Andy Dittmar und Wolfgang Ritte die herausragenden Athleten

(Erfurt/Krefeld, 27. Februar 2015) Es fügt sich, dass ein Lokalmatador der alles überragende Protagonist aus Werfersicht bei den heute beginnenden Deutschen Hallen- und Winterwurf-Meisterschaften der Ü-35-Generation in und an der Steigerwald-Arena zu Erfurt sein wird: Andy Dittmar (*1974) aus dem gerade einmal 18 Kilometer entfernten Gotha und da sowie in der Landeshauptstadt von Thüringen unter dem Markenzeichen Kugel-Andy bekannt wie ein bunter Hund. Ohnehin ist er bei 1,98 Meter Körpergröße und gut verteilten 137 Kilogramm Kampfgewicht schwerlich zu übersehen. Die Frage nach seinem Sieg in der M40 stellt sich nicht, allenfalls, mit welchem Vorsprung er gewinnen wird. Der 40-jährige Marketingleiter der AOK Plus ist mit seiner Jahresbestleistung von 18,06 Meter (12. der deutschen Hallenbestenliste) bei den Senioren in Deutschland ähnlich dominant wie Jungspund David Storl (*1990) aus Leipzig bei den Männern. Dittmar würde auch locker die M35 für sich entscheiden.
Schauen wir noch über den Zaun. Mit Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen gibt der Primus inter pares unter den deutschen Senioren, und nicht nur vermutlich weit darüber hinaus, des Jahres 2014 sich und den 14. nationalen Titelkämpfen unter dem Hallendach die Ehre. Dabei belässt es der klassenübergreifend 40malige Weltrekordler im Stabhochsprung nicht allein bei einem Auftritt in seiner Spezialdisziplin. Der 62-jährige Wahl-Uerdinger mit Wohnsitz Moers startet zum Schrecken der Konkurrenz auch über 60m Hürden und im Weitsprung. Auch hier dürfte der Zehnkampf-Weltrekordler der M60 nur schwerlich bis gar nicht zu schlagen sein. Aber wer ihn kennt, wird er seinen ungebremsten Ehrgeiz daran setzen, mit dem Stab nach 4,15m in Fürth und 4,16m in Ludwigshafen seinen dritten diesjährigen Hallen-Weltrekord aufzustellen. Bevorzugt nach Ritte’scher Salamitaktik mit 4,17m. Schaun mer mal, dann sehen wir es. Zwischendurch wird er morgen gegen 13.45 Uhr noch die ideelle Auszeichnung für den Deutschen Senioren-Leichtathleten 2014 in Empfang nehmen. Darauf werden sich auch die hohen Amts- und Würdenträger freuen, mit ihm zusammen als einer Art Lichtgestalt abgelichtet zu werden. Zumindest das beherrschen sie in Perfektion.
Sei noch erwähnt, dass mit je 13 Startwilligen Kugel und Diskus der M55 die meldestärksten Wettbewerbe im Stoß/Wurf sind. Nun müssen sie nur noch alle antreten, was bei der grassierenden Grippewelle so unwahrscheinlich ist wie ein Sechser im Lotto. Alle weiteren Details gibt die Online-Meldeliste her.

