Senioren-EM: Völlig sinnfreies Unterfangen von 56 Geheimniskrämern

(Izmir/Darmstadt/Krefeld, 31. Juli 2014)  Ferienzeit = Sauregurkenzeit. Die gefühlt halbe Nation befindet sich irgendwo in Urlaub. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt bei hochbrisanter politischer Weltlage Seele und Beine beim Wanderurlaub in Südtirol (Nord-Italien) baumeln, besuchte von dort aus gestern die Wagner-Festspiele in Bayreuth. Natürlich hat sie stets ihr inzwischen besser gesichertes Handy dabei, ist ständig online. Das sind wir auch. Dennoch ist die Nachrichtenlage dürftig, Sportfeste landauf, landab Mangelware. Wer den Anspruch hat seinen Stammgästen täglich etwas Neues an Informationen zu bieten, und das haben wir, der muss sich gelegentlich ein Thema schnitzen. Andere machen das ebenfalls. Beispielsweise die Senioren-Spielecke des DLV. Diesbezüglich  verweisen wir auf unsere gestern Abend eingestellte Glosse im Fenster „Flurfunk“. Viel Spaß!
Aber wat nu? Dafür gingen wir in den Keller und kramten Eingemachtes hervor: Die Meldezahlen für die Senioren-EM in Izmir. Namentlich mit Erlaubnis genannt sind es auf der Verbandsnetzseite 214 aus Deutschland. Inkognito kommen noch 56 zur Gesamtzahl von 270 hinzu. Die sind jetzt allerdings auch enttarnt. Denn auf der Netzseite des Lokalen Organisationskomitees gibt es inzwischen unter G wie Germany eine alphabetische Namensliste von A(dam) bis Z(orn). Soweit geht unsere Langeweile allerdings nicht, die 56 ehemaligen Geheimniskrämer heraus zu filtern und an dieser Stelle zu benennen. Dieser Beitrag diente lediglich einmal mehr dazu aufzuzeigen, wie sinnfrei deren Unterfangen schlussendlich war und auch beim nächsten Mal wieder sein wird.

Sportsch(l)au: Sportler müssten leidensfähig sein und Schmerzen ignorieren

(Köln/Krefeld, 30. Juli 2014) Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“ an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 54. Kapitel zu diesem Themenkomplex. A.H.
Leistungssportler weisen uns den Weg, wie etwa die einstige Basketball-Ikone Charles Barkley aus den USA, der bekannt war für seine Unfreundlichkeit auf dem Spielfeld. So wenig nett er gegenüber seinen Konkurrenten war, so hart war er jedoch auch gegen sich selbst. „Sport heißt Schmerz. Ich habe immer Schmerzen… Solange ich bezahlt werde, habe ich das zu ertragen. Wer bei schmerzt aussetzt, kann kein Profi sein“, erklärte Barkley dereinst in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL.
Ein ganzer Kerl also. Genau wie Fußballer, die sich fit gespritzt auf dem Spielfeld tummeln, oder Radrennfahrer, denen man – ob mit oder ohne Doping – die Schmerzen in fast allen Körperteilen bei Bergankünften geradezu ansieht. Leistungsbereit sein heißt also auch bereit zu sein Schmerzen zu ertragen. Und was für Spitzensportler gilt, sollte für Amateure ein Vorbild sein.
Das ist natürlich blanker Unsinn. Selbst bei Barkley & Co. Erst recht bei durchaus engagierten Hobbysportlern, die sich an Wettkämpfen beteiligen. Die werden nämlich nicht ständig medizinisch betreut, haben keinen Psychologen und Ernährungsberater an ihrer Seite. Sie sollten vielmehr auf die gut funktionierenden Warnsignale ihres Körpers achten. Dazu gehört unter anderem auch der Schmerz. Das können schon Muskelkater, leichte Zerrungen und Übermüdungssyndrome oder eine läppische Erkältung infolge Überlastung des Immunsystems sein, durch die der Körper sich eine Auszeit erzwingen will. Darauf gilt es zu hören und ist nicht nach dem Motto „Gelobt sei was hart macht“ zu ignorieren.
Fazit: Habe ich Spaß beim Sport, bin ich nachher ausgeruht, fühle mich fit und verspüre eine innere Zufriedenheit, dann bin ich sicher auf dem richtigen Weg und trainiere innerhalb meines persönlichen Leistungsvermögens. Dies sollte der Maßstab sein.

