Hammerwerferin Betty Heidler erlebte nun ihr nationales Waterloo

 

(Ulm/Krefeld, 27. Juli 2014)  Seniorinnen und Klubkameradinnen von der LG Frankfurt gestern unter sich beim Titelkampf im Hammwurf anlässlich der Deutschen Meisterschaften der Männer/Frauen im Donaustadion in Ulm. Nur der Ausgang stellte die Hierarchie schlichtweg auf den Kopf. Die gelegentlich bei internationalen Großereignissen schon an der Qualifikation scheiternde Betty Heidler (*1983) erlebte nun auch beim nationalen Saisonhöhepunkt ihr Waterloo. Mit für sie restlos enttäuschenden, fast zehn Meter unter ihrer absoluten Bestleistung liegenden 69,83 m musste die Seriensiegerin und klare Favoritin eine eher seltene, dafür aber deutliche Niederlage gegen Vereinskollegin Kathrin Klaas (72,08 m) hinnehmen. Deren drei nächstbesten Versuche jenseits 70 Meter hätten auch noch zum Triumph gereicht. Schön für sie, bitter für die tomatenblonde Betty, der wohl irgendwie Temperament, Biss und Pfeffer – hoffentlich nur vorübergehend – abhanden gekommen sind. Aber solche Tage gibt es ganz offensichtlich auch bei Professionals, besser mit dem Allerwertesten im Bett oder sonst wo geblieben zu sein. Blöd daran, dass man(n)/frau es meist vorher nicht schon weiß. Der berühmte Griff ins Klo eben. Und die übrigen aus der Ü-30-Gilde im gestrigen Einsatz? Sabine Rumpf (*1983) von der LSG Goldener Grund Selters belegte mit 59,16 m fernab von Bronze den vierten, Ulrike Giesa (*1984) vom LAC Quelle Fürth mit 55,29 m den neunten Platz. Julia Bremser (*1982) von der LSG Goldener Grund wurde zunächst nicht geführt, tauchte jedoch in der späteren finalen Gesamtliste ohne gültigen Versuch auf.

Kugelstoßerin Christina Schwanitz: Ein unvergleichliches Erlebnis

 

(Ulm/Krefeld, 26. Juli 2014)  Genuss ohne Reue. Fast. Es war das erwartete Spektakel vor historischer, imposanter Kulisse, bei dementsprechend stimmungsvollem Ambiente und einem begeistert mitgehenden Publikum auf vollen Rängen rund um die ambulante Kugelstoß-Anlage auf dem Platz vor dem Ulmer Münster. Doch nicht allen Athleten/innen wuchsen dabei Flügel, erwies sich diese grandiose Atmosphäre als zusätzlicher Rucksack. Dazu fehlten die nicht nur insgeheim erwarteten Tüpfelchen auf dem i mit Siegerweiten von Christina Schwanitz und David Storl (im Bild) jenseits der 20 respektive 22 Meter. Dafür brillierten die beiden uneingeschränkten Hauptdarsteller gestern Abend bei den ausgegliederten Wettbewerben zu den Deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen mit einer beeindruckenden Konstanz auf absolutem Weltklasse-Niveau. Die jeweiligen Bestweiten von 19,69 m und dem Meisterschaftsrekord von 21,87 m sprechen für sich. Schwanitz sagte später nach getanem Werk in die hingehaltenen Mikrofone: „Ein unvergleichliches Erlebnis.“ Da traf die 28-jährige Vize-Weltmeisterin den Nagel auf den Kopf. Ein Novum dazu welches freilich Lust auf mehr machte. Das dürften die meisten der rund 2.000 sachkundigen Schaulustigen und die vermutlich ausschließlich aus Fachleuten bestehenden Zuseher an den Bildschirmen bei der über zweistündigen Live-Übertragung auf ZDFSport.de im Internet ebenso empfunden haben.
Wie zu befürchten war, wurde der eingesetzte, restlos überforderte Kommentator Peter Leissl dieser epochalen Premiere nicht gerecht. Der sabbelte bis auf die 15-minütige Pause zwischen beiden Konkurrenzen ohne Punkt und Komma, als wäre es eine Rundfunkübertragung, redete sich dabei mit einer Unmenge von sachlichen Fehlern um Kopf und Kragen, bekam gnadenlos seine ohnehin überschaubaren Grenzen speziell bei Stoß und Wurf aufgezeigt. Es wäre allemal besser gewesen, der im Hintergrund über die Außenmikrofone zu vernehmende sach- und fachkundige Platzsprecher wäre im Originalton statt Leissl über den Sender gegangen. Das trübte für uns daheim die Freude über soviel Kugelstoßen pur ein wenig. Liebend gerne hätte ich die Stummtaste gedrückt. Aber dann hätte ich sowohl das akustische Fluidum nicht mit bekommen als mich zudem über dieses Mainzelmännchen nicht ärgern sowie an dieser Stelle mitteilen können.
Auf andere Weise höchst bedauerlich, dass Andy Dittmar nicht am Start war. Dem 40- jährigen Superrepräsentanten der Senioren fehlten nach seiner Doppelrolle beim vorwöchigen 17. Gothaer Schlossmeeting schlichtweg die Kraft und körperliche Frische. Das ist bei seiner immer noch vorhandenen Klasse halt der Tribut ans fortgeschrittene Leistungssportalter.
Die Ergebnisse sind bei Online-Stellung (08:30 Uhr) dieses Beitrages noch nicht auf leichtathletik.de veröffentlicht. Blamabel!

