Norbert Demmel gibt sich und den "Bayerischen" von Stoß/Wurf die Ehre

(München/Dillingen/Rehlingen/Krefeld, 17. Juli 2022) Nach bewährtem Muster mit inzwischen zu empfehlendem Nachahmungseffekt bei allerorten abnehmenden Kampfrichtern tragen die Bayern ihre Senioren-Landesmeisterschaften für  Stoß und Wurf isoliert aus. In aller Regel ohnehin ein im positiven Sinne Häufchen für sich in der kleiner werdenden Leichtathletik-Familie wettkampfaffiner Sportler/innen bei Stadion-Veranstaltungen. Diese Titelkämpfe werden heute ab 09:30 Uhr im schmucken Ambiente des Münchner Dantestadions (im Bild) ausgetragen, wo im September 2019 das bis dato letzte Team-Finale Senioren (DAMM) stattgefunden hat.

Almut Brömmel bei den "Mädels"

Prominentester Protagonist unter den insgesamt 154 Startwilligen aus 67 Vereinen bei 381 Disziplin-Meldungen ist Lokalmatador Norbert Demmel (*1963/M55) vom TSV Unterhaching, der eigentlich mit seinem Handikap lediglich auf kleineren Werfertagen, speziell im Diskuswurf, antreten wollte. Mit einem „Hosentaschenwurf“, wie er es nannte. Der aktuelle Weltrekordhalter im Wurf-Fünfkampf der M50 und 55 wird von erheblichen, ihn stark einschränkenden Abnutzungserscheinungen geplagt (wir berichteten). Nun will der 59-jährige Linkshänder mit Kugel, Diskus und Hammer in die verschieden großen Ringe gehen. Alle Gemeldeten bis hinauf zu einem Trio in die M90 und der W85 mit der buchstäblich konkurrenzlosen, in Augsburg wohnhaften Altmeisterin Almut Brömmel (*1935) vom TSV 1860 München unter diesem Link.

Ohne jede Not Anzahl der Versuche auf vier reduziert

Bei den überwiegend recht übersichtlichen Teilnehmerfeldern in den verschiedenen Altersklassen (siehe Ergebnisliste) erschließt es sich nicht, dass im Weitsprung, Kugelstoßen und Langwürfen bei den Saarländischen und Südwestdeutschen Senioren-Meisterschaften gestern in Dillingen und Rehlingen die Anzahl der Versuche in einer Art inakzeptablem Willkürakt nach Meldeschluss auf vier begrenzt worden ist (siehe nächsten Beitrag). Das haben sie anderswo bei vergleichbarer oder höherer Frequentierung (jetzt in Bayern) und vernünftiger Zeitplan-Gestaltung auch hinbekommen. Es dauert nämlich nicht länger, wenn große Felder in klassenübergreifenden gemeinsamen Wettbewerben getrennt werden.

Reichlich Verärgerung und Unverständnis durch nachträgliche Änderung

(Dillingen/Rehlingen(/Krefeld, 16. Juli 2022) Für reichlich Verärgerung und Unverständnis sorgte im Vorfeld der Saarländischen und Südwestdeutschen Senioren-Meisterschaften heute in Dillingen und Rehlingen bei den buchstäblich Betroffenen ein nachträglicher - um es mal amtlich zu formulieren - „beschwerender Verwaltungsakt". Da wurde eine Woche nach dem offiziellen Meldeschluss (06.Juli), mithin lediglich drei Tage vor den Titelkämpfen, „von hinten durch die kalte Küche“ zum Nachteil der bereits Gemeldeten die Ausschreibung geändert. Dergestalt, dass „aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen die Anzahl der Versuche im Weitsprung, Kugelstoß und den Langwürfen auf vier begrenzt wird“. Also ein Drittel weniger Gegenleistung bei demselben Startgeld. Das wirft Fragen auf, die sich gewiss nicht nur Torsten Lange (*1945) stellte, die in seinem Klub RKS Phoenix Mutterstadt bereits heftig diskutiert wurden.

Was geschieht mit dem Startgeld bei verschiedenen Optionen?

Was geschieht mit dem Startgeld, wenn jemand unter solch abgespeckten Bedingungen erst gar nicht antreten will oder nur bei einer anteiligen Reduzierung? Oftmals geht es ja nicht nur um eine Disziplin und sind gerade die Senioren*innen nicht nur aus kleineren Vereinen überwiegend Selbstzahler. „Daraus folgert eine rechtliche Bewertung“, gibt Lange zu bedenken, „ob substantielle Veränderungen von Ausschreibungen, die zum Startverzicht führen, dennoch zur Zwangsabgabe des Startgeldes verpflichten, oder bei einem Antreten wegen der Änderungen der Bestimmungen nach Meldeschluss zumindest eine Reduzierung erfolgen müsste?“
Die Frage habe ich gestern Abend telefonisch an die saarländische Senioren-Referentin Rita Buchholz aus Saarbrücken weitergeleitet. „Darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht“, gestand die 72-jährige Ehrenamtsinhaberin freimütig. „Aber ich bin mir sicher, dass wir ein kulante Lösung finden werden.“

