Rachel Hanssens stellte vermeintlichen Weltrekord auf, der keiner ist

(Torun/Krefeld, 25. März 2015) Ein statistisches Meisterwerk spuckte heute die Online-Ergebnisliste bei den 10.Hallen-Europameisterschaften mit Winterwurf in Torun (Polen) im Hammerwurf der W85 aus. Die notgedrungene Alleinunterhalterin Rachel Hanssens (*1929) aus Belgien soll bei ihrem einsamem Titelgewinn mit 24,14m einen neuen Weltrekord aufgestellt haben. So weist es zumindest in plakativer roter Schrift das Kürzel „WR“ hinter der Tagesbestweite aus. Derweil verheißt die Kopfleiste, dass sie selber den Europarekord mit 26,80m hält, erzielt im Vorjahr bei der Stadion-EM in Izmir (Türkei). Darüber wird Julia Huapaya aus Peru mit 23,61m als Weltrekord-Halterin geführt, den sie an Karnevalserwachen 2012, also dem Elften im Elften (das könnte eine Erklärung sein), in Arequipa (Peru) geworfen haben soll. Nun können wir ausschließen, dass hier die hanebüchene deutsche Regelung (Jahr da Vollendung) reinspielt, da es sich in beiden Fällen um internationale Rekorde handelt. Es dürfte vielmehr der Tatsache geschuldet sein, dass der Statistiker der World Masters Athletics (WMA) einfach gnadenlos weit hinter dem Narrhallamarsch und dem Tanzmariechen herläuft, um im karnevalistischen Bilde zu bleiben. Das wäre doch mal eine angemessene, gleichwohl zu bewältigende Herausforderung für WMA-Vizepräsidentin Margit Jungmann aus Rehlingen im Saarland, den kontinentalen und globalen Statistiker zu veranlassen, sich zu vernetzen. Sollte heutzutage kein unlösbares Problem darstellen.
Kommen wir zu deutschen Erfolgen, in den durchweg im doppelten Wortsinne schwach besetzten Hammerwurf-Konkurrenzen. Dazu muss in der Alterspyramide weit nach oben geschaut werden, wobei es in der W70, angeführt von Gudrun Mellmann (28,60m), ein rein schwarz-rot-goldenes Podest gab. Nicht die ganz große Kunst, da in dem Fünferfeld die beiden Polinnen mehr so unter Sporttourismus einzusortieren waren. Das Pendant bildete der Speerwurf der M40, den bei dem angetretenen Quartett Jens Kresalek mit 57,48m vor zwei Landsleuten für sich entschied. Dieser Husarenstreich ist eigentlich keiner. Der Viert-, zugleich Letztplatzierte Belgier war nicht einmal schmückendes Beiwerk. Bleibt noch Thorsten Heinrich, der mit 59,70m die M50 gewann.
Wer mehr wissen möchte, der schaue in die schon erwähnte Online-Ergebnisliste. Weitere Irrtümer (siehe oben) nicht ausgeschlossen.

Offener Brief an DLV: Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet

(Bonn/Krefeld, 25. März 2015) Liebe Sportkameraden im DLV!
Der Streit um die Trikotfrage war für Euch definitiv kein Ruhmesblatt und deckte eklatante Mängel bei Euch auf. Nicht nur, dass Ihr glaubtet, durch Totschweigen und Abtauchen guten Argumenten entgehen zu können, nicht nur, dass bei Euch Kommunikationsdefizite offenbar an der Tagesordnung sind, nicht nur, dass Ihr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft (hie massiv geförderte Elite, da beiseite geschobene Seniorenszene) huldigt, nicht nur, dass Eure Anglizismustrunkenheit zeigt, dass Ihr vergessen habt, wen Ihr eigentlich vertretet, möglicherweise noch dem provinziellen Irrtum aufsitzend, weltoffen zu sein.
All das und vieles andere mehr könnte ja noch kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen werden. Was Euch aber Übel genommen werden muss ist die Art und Weise, wie Ihr in dieser Angelegenheit mit den Euch anvertrauten älteren Damen und Herren umgeht. Gewissermaßen als Handlanger eines US-Ausrüsters ging es Euch seit Ende 2014 ausschließlich um die Akquise für dessen neue Bekleidungsprodukte. Dafür wolltet Ihr den guten Namen unserer Nation verramschen, habt in der Sache wider besseres Wissen zweideutige, teils peinliche Begründungen geliefert und unbewiesene Behauptungen aufgestellt, habt Vertreter anderer Nationen als angebliche Zeugen für Euer pekuniäres Anliegen instrumentalisiert und gezielt mit dem Drohmittel einer möglichen Disqualifikation bei Nichtbefolgung gearbeitet.
Damit habt Ihr,frei nach Goethe "Man merkt die Absicht und ist verstimmt", überzogen!  Die massiven Reaktionen waren  eindeutig und haben Euch auf dem falschen Fuß erwischt. Und so kam es, dass Ihr als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet seid. Musste diese Selbstdemütigung wirklich sein?
Steigt doch einfach mal vom hohen Ross runter und richtet in Darmstadt eine Planstelle ein, die sich mit der notwendigen Reform Eurer Binnenstrukturen befasst und für deren Personal Fairness, Empathie und Selbstkritik keine Fremdwörter sind. Ganz in Eurem Sprachduktus könntet Ihr das dann auch Clearing- oder Brainstorm-Center nennen. Dann seid Ihr glücklich, und die Seniorenszene darf auf Besserung hoffen.
So jedenfalls geht es nicht!

