olympischen Jugend-Spielen 2010 in Singapur die Goldmedaille im Hammerwurf gewann.

Kugelstoßer Karl-Heinz Marg verstarb 83-jährig nach langer Krankheit

(Osterholz-Scharmbeck/Krefeld, 13. September 2021) Ein nicht nur körperlich Großer der Kugelstoßer-Zunft bei den Senioren ist, wie ich erst gestern erfahren habe, bereits am 06.September 2021 für immer von uns gegangen, der seine überaus erfolgreiche Karriere nach der Saison 2014 offiziell für beendet erklärte (siehe Link). Das hielt er auch durch. Gezwungenermaßen. Denn noch vor Vollendung seines 80.Lebensjahres am 20.Mai 2018 und dem damit verbundenen Aufrücken in die M80 erkrankte Karl-Heinz Marg (im Archivbild) aus Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen an einer heimtückischen Krankheit, an der er nunmehr nach langem Kampf 83-jährig verstarb.
Karl-Heinz, den ich sehr gut seit der Hallen-EM 1999 im schwedischen Malmö nicht nur als Sportkameraden gekannt und geschätzt habe, wird etliche Rekorde bei der Beisetzung im engsten Familienkreis auf dem Scharmbecker Friedhof mit in sein Grab nehmen. Das sind allein an Weltrekorden gemessen aktuell immer noch die der M70 mit 15,89m aus 2008, der M75 mit 14,24m aus 2013 und unter dem Hallendach der M75 mit 14,48m aus 2014. Das hell strahlende Nordlicht gewann in den Ringen dieser Welt, von Europa und Deutschland insgesamt (Halle und Stadion) je fünf globale und kontinentale sowie elf nationale Titel.
Das beleuchtet jedoch lediglich die sportliche Attitüde dieses Gentlemans in mal kurzen und langen Hosen. Denn er widmete sich mit einem als Späteinsteiger beachtlich heruntergearbeiteten Handicap auch dem Golf. Wer mehr über den Verstorbenen erfahren und lesen möchte, dem sei der ausführliche Nachruf im „Weser Kurier“ empfohlen. Der vermittelt auch etwas vom Menschen und Kunstmentor Marg.