Nicht alle Informationsquellen machten die Kurskorrekturen publik

Ein zusätzliches Ärgernis: Einige werden von dem gesamten Vorgang einschließlich der zweimal erfolgten Zeitplanänderungen gehörig überrascht sein. Denn nicht bei allen Informationsquellen wurde die Kurskorrektur durchgängig bekannt gemacht. So auch beim Dienstleister ladv.de nicht, zu dem im Wettkampfkalender des DLV mit einem Link verwiesen wird.
Summa sumarum ein Schildbürgerstreich der absoluten Extraklasse!

Ganz normalen Gender-Wahnsinn einfach mal auf den Kopf gestellt

Kolumne

Moment mal

(Zülpich/Krefeld, 14. Juli 2022)
Heutzutage dürfen sich die ewigen Talente für die nächsthöhere Altersklasse freuen und lauthals Hosianna rufen, dass für sie überhaupt noch Veranstaltungen im Portfolio sind. So am Dienstagabend beim TuS Chlodwig Zülpich mit einem Läufer- und integriertem Werfertag ab M/W50 mit Kugel, Diskus und Speer. Insoweit die gute Nachricht. Aber irgendwie gibt es bei diesem Klub stets irgendwelche organisatorischen Unzulänglichkeiten. Und sei es in der Vergangenheit mehrmals mit aberwitzigen Verzögerungen des zur puren Makulatur verkommenden Zeitplanes, dass schon Startwillige unverrichteter Dinge wutentbrannt die nicht immer kurze Heimreise angetreten haben. Das ist verbrieft.

Ungleichbehandlung von Männlein und Weiblein bei Anzahl der Versuche

Diesmal war es der ganz normale Gender-Wahnsinn mit einer neuen Stillblüte und einer klaren Bevorteilung des angeblich gemeinhin untergebutterten „schwachen“ Geschlechts. Nicht nur sprachlicher Natur. Die fortgeschrittenen Mädels durften in allen drei Disziplinen sechs Versuche absolvieren, die älteren Jungs derweil nur vier (siehe Ergebnisliste). Das mag den größeren Teilnehmerzahlen in gemeinsamen Wettbewerben geschuldet gewesen sein. Eine Entschuldigung ist das indes nicht, bleibt gleichwohl eine eigentlich nicht hinnehmbare Ungleichbehandlung  für dasselbe Startgeld weniger Gegenleistung erhalten zu haben. Sicherlich wurde ein Drittel davon nicht beim Verlassen der Sportanlage zurückgezahlt.

Manch einer womöglich um eine bessere Leistung geprellt
 
Viel ärgerlicher ist es jedoch bei guter Tagesverfassung mit zwei Versuchen weniger möglicherweise um eine Saisonbestleistung oder gar mehr geprellt worden zu sein. Sehr gut vorstellbar bei meinem Sportfreund Ralf Unger (*1947) vom TuS Kerpen-Buir, der sich mit 11,87m lediglich sieben Zentimeter darunter befand. Bei guten Trainingsleistungen jenseits der zwölf Meter hatte der 75-jährige Drehstoßer, denen immer mal ein Ausreißer nach oben gelingen kann, mit einer Verbesserung des 35 (!) Jahre alten Nordrhein-Rekords der M75 von 12,26m geliebäugelt. Der hat längst seinen Inhaber Hans Frochte (*1911) von Eintracht Duisburg überlebt. So es ein schwacher Trost ist: Den Stadionrekord von Günter Ortmanns (ATG Aachen) aus 2013 hat der DLV-Bestenlisten-Erste gleich mal um 1,27m verbessert. Ob dafür eine Prämie ausgelobt wurde, wie der Leichlinger TV es praktiziert, ist (noch) nicht überliefert.

