Start der Deutschen Sportlotterie musste erneut verschoben werden

(Krefeld, 16. August 2014)  Es hakt und klemmt bei der von Diskuswurf-Allesgewinner Robert Harting vom SCC Berlin mit initiierten Deutschen Sportlotterie (DSL), die in der repräsentativen Villa Haus Schönhausen im edlen Krefelder Stadtteil Bockum gegenüber dem Zoo ihren Sitz haben wird. Wie der geschäftsführende Gesellschafter und erfolgreiche Unternehmer Gerald Wagener gegenüber der örtlichen Presse erklärte, muss der für September geplante Start nunmehr auf Ende November verschoben werden. Diese Meldung waberte durch die Medienlandschaft und schwappte bis zur EM nach Zürich herüber, wo Harting in Interviews damit konfrontiert wurde. Der 29-jährige „Goldhamster“ zeigte sich bestens informiert und präpariert, kennt den Grund für die neuerliche Hinauszögerung. Der da wäre: Obwohl der Antrag bei der Bezirksregierung Düsseldorf werberische Maßnahmen für die Lotterie durchführen zu dürfen bereits seit März vorläge, wurde bislang die Genehmigung dafür noch nicht erteilt. Dazu bedürfe die Werbeerlaubnis obendrein der Zustimmung des Glücksspielkollegiums. „Ohne Werbung macht es wenig Sinn an den Start zu gehen“, erklärten Wagener und Harting unisono zeitversetzt an verschiedenen Orten.
Bleibt also zu hoffen, dass es sich um die letzte Hiobsbotschaft handelte und die DSL demnächst ihrem plakativen Wahlspruch „Wir machen Sieger und Gewinner!“ gerecht werden kann.

Für Schwanitz & Co. stehen die Qualifikationen mit Kugel und Diskus an

(Zürich/Krefeld, 15. August 2014)  Einmal abgesehen davon, dass heute vor 47 Jahren meine Tochter Vera geboren wurde, hat der oben genannte Tag für Millionen Menschen eine besondere Bedeutung. Für die Italiener ist es der Ferragosto, der älteste in Europa immer noch begangene Feiertag. Er kennzeichnet den Mittelpunkt der Ferienzeit. Da herrscht von oben in Südtirol bis in die Stiefelspitze und den dazu gehörigen Inseln eine Art Ausnahmezustand. Darüber hinaus wird er in vielen christlichen Staaten und auch Teilen hier zu Lande als Mariä Himmelfahrt gefeiert. Das eine wie das andere wird für die heutigen Protagonisten bei den Leichtathletik-Europameisterschaften der Männer und Frauen indes allenfalls zu einer Randnotiz verkümmern, so sie überhaupt daran denken. Gleichwohl werden manche hinterher ihren Auftritt als Himmelfahrtskommando verstanden haben. Mögen unsere stoßenden und werfenden Mädels davon verschont bleiben, die gleich zu den Qualifikationen in die verschieden großen Ringe im bislang mäßig gefüllten Stadion Letzigrund gehen. Das sollte allerdings für das Quintett um die Kugel stoßende Vize-Weltmeisterin Christina Schwanitz bei den geforderten Weiten von 17,50 respektive  57,50 m kein allzu großes Problem darstellen. Mit Ausnahme von Drehstoßerin Lena Urbaniak, die schon in den Bereich ihrer Bestleistung von 17,84 m vordringen müsste.