Ob Pest oder Cholera - auf ARD und ZDF traf von der DM beides zu

TV-Kritik

(Ulm/Krefeld, 28. Juli 2014)
Ein wahr gewordener Albtraum: Der geneigte Betrachter hatte nicht einmal die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die exklusiv übertragenden öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten von ARD und ZDF gaben – um im Bilde zu bleiben – im fliegenden Wechsel den Staffelstab von der Berichterstattung der Deutschen Meisterschaften der Männer/Frauen in Ulm weiter. Was für eine Geldvernichtung unser aller Rundfunk- und Fernsehgebühren, bei einer Zwei-Tages-Veranstaltung den immensen technischen und personellen Aufwand doppelt zu betreiben. Da gehört im Interesse der Allgemeinheit von übergeordneter Stelle schnellstens ein Riegel vorgeschoben. Es macht von der „Qualität“ ohnehin keinen Unterschied, wer von beiden auf Sendung geht.
Längst ist der griffige Dreisatz der Leichtathletik laufen – springen – werfen von der Reihen- zur Rangfolge hoch sterilisiert worden (das ist jetzt kein Schreib- oder Denkfehler). Einmal mehr wurde gestern (ARD) die Abteilung Wurf untergebuttert. Stattdessen war Runden drehen bis der Arzt kommt angesagt. Dazu in langatmigen und langweiligen Bummelrennen mit 1.400 oder 4.900 Meter Anlauf und einem Tribünenspurt hintendrauf. Typische Meisterschaftsrennen pflegt der Fachmann das zu nennen. Treffender wäre zu Tode geschont und Muster ohne Wert. An Härte nicht gewöhnt, werden die Damen und Herren international hinterher hecheln. Wer heute die Glorifizierung auf der Verbandsnetzseite liest, dem wird der Kitt aus der Brille fallen.
Weitaus spannender ging es beim Hammerwurf der Männer und Speerwurf der Frauen zu. Aber das wurde dem bei der ARD angeblich in der ersten Reihe sitzenden Konsumenten geflissentlich vorenthalten. Kein Schnipselchen als Konserve dieser vor Sendebeginn statt gefundenen Wettbewerbe. Nicht mal ein verbaler Hinweis darauf. Was nicht live über den Bildschirm flimmert, hat eben nicht statt gefunden. Punkt. Sehr spartanisch auch, was unsereins vom Diskuswurf der Männer geboten wurde. Klar, da joggten ja auch gerade die 5.000-m-Läufer ums Oval. Dafür gab es das vom ZDF bereits Samstag, inklusive Aktuelles Sportstudio, hinlänglich ab gearbeitete, vom DLV verschlafene Thema um den behinderten Weitspringer Markus Rehm aus Leverkusen als viel zu lang geratenen Aufguss. Das kommt dabei heraus, wenn zwei Sender sich wechselseitig eine Meisterschaft teilen.
Beinahe müßig zu erwähnen, dass sich die Kommentatoren dem mäßigen Niveau der Mittel- und Langstreckler/innen sowie dem jämmerlichen Bildregisseur nahtlos anpassten. Ralf Scholt, der in seiner allzu saloppen Sprache stark zum Jargon neigt, wollte nach einem Gewitterregen gar eine Überflutung der Bahn festgestellt haben. Da muss wohl die Donau bis ins gleichnamige Stadion über ihre Ufer getreten sein. Aus den 400 Metern der Männer wurden 400 m Freistil (der Scholt hat bei Schwimmwettbewerben offenbar zu oft den Stichwortgeber für Expertin Franziska van Almsick gespielt). Das hinderte Kamghe Gaba indes nicht daran in 45,82 sec. nahe seiner Saisonbestzeit die Lichtschranke zu passieren. Von Aquaplaning habe keine Rede sein können, versicherte er später beim so genannten „Flash Interview“ in der Mixed Zone. Dumm gelaufen für den Poeten am Mikrofon. Derweil verbandelte sein Kollege Wilfried Hark mehrfach Robert Harting mit der Diskuswurfsiegerin des Vortages. Das war die dunkelhäutige Shanice Craft aus Mannheim. Die Herzdame des Berliners ist jedoch seine Klubkameradin Julia Fischer, die Zweite wurde. Ein bisschen Klatsch und Tratsch ist ja ganz hübsch. Nur sollte er dann auch stimmen. Besser den Mund halten, bevor man(n) sich selbigen verbrennt.
Lassen wir es gut sein, erinnern uns als ältere Semester wehmütig der Zeiten, wo das kongeniale Doppel Dieter Adler/Gerd Rubenbauer bei der ARD und Bernd Heller beim ZDF das Sagen hatten. Gleichwohl dürfen wir uns auf die Übertragungen von den Europameisterschaften in Zürich freuen. Denn da gibt es nämlich wieder mit den ausgewiesenen, Preis gekrönten Fachleuten Sigi Heinrich und Dirk Thiele von EUROSPORT eine Alternative, die zudem aus ihren Herzen keine Mördergrube machen und sich schon einmal gegenseitig auf die Schippe nehmen. Obendrein berichtet der Spartensender viel ausführlicher.