WM der Männer und Frauen beginnt heute um 18:05 Uhr MESZ

(Oregon/Krefeld, 15. Juli 2022; 08:30 Uhr) Noch ist nix passiert in Eugene im US-Bundesstaat Oregon. Zumindest nicht bei den Weltmeisterschaften der Männer und Frauen von heute bis zum 24. Juli. Denn dort sind sie zeitlich gesehen stramme neun Stunden zurück, ist es bei Online-Stellung dieses Beitrages noch Donnerstag, 23:30 Uhr. Wenn die heutige „Morning Session“ um 09:05 Uhr mit der Qualifikation im Hammerwurf der Männer beginnt ist es hier zu Lande nach Adam Riese 18:05 Uhr MESZ. Die abendlichen Veranstaltungen (ab 17:05 bis 17:15 Uhr), später auch mit den meisten Entscheidungen, finden bei uns zur nachtschlafenden Zeit ab 04:05 Uhr statt. Also nur etwas für absolute Enthusiasten unter den Sehleuten bei irgendwelchen Übertragungen im Fernsehen oder Internet-Livestream.
Aber nach – Achtung: doppelter Wortsinn – Angabe der DLV-Marketing-Tochter DLM interessieren sich 34,7 Millionen Bundesbürger von Jung bis Alt für die Leichtathletik. Das wurde bei „Die Finals“ mit 14 Sportarten vom 23. bis 26. Juni 2022 in der deutschen Metropole Berlin mal kurzerhand ad absurdum geführt (wir berichteten). Hinzu kommt, dass momentan sehr viele Germanen in Urlaub weilen und Besseres zu tun haben, als vor der Glotze, dem Notebook oder Smartphone zu sitzen. Alles zu diesen Titelkämpfen beim DLV und der World Athletics sowie den Zeitplan in Ortszeit.
Übrigens: Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei den vorjährigen Olympischen (Nachhol-)Spielen in Tokio mit einmal Gold und zweimal Silber ist diese WM der
„Scharfrichter" für die weitere Spitzensportförderung durch den Bund. Viel dürfte da nicht am Ufer stehen, diese mäßige Bilanz gehörig aufzupolieren. Die üblicherweise sehr vollmundig daherkommende Chef-Bundestrainerin Annett Stein schlägt inzwischen leisere Töne an, ist nur noch vom Prinzip Hoffnung die Rede. 

Nunmehr ist der offizielle Endstand zur DAMM veröffentlicht

(Darmstadt/Lage/Krefeld, 13. Juli 2022) Nicht, dass wir an unseren akribisch gesammelten und publizierten Zahlenwerken geringste Zweifel gehegt haben. Aber es hätte durchaus sein können, dass von uns unbemerkt irgendwo noch heimlich, still und leise ein DAMM-Durchgang stattgefunden hat. Das war jedoch allem Anschein nach nicht der Fall. Denn der vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) gestern außergewöhnlich zeitnah zum Meldeschluss (11.Juli) veröffentlichte Endstand zur Qualifikation für das so genannten Team-Finale Senioren am 10.September 2022 in Lage (Westfalen) ist absolut identisch mit unserer Rangliste vom 10.Juli.
Das weitere Prozedere: Der Meldeschluss der 48 qualifizierten Vereine und Startgemeinschaften für eine Teilnahme mit „belastbarer Absichtserklärung" nach DLV-Lesart ist der 28.August beim jeweils zuständigen Landesverband. Bei einem etwaigen Verzicht können da, wo es mehr als sechs gewertete Teams gibt, Nächstplatzierte nachrücken.

Ein in Stein gemeißelter deutscher M60-Rekord der LAG Obere Murg aus 2002

Belassen wir es bei dieser Gelegenheit nicht allein beim bloßen Nachrichtenwert, unternehmen im Zeitraffer einen tiefen Griff in die Nostalgiekiste, aufgemacht an der M60. Der LAC Essingen, immerhin eine lupenreine Klub-Mannschaft, liegt anno 2022 mit 7.291 Punkten vorn. Der STV Hünxe, inzwischen mit Bedburg und Duisburg als Startgemeinschaft unterwegs, sammelte bei seinem Final-Erfolg 2013 in Hamburg 7.791 Punkte. Geradezu fabelhaft dagegen, was die LAG Obere Murg vor nunmehr 20 Jahren beim Endkampf 2002 in Köngen (Baden-Württemberg) auf ihr Konto brachte. Umgerechnet auf die inzwischen gültige Wertung mit Altersklassenfaktor sind dies famose 8.668 Punkte (alt 6.775). Dieser deutsche Rekord dürfte bis zum Sankt Nimmerleinstag in Stein gemeißelt sein. Die teilweise blendenden Leistungen dahinter, vor allem von Roland Heiler mit 53,14m im Diskuswurf (aktuelle DLV-Bestenliste 44,85m), sind regelrecht zum Zungenschnalzen.

Weitsprung:  Dieter Bartzsch (Jg.1939)  5,42m, Hans Jürgen Gasper (36) 4,95m; Kugelstoß: Roland Heiler (38) 14,05m, Egon Spissinger (38) 12,80m; 100m:  Dieter Bartzsch (39) 12,31 sec., Jürgen Radke (37) 12,78; 3.000 m: Manfred Mehler (40) 10:55,17 min., Klaus  Lindner (41) 11:17,90; Diskuswurf: Heiler  53,14m, Bartzsch 44,41m; 4x100m: (Garbsch, Bartzsch, Gasper, Radke) 49,48sec.