David Storl wurde seiner Favoritenrolle souverän gerecht

(Zürich/Krefeld, 13. August 2014) Wenn nicht er, wer sonst? Es gibt sicherlich unangenehmere Vor- und Aufgaben, als von der Fachwelt zum einsamen Favoriten proklamiert zu werden, der den Titel auf dem Tablett serviert bekommt und ihn sich „nur“ noch abholen muss. Das tat er dann auch, der Kugelstoßer David Storl vom LAC Erdgas Chemnitz aus dem Sachsenlande. Aber der Druck, der da von innen und außen auf ihm lastete, war immens. Als Selbstverständlichkeit sollte es nicht angesehen werden, dass der 24-jährige Koloss all dem standhielt und gestern Abend im legendären Letzigrund in Zürich bei den Leichtathletik-Europameisterschaften seinen Titel verteidigte. Wieder einmal. Nun ist „Storli“ also im doppelten Doppelpack Europa- und Weltmeister, dazu Olympiazweiter. Halten wir inne und vergegenwärtigen uns – der Mann ist gerade einmal 24 Jahre jung,  geboren schon als Bundesbürger am 27. Juli 1990 im sächsischen Rochlitz. Die deutsche Nationalhymne, die für ihn bei seinen vielen internationalen Erfolgen, Junioren eingeschlossen, schon so eine Art Evergreen ist, scheint ihn nicht sonderlich zu begeistern. Mit stoischer Ruhe und Gelassenheit, fast teilnahmslos, nahm er das Zeremoniell hin. Eben irgendwie doch schon Routine. Nur die Scherzchen vor- und nachher mit dem diesmal drittplazierten Doppel-Olympiasieger Tomasz Majewski (*1981) aus Polen ließ ein gewisse Freude über das Erreichte durchblitzen.
Die Messe im Wettkampf selber war schnell gelesen. Für die Konkurrenz, aber auch ihn selber. Der Schützling von Bundes- und Heimtrainer Sven Lang legte gleich zum Auftakt 21,41 m vor. Und das, mit Rücksicht auf die im Abschlusstraining in Kienbaum erlittene Rückenverletzung, mit einem Sicherheitsstoß aus dem Stütz. Für die zunächst elf Gegner mehr als genug, für ihn nicht. Danach versuchte er es mit der Brechstange und verlor dabei seine technische Linie, wie er es selbst analysierte. Obwohl 21,41 m alles andere als ein Pappenstiel sind, hat vielleicht die verfehlte größere Weite seine Freude ein wenig getrübt. Die große Werfer-Familie hat er jedoch einmal mehr begeistert. Und ein Ende ist bei seinen überragenden Möglichkeiten, seiner Entschlossenheit und Zielstrebigkeit glücklicherweise nicht abzusehen. Der ist noch nicht einmal im besten Stoßer-/Werfer-Alter. - Ergebnisübersicht

Robert Harting King im Ring und "respektlose Zirkusnummer" um Bolt

(Zürich/Krefeld, 14. August 2014)  Auf ihn trafen alle Attribute gleichermaßen zu wie tags zuvor auf Kugelstoßer David Storl (*1990) aus Chemnitz. Freilich noch einen Tick ausgeprägter, da seine Erfolgsbilanz aufgrund seines Alters und der damit verbundenen längeren Zugehörigkeit zur Creme de la Creme noch imposanter ist. Dazu kamen widrige Bedingungen mit Zeitplan-Verschiebungen, endlosen Wartezeiten, chaotischen Wetterbedingungen (Kühle, Regen, in trockenen Phasen böiger Wind) und offenbar überforderten Organisatoren. Manche Medaillenhoffnungen zerschellten daran. Nicht die von Dreifach-Weltmeister, Olympiasieger und Titelverteidiger Robert Harting (*1994) vom SCC Berlin. Der noch 29-Jährige war Herr der Lage und der King im Diskus-Ring. Trotz all dieser Unbilden setzte sich der Berliner mit der kessen Schnauze am späten gestrigen Abend von der Tagesbestweite (66,07 m) letztlich souverän bei der EM durch. Diesmal verzichtete der „Zerreiß-Wolf“ jedoch auf sein Ritual nach Art des Sankt Martin das Leibchen zu (zer-)teilen. Was zum wiederholten Male auch nicht mehr sehr originell gewesen wäre. Dennoch wusste sich der extrovertierte Berliner medial gekonnt vor laufenden Kameras und gezückten Fotoapparaten in Szene zu setzen. Ein Typ mit Ecken und Kanten halt, wovon es nicht allzu viele gibt.
Sein körperlich fülliger wirkende, vermeintlich größter Widersacher Piotr Malchachwoski (*1983) aus Polen schrumpfte eingedenk der schwierigen Voraussetzungen derweil zum Zwerg, musste mit für ihn unterdurchschnittlichen 63,54 m und der Holzmedaille vorlieb nehmen. Ausgerechnet sein jüngerer Landsmann Robert Urbaniak (*1987), der Vorname verpflichtet eben, schnappte ihm um 27 Zentimeter Bronze weg. Mit Gert Kanter (*1979) aus Estland durfte sich ein „Oldie“ aus der M 35 im mutmaßlichen Duell der Giganten Harting vs. Malachowski ziemlich unverhofft über Silber (64,75 m) freuen. Martin Wierig aus Magdeburg, der in dieser Saison immerhin Harting einmal bezwingen konnte, wird sich angesichts der Medaillenränge zwei und drei vermutlich ein Monogramm in den Allerwertesten beißen, mit mäßigen 60,82 m (Elfter) im Vorkampf hängen geblieben zu sein. Eine große Chance auf Edelmettal verpasst. Ärgerlich! Für keinen mehr als ihn selber.
Abgesehen vom Wetter, wofür keiner etwas kann, wurde auch der zweite Wettkampftag von Falschmessungen, Fehlentscheidungen, organisatorischen Pannen und hausgemacht schwachem Besuch bei extrem hohen Eintrittspreisen überschattet. Der Gipfel der Unverschämtheit, dass die zum Semifinale startbereiten 800-m-Läufer wegen eines völlig belanglosen und sinnfreien Innenraum-Interviews mit Sprinter Usain (Witz-)Bolt aus Jamaika minutenlang buchstäblich kalt gestellt wurden. Was haben sich die Verantwortlichen bloß dabei gedacht? Nichts! EUROSPORT-Reporter Sigi Heinrich bezeichnete es völlig treffend als „respektlose Zirkusnummer“.
Gerd Kanter wird im Porträt der Ergebnisübersicht als Mensch-ärgere-dich-nicht-Figur dargestellt. Ebenfalls peinlich!  