2.027 Gemeldete aus 42 Nationen bei der 19. Senioren-EM

(Izmir/Krefeld, 25. Juli 2014)  Wer war zuerst da: Die Henne oder das Ei? Soll heißen: Wer wem den englischsprachigen Text souffliert hat, lässt sich für den geneigten Betrachter und uns nicht beurteilen. Es laufen, bis auf den marginalen Unterschied beim Einstieg (This/These), gleich lautende Beiträge zu den Meldezahlen für die 19.Senioren-Europameisterschaften vom 22. bis 31. August 2014 im türkischen Izmir auf den Netzseiten bei der federführenden EVAA (bald EMA?) und dem Lokalen Organisationskomitee. Sei’s drum. Jedenfalls ist die Katze aus dem Sack. Die Gesamtzahl der Gemeldeten ist mit 2.027 noch ernüchternder, als die von uns an Hand später Registrierungsnummern gemutmaßten etwa 2.500. Respektabel dagegen die nationale Vielfalt aus 42 Ländern. Das sind vier mehr als zuletzt in Zittau, egalisiert sogar den diesbezüglichen Rekord von 2008 im slowenischen Ljubljana. So sie denn alle kommen. Mitunter ist es womöglich nur ein/e Repräsentant/in.
Diese Einschränkung gilt natürlich auch für die 270 die kontinentale Hitliste wieder einmal anführenden Startwilligen aus Deutschland. Gemeinhin liegt die Ausfallquote zwischen der Willenserklärung und der Teilnahme bei strammen 25 Prozent. Jene rechnerisch 202,5 Deutschen dürfen sich allerdings der theoretischen, weit überwiegend nahe 99 Prozent jedoch praktisch nicht erforderlichen Rund-um-Betreuung eines sechsköpfigen DLV-Stabes auf Dienstreise plus zweier Seniorensprecher (O-Ton Hermes: So es bei eigener Aktivität die Zeit erlauben sollte) vergewissern. Die Quote hätte man(n)/frau gerne beim Arzt des Vertrauens. Trifft freilich in Izmir zu. Denn der anwesende Vizepräsident Matthias Reick ist im richtigen Leben niedergelassener Orthopäde in Achim bei Bremen. Bevor er das werden konnte, war er Allgemeinmediziner. Das könnte bei der zu erwartenden Brüllhitze mit dafür typischen Krankheitsbildern indes noch ganz nützlich werden. Für heiße Tipps an heißen Tagen ist ja auch noch Karl-Heinz „Flunker“ Flucke im offiziellen DLV-Aufgebot.
Von hier aus schon einmal der Rat an alle 208,5 aus dem Land des Fußball-Weltmeisters gaaanz viel Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 50+ ins aufzugebende (!) Reise- und Sportgepäck.

ZDF berichtet heute live im Internet vom Kugelstoßen der DM

(Ulm/Krefeld, 25. Juli 2014)  Entschieden zu früh gefreut und frohlockt, was die meist ärgerlichen Kommentare der Dampfplauderer der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten angeht. Das ZDF, mit dem man angeblich besser sieht, aber allzu oft mit gedrechselten Worthülsen und fachlicher Inkompetenz ordentlich was auf die Gehörgänge bekommt, überträgt heute ab 18.45 Uhr im Internet unter www.zdfsport.de live von den beiden Kugelstoß-Wettbewerben im Rahmen der Deutschen Meisterschaften der Männer/Frauen vom Platz vor dem Ulmer Münster (wir berichteten mehrfach). Also, ihre lieben wahren Fachleute, ganz tapfer sein oder wenn es die Erträglichkeitsgrenze überschreitet, einfach den Ton leiser stellen.

Kugelstoß-Spektakel bei tollem Ambiente an historischer Stätte

(Ulm/Krefeld, 24. Juli 2014)  Ausnahmsweise hatte der DLV mal eine glorreiche Idee oder welcher Marketingstratege sie ihm auch immer geflüstert hat. Freilich ist sie mitnichten neu und revolutionär. Längst von reinen Stabhochsprung-Wettbewerben auf Laufstegen in Innenstädten (Björn Otto sprang 2012 im Schatten des Aachener Domes mit 6,01 m deutschen Rekord) und dem Beispiel folgend mittlerweile auch vom Kugelstoßen bekannt. Premiere ist es allerdings, dass im Rahmen von Deutschen Meisterschaften, 113 vorher mussten dazu ins Land gehen, die Kugelstoß-Konkurrenzen der Männer und Frauen ausgekoppelt werden. Die finden morgen Abend (Beginn 19 Uhr) nacheinander auf einer ambulanten Anlage mit einer 2.000 Zuschauer fassenden Stahlrohrtribüne auf dem Platz vor dem Ulmer Münster statt.
Welch ein Ambiente. Was noch mehr zählt: Diese in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu ständig vernachlässigte Spezies erhält eine ausschließlich auf sie gerichtete Aufmerksamkeit. Logischerweise und zwangsläufig auch medial. Unter www.leichtathletik.de wird vom ersten bis zum letzten Versuch aller Teilnehmer/innen im Live-Stream berichtet. Das hat entschieden den Vorteil, dass es von den durch keinerlei Fachkenntnis getrübten Kommentatoren der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten nichts auf die Ohren gibt. Genuss pur – bei Kugelstoßen pur.
Allzu spannend wird es indes weder hier noch da zugehen. Außer auf den Plätzen. Die Favoritenrollen sind klar verteilt. Es stellt sich allenfalls die Frage, ob Doppel-Weltmeister David Storl endlich die 22-m-Marke knackt, die er zuletzt hauchdünn um drei Zentimeter verfehlte, und ob Vize-Weltmeisterin Christina Schwanitz erstmals in dieser Saison über 20 Meter stößt?
Schaun mer mal, dann sehn mer scho. Und nicht vergessen! Solch eine Gelegenheit kommt so schnell nicht wieder. Beim Barte des Propheten.