Allein drei deutsche Einzelmeisterschaften 2015 im Osten der Republik

(Darmstadt/Krefeld, 29. Juli 2014)  Werfen wir einen kühnen Blick voraus auf den Rahmenterminplan 2015 und greifen dabei in die Ostalgie-Kiste. Da fehlt am letztgenannten Wort kein „N“ vorne. Schließlich handelt es sich ja um die Zukunft, irgendwie jedoch auch um die verklärte Vergangenheit. Denn die Karawane wird zu allein drei deutschen Einzelmeisterschaften der Senioren ostwärts ziehen. Wieder einmal. Vielleicht stößt ja noch die Team-DM hinzu, deren Schauplatz noch nicht feststeht. Es mag durchaus sinnvoll sein, auf Bewährtes zurück zu greifen. Andererseits entbehrt es einer gewissen Originalität, Abwechselung und mithin Vielfalt. Dazu werden den immer gleichen landsmannschaftlichen Gruppierungen weite An- und Abreisen zugemutet. Als da wären am 28.Februar/01. März die Deutschen Hallen-Meisterschaften in Erfurt (wo auch sonst, dieses Jahr erneut mit dem Doppel Halle und Freiluft), die Deutschen Meisterschaften vom 10. bis 12. Juli in Zittau und die nationalen Titelkämpfe im Wurf-Fünfkampf im September (genauer Termin steht noch aus) in Zella-Mehlis. Also zweimal Thüringen, einmal Sachsen. Insbesondere der weite Ritt nach Zittau, die östlichste Stadt unserer Republik im Drei-Länder-Eck Deutschland – Polen – Tschechien, wird nicht nur wegen der Abgelegenheit und Entfernung keine pure Freude auslösen. Wenngleich die örtlichen Ausrichter nichts dafür konnten, war die Senioren-EM 2012 an gleicher Stelle mit reichlich negativen Begleitumständen belegt. Das wird sich aufgrund völlig anderer Voraussetzungen nicht wiederholen, ist aber noch in vielen Köpfen der damals 2.150 (!), die Ausfallquote von 25,12 Prozent schon abgezogen, heimischen Teilnehmer/innen. Einen derartigen Ansturm wird es infolge Normen bei der DM ohnehin nicht geben, die im August 2004 schon einmal in Zittau stattfand. Übrigens bestens organisiert.

Robert Harting souverän, Markus Esser mit ganz viel Dusel

(Ulm/Krefeld, 28. Juli 2014)  Diskuswurf-Dominator Robert Harting (*18.10.84) vom SCC Berlin – wer sonst?! Der Dreißiger in Lauerstellung setzte sich als einziger Senioren-Vertreter der Konkurrenz am gestrigen Schlusstag der Deutschen Meisterschaften der Männer/Frauen im Ulmer Donaustadion souverän mit 66,67 m durch. Dabei ließ sich der Berliner auch nicht von einem Gewitterregen und rutschigen Ring stoppen. Er konnte sich den Luxus leisten auf die beiden letzten Versuche zu verzichten und schaute seelenruhig zu, wie sich die Martin Wierig & Co. vergeblich daran abarbeiteten, ihn noch einzufangen. Eine Zitterpartie wurde es indes für einen weiteren großen Favoriten der Ü-30-Generation. Hammerwerfer Markus Esser (*1980) vom TSV Bayer 04 Leverkusen hatte bei seinen 75,18 m gerade mal einen Vorsprung von drei Zentimeter vor dem sieben Jahre jüngeren Alexander Ziegler von der LG Staufen. Wer will da bei dem aufgewühlten Rasen Messungenauigkeiten hier wie da mit völliger Sicherheit ausschließen?  Garland Porter (*1982) von der LG Eintracht Frankfurt belegte mit 70,32 m den vierten Rang, Essers gleichaltriger Klubkamerad Benjamin Boruschweski verpasste als Elfter (64,10 m) von allen angetretenen 13 Gemeldeten klar das Finale.
Katharina Molitor (*1983) setzte im Titelduell der beiden Leverkusenerinnen der Jahresbesten Linda Stahl mehr zu, als der lieb gewesen sein dürfte. Mit im letzten Versuch erzielten 63,40 m rückte sie der Olympia-Dritten und angehenden Medizinerin bis auf 15 Zentimeter nahe. Susanne Siebert (*1984) von der LG Augsburg als Vierte (57,88 m) und Mareike Rittweg (*1984) als Achte (53,66 m) sorgten für einen makellosen Auftritt der 30-Prozent-Fraktion in dem Zehnerfeld der Speerwerferinnen. - Die vollständige Ergebnisliste lässt sich mit diesem Link öffnen.