Erschreckend niedrige Meldezahlen für Hallen- und Winterwurf-DM

(Erfurt/Krefeld, 26. Februar 2015) Immer wieder Erfurt. Nichts gegen die schöne thüringensche Landeshauptstadt, den rührigen Thüringer Leichtathletik-Verband (TLV) und örtlichen Gastgeber ASV Erfurt. Sie haben ihre Aufgabe stets hervorragend gelöst. In nahezu jeder Beziehung. Und sie werden das auch bei den 14. Deutschen Hallen- und 12. (die Angabe 13. beim DLV ist falsch!) Winterwurf-Meisterschaften am kommenden Wochenende in und an der Steigerwaldhalle wieder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bestens hinbekommen. Aber Erfurt als (zu) oftmaliger Schauplatz von nationalen Titelkämpfen, dazu meist im Doppel mit den Stadionmeisterschaften im gleichen Jahr, hat sich tot gelaufen. Stamm-Teilnehmer sind ganz offensichtlich des „ewigen“ Erfurts überdrüssig. Wie anders wären die erschreckend niedrigen Meldezahlen zu erklären, die einem Erdrutsch entsprechen? Es sind lediglich 995 Gemeldete aus 529 Vereinen bei 1.847 Starts. Und daran sind noch 59 Geher/innen enthalten, die am Freitag separiert ihre Meisterschaften austragen. Es waren irgendwann an gleicher Stelle seit der gemeinsamen Austragung bis und über 50 Jahre schon 1.500 und ein paar mehr. Wenn da jetzt nicht die Alarmglocken läuten?!
Ein Teil der Ursache wurde bereits genannt. Aber es gibt garantiert vielschichtigere Gründe. Das beweist auch das rückläufige Interesse an Europa- und Weltmeisterschaften, die schließlich jedes Mal wo anders über die sportliche Bühne gehen. Darüber sollten sich mal die Leute an den Hebeln der Macht bei den Verbänden und die vielen Hauptamtlichen beim DLV in Darmstadt Gedanken machen, anstatt Worthülsen in „schlauen“ Fensterreden aneinander zu reihen und leichtfertig für alles wie jedes die Gebühren zu erhöhen, die letztendlich der Athlet als schwächstes Glied der Kette zahlt.
Und wofür haben wir eigentlich - die fehl besetzten - Senioren(ver)sprecher? Ach ja - für die Altkleidersammlung von ausrangierten Nationaltrikots. Der wichtigste Tagesordnungspunkt bei dieser DM. Dahinter verkümmert die Titel- und Medaillenvergabe zur Nebensache.

Alwin J. Wagner derzeit als leibhaftiger Wanderpokal unterwegs

(Frankfurt/Melsungen/Krefeld, 24. Februar 2015) Als leibhaftiger Wanderpokal in Sachen Doping-Vergangenheitsbewältigung reist momentan der ehemalige Weltklasse-Diskuswerfer Alwin J. Wagner (im Bild) aus dem hessischen Melsungen bei Kassel durch die Lande (wir berichteten). Der 64-jährige Polizei-Hauptkommissar a.D. und Leichtathletik-Trainer seines Heimatvereines war gestern Abend in der Live-Sendung „Heimspiel“ des Hessischen Fernsehens in Frankfurt Studiogast. Dort wurde in zwei verschiedenen Blöcken zum Thema berichtet. Allerdings ist in der Mediathek nur der Beitrag  abrufbar, bei dem Moderator Tobias Kämmerer, die Sportrechtsexpertin Prof. Dr. Anne Jakob, Ex-Zehnkämpfer Frank Busemann und eben Wagner in kargen 3:49 Minuten sich am runden Tisch  letztlich viel zu oberflächlich über die Gesetzesvorlage zum Straftatbestand von Doping unterhalten konnten. Mehr zum ersten Block auf der Videotextseite 207 vom Hessischen Rundfunk (HR).
Einmal mehr bezeichnend, dass der DLV, der schließlich auch immer wieder genannt wird, sich auf seiner Netzseite zu all dem gründlich ausschweigt. Dabei können sie sich in Darmstadt nicht damit herausreden, sie wären nicht über alles im Bilde, was durch die verschiedenen Medien geistert. Denn deren beileibe nicht kleine PR-Abteilung hat einen so genannten Ausschnittdienst beauftragt, der ihnen jeden Schnipsel liefert, in dem irgendwo der DLV drin vorkommt. Womöglich sogar bei uns. Aber in Darmstadt hat es System, Blinde Kuh zu spielen, alles schön zu reden/schreiben und die nicht vorhandene heile (Leichtathletik-)Welt vorzugaukeln. Dazu fiele mir jetzt noch ein schöner Spruch ein. Den verwahre ich mir jedoch für einen Kommentar auf.