Sportsch(l)au: Nicht Ausdauer- oder Krafttraining - beides ist wichtig

(Köln/Krefeld, 12. August 2014) Es kursieren eine Menge Sportirrtümer, die so lange kolportiert und transportiert werden, dass sie irgendwann Mythenstatus erlangen, also für bare Münze genommen werden. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse (im Bild) von der Deutschen Sporthochschule Köln, früherer Klasse-Sprinter beim einstmals ruhmreichen ASV Köln, nimmt sich derartiger Vorurteile im WDR2-Hörfunk und ARD-Morgenmagazin unter der Rubrik „Sportsch(l)au“ an. Mit seiner freundlichen Genehmigung werden wir in loser Folge diese Beiträge veröffentlichen, wobei wir aus Platzgründen gelegentlich den Sinn wahrende Kürzungen vornehmen. Das ist nunmehr das 55. Kapitel zu diesem Themenkomplex. A.H.
Muskel- oder Krafttraining in so genannten „Muckibuden“ wird nach wie vor als die Trainingsmethode der Pumper und Bodybuilder abgetan. Besonders Frauen befürchten zudem, dass allein der Anblick von Gewichten ihre Proportionen durch übermäßige Muskelberge aus den Fugen geraten ließe. Im Gegenzug dazu wird Ausdauersport meist als die Bewegung überhaupt propagiert. Sei es, wenn es um das Thema Abnehmen oder auch um die Vorbeugung typischer Zivilisationskrankheiten wie etwa Herz-Kreislauf-Beschwerden, Stoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Ähnliches geht. Wer joggt, ist also der wahre Gesundheitssportler!
Der durchweg positive gesundheitliche Nutzen des Krafttrainings findet leider aufgrund vieler falscher Klischees immer noch nicht genügend Anerkennung. So ist mittlerweile bewiesen, dass ausreichend  intensive Gewichtsbelastungen zu einer Verbesserung der Knochendichte und somit einer Prävention gegen Osteoporose verhelfen können. Ausdauersport bringt da fast gar nichts! Nicht anders sieht es mit dem Erhalt der Muskelmasse aus, die ab dem 25. bis 30. Lebensjahr um etwa ein Prozent pro anno abnimmt, sofern keine ausreichende Beanspruchung der Muskulatur mehr stattfindet. Ferner zeigen Studien aus der Gehirnforschung, dass Muskeln als „Motor unseres Gehirns“ angesehen werden können.
Fazit: Nicht Kraft- oder Ausdauertraining – beides ist wichtig und ergänzt sich bestens. Denn eine gesteigerte Ausdauerleistungsfähigkeit führt zu einem längeren Durchhaltevermögen bei mittelschweren Kraftanstrengungen. Andererseits unterstützt eine erhöhte Muskelmasse unter anderem effizient die Fettverbrennung beziehungsweise die allgemeine Ökonomisierung des Stoffwechsels und schützt außerdem die Gelenke bei längeren Beanspruchungen. Täglich etwas für seine Muskeln zu tun sollte daher zur Routine werden.