Deutschland darf nicht abgeschafft werden: SENGIDA contra Germany!

Glosse

Neben der Spur

(Erfurt/Krefeld, 25. Februar 2015)
Bedingt durch die Tagesaktualität in Sachen Vergangenheitsaufarbeitung von Doping-Praktiken in der alten Bundesrepublik wurde SENGIDA (= Senioren gegen Internationalisierung der AK-Trikots) ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Nennen wir es die Ruhe vor dem Sturm. Denn der Kampf gegen die Verbandswillkür und Gängelung von Athleten/innen in fortgeschrittenem Leistungssportalter, die sich nicht in einem Akt der kulturellen Selbstverleugnung vom DLV in ein Trikot mit der Aufschrift GERMANY nötigen lassen wollen, geht unverdrossen weiter. Mag dabei der Senioren(ver)sprecher „Alf“ Hermes (im Bild) aus der einstigen Kernreaktor-Gemeinde Jülich als Rotkäppchen (rote Baseballmütze mit goldener Bestickung GERMANY) verkleidet bei der Hallen-DM am kommende Wochenende im thüringenschen Erfurt in einer Art Realsatire den verstrahlten Versuch einer Altkleidersammlung unternehmen. Wer wird schon allen Ernstes sein Trikot spenden, um damit einheitlich gedresste Teilnehmer für Staffeln auszustaffieren? Crazy! Klingt ein bisschen netter als total bekloppt.
Sei in diesem Zusammenhang ein mir ganz nahes Beispiel genannt. Mein extra dafür gekauftes, abgespecktes Nationaltrikot (da Flagge statt Bundesadler), in dem ich im April 2012 bei der Hallen-WM im mittelfinnischen Jyväskylä an Karfreitag Weltmeister im Kugelstoßen der M65 geworden bin, habe ich über eine Schaufensterpuppe gezogen, ihr die Goldmedaille um den Hals gehängt und in den Hausflur meines denkmalgeschützten Drei-Familien-Hauses des Baujahres 1896 (genau, da waren die ersten Olympischen Spiele der Moderne) gestellt. Wann immer ein Besucher das Haus betritt, wird per Bewegungsmelder das zur Schau gestellte Objekt mittels LED-Licht grell-hell angestrahlt und die Nationalhymne, die deutsche natürlich, eingespielt.
Bevor es noch einer glaubt, sei daran erinnert, dass es sich hier um eine Glosse und folglich um eine spaßige Fiktion handelt. Es soll gleichwohl heißen, dass dieses Trikot einen hohen Erinnerungswert für mich hat. Da ich nach diesem Erfolg nicht mehr international starten werde, wie sollte ich das mit jetzt Siebzig auch noch steigern können, habe ich es durch meine persönliche Regierungschefin, eine – das passt dazu – Textil-Designerin (das ist jetzt kein Scherz), schmuckvoll in einen Rahmen drapieren lassen und in meine eigene kleine „Folterkammer“ im Keller aufgehängt. Da sieht es außer mir zwar keiner, reicht mir aber völlig. Notfalls als Motivation, so sich beim „Eisenbiegen“ mal wieder der innere Schweinhund melden sollte. Denn ohne Fleiß kein Preis. Und sei es der eines Nordrheinmeisters.
Zurück zu unserem possierlichen Alfilein. Sein sinnfreies Vorhaben ist kontraproduktiv und spielt dem DLV in die Karten, der sich nicht einmal mehr aus der Verantwortung stehlen muss. Der „Götterbote“ begründet es damit, nicht nach der „Obrigkeit“ rufen zu wollen. Das ausgerechnet von ihm, der stets in devoter Haltung in Geschäftsführung ohne Auftrag als oberster Erfüllungsgehilfe des Verbandes fungiert, statt die Interessen seiner Schutzbefohlenen zu vertreten. Schizophren! Umgekehrt wird ein Sportschuh daraus. Während sich Senioren/innen zu Europa- und Weltmeisterschaften mit allem Drum und Dran selber entsenden, werden sie allein für Staffeln und Mannschaftswettbewerbe (Gehen, Cross, Marathon) offiziell von ihrem Verband, hier dem DLV, nominiert. Also hat der in diesem konkreten Falle auch für die Ausrüstung mit einheitlichen, von der EMA/WMA genehmigten Leibchen Sorge zu tragen. So einfach ist das. Und es ist mit einem weiteren Missverständnis aufzuräumen. Die schon allerorten und allenthalben viel zitierte Regel 143.1 spricht sowohl in der deutschen, als auch in der originären englischen Fassung von Trikot, also Einzahl. Danach kann bei strenger Auslegung der DLV gar keine zwei verschiedenen Versionen mit einerseits Deutschland, andererseits GERMANY aus den beiden letzten Kollektionen melden. Dazu können, was den Wiedererkennungswert, die eigene und die Identität für Dritte angeht, zwei Begriffe für dieselbe Nation nicht weiter auseinander liegen.
Lange Vorrede, kurzer Sinn: Die Initiatorengruppe SENGIDA wird bei der DM im Foyer der Steigerwaldhalle Unterschriftenlisten Contra GERMANY und zurück zu Deutschland auslegen. Unser einig Vaterland darf in der Außendarstellung nicht abgeschafft werden. Hören wir auf unseren Bundespräsidenten Joachim Gauck, der da unlängst sagte: „Wir alle sind Deutschland!“
Basta! Punkt! Schluss! Dieser Wahnsinn muss ein Ende haben. Für immer!

10. Hallen-EM mit 2.409 gemeldeten Athleten aus 44 Nationen

(Lausanne/Torun/Krefeld, 24. Februar 2015) Offenbar handelte es sich um eine äußerst schwere Geburt. Wie so ziemlich alles, was mit den 10.Hallen-Europameisterschaften mit Winterwurf der Ü-35-Generation vom 23. bis 28. März 2015 im polnischen Torun in Zusammenhang steht. Erst geschlagene drei Wochen nach Meldeschluss veröffentlichte die European Masters Athletics (EMA oder immer noch EVAA) mit Sitz in Lausanne (Schweiz) gestern auf ihrer Netzseite die Meldezahlen für diese unter keinem guten Stern stehenden Jubiläumstitelkämpfe. Danach haben 2.409 Athleten (1.765 Männer, 644 Frauen) aus 39 kontinentalen und fünf außereuropäischen (!) Nationen (Argentinien, Australien, Chile, Kanada, USA) ihre Nennungen abgegeben. Aus dem genannten Quintett ist es buchstäblich nur eine Handvoll. Aber es hätte doch etwas, wenn ein Südamerikaner tatsächlich Europameister würde. Gewissermaßen reif fürs Kuriositätenkabinett. Nebenbei bemerkt darf das Lokale Organisationskomitee (LOC) nach den immer noch geltenden Statuten der EVAA keine Meldungen von Aktiven annehmen, deren Land nicht der EMA/EVAA angehört. Aber das haben wir schon bei früherer Gelegenheit thematisiert. Kann dennoch nicht schaden, den EMA-Präsidenten Kurt Kaschke aus Freudenstadt im Schwarzwald daran zu erinnern. Wie an die immer noch ausstehende Antwort, ob Teilnehmern wahrhaftig eine Disqualifikation droht, wenn sie nicht im aktuellen Leibchen ihres nationalen Verbandes aufschlagen? Bevor es noch irgendwo im Schnee an seinem Haushang am „Kniebis“ (das ist ein 960 Meter hoher Bergrücken) stecken bleibt.