Müller: Wenn aus pathologischem Ehrgeiz bodenloser Leichtsinn wird

Kommentar

Nebenbei bemerkt 

(Torun/Mainz/Krefeld, 24. März 2015)
Wer den bebilderten gestrigen Beitrag „Weltsportler Gudio Müller spricht Athleteneid“ in der Senioren-Spielecke auf der DLV-Netzseite gesehen und gelesen hat, wird sich sehr wahrscheinlich höchst verwundert die Augen gerieben haben. Der Kernsatz daraus: „So gehen sicher geglaubte Medaillen leider an andere Athleten!“ Denn leider hat sich der Athlet „Alles Müller, oder was?“ beim Abschlusstraining daheim den linken Arm gebrochen. Kann passieren. Leider gehen ihm einige Medaillen flöten, da er die 60 Meter mit und ohne Hürden sowie die 4x200-m-Staffel nunmehr nicht laufen kann. Wat nu? Um wenigstens eine Chance zu wahren, wird der der 76-jährige Müller-Mann aus Vaterstetten bei München mit dem Gipsarm am 400-Meter-Lauf der M75 teilnehmen. Mithin wird also quasi ein Lauf zwischen einem Athleten „mit Behinderung“, so ’ne Art Oscar Pistorius, zwar mit Beinen, aber doch irgendwie für Arme (im Sinne von eingeschränkt), und anderen „ohne Behinderung“ stattfinden. Ein Hauch von Paralympics. Doch ernsthaft: das ist quasi hochgradig pathologischer Ehrgeiz gepaart mit bodenlosem Leichtsinn.
Es bleibt inständig zu hoffen, dass die Konkurrenten in den beiden engen, zweimal zu passierenden Kurven des 200-Meter-Ovals bei dem üblichen Gerangel ein wenig Rücksicht auf ihn, den rasenden Invaliden auf Zeit, nehmen, und er umgekehrt auf sie Obacht gibt, damit sie sich nicht gegenseitig behindern, von der Bahn schubsen oder gar verletzen. Denn dann müsste womöglich auch diese Medaille leider an einen Viertelmeiler einer anderen Nation vergeben werden. Das wäre für die vom DLV so liebevoll gepflegte Medaillenstatistik ausgesprochen fatal. Anhand dieser Bemerkung von Hobby-Schreiberling Karl-Heinz „Flunker“ Flucke wird zum Ausdruck gebracht, dass einem x-beliebigen Teilnehmer durch die Abwesenheit eines Athleten, aus welchen Gründen auch immer, eine Medaille nicht gegönnt wird. Das hat mit FAIR PLAY herzlich wenig zu tun, ist vielmehr purer Fanatismus!
Medaillenmoloch Müller hat seinen 400-Meter-Vorlauf übrigens gestern in 72,37 Sekunden (er hält den Weltrekord mit 63,12 sec.!) gewonnen und zieht mit der drittschnellsten Zeit der sechs Finalisten in den heutigen Endlauf ein. Bleibt vor allen seinen fünf Konkurrenten Glück zu wünschen, dass er sie nicht behindert, verletzt und um ihre Chancen prellt.
Etwaiges Mitleid für ihn, diesen Super-Egomanen und gnadenlosen Selbstdarsteller, hielte sich derweil in sehr überschaubaren Grenzen (bei dem Autoren-Duo jedenfalls). Und das ist noch ausgesprochen zurückhaltend formuliert. Ein "World Best Master of the Year" sollte auch immer ein Vorbild sein. Eigentlich!

"Kugel-Andy" fehlten beim Titelgewinn acht Zentimeter an 18 Meter

(Torun/Krefeld, 24. März 2015) Wenn nicht er, wer sonst? Der aus deutscher Werfersicht 1.000:1-Favorit Andy Dittmar (*1974, im Bild) aus Gotha gewann heute bei den 10. Hallen-Europa- und Winterwurfmeisterschaften im polnischen Torun hoch überlegen den Titel im Kugelstoßen der M40. So es überhaupt etwas zu mäkeln gibt, dann dass „Mister 18 Meter“ diese Marke nach langer Zeit mit seinen 17,92m aus dem zweiten Versuch um acht Zentimeter verfehlte. Der 40-jährige Thüringer trug es mit Fassung, wie die bewegten Bilder im „Livestream“ bewiesen. Sie verrieten aber auch die internationale Vielfalt von verschiedenen Trikots an Repräsentanten derselben Nation. Einige deutsche Sprinterinnen verdeckten ihr „modernes“ Trikot mit dem Igitt-Schriftzug GERMANY verschämt mit der vorderseitigen Startnummer. Prima Idee!
Machen wir einen rasanten Sprung von Jugend forscht bei "Kugel-Andy" zu Altmeister Peter Speckens (*28.05.1935) aus Übach-Palenberg bei Aachen. Der weltweit erfolgreichste aktive Wurf-Allrounder musste fast Achtzigjährig infolge der international nachvollziehbaren Regel in der M75 ran und holte sich dennoch mit 37,62m den Titel im Hammerwurf. Dazu gehandikapt durch eine Verspannung der Rückenmuskulatur. Lothar Huchthausen (*12.03.1935) aus Arneburg in Sachsen-Anhalt warf in der M80 mit 37,75m um 15 Zentimeter an Gold vorbei. Das holte unser Österreich-Repräsentant Gottfried Gassenbauer (*1958) aus Wien in der M55 mit starken 56,01m in einem Duell auf Augenhöhe vor dem Dänen Tom Jensen (*1960), der ebenfalls hervorragende 54,20m erzielte. 
Herausragend im Speerwurf der Seniorinnen der neue Weltrekord in der W 50 durch die Polin Genowefa Palta, die mit 45,27m Ingrid Thyssen aus Aachen die sechs Jahre alte globale Bestmarke von 44,20m abnahm. Ansonsten verweisen wir bei der Fülle von Resultaten für die heutigen Stoß-/Wurfkonkurrenzen mit Kugel (M35 – 45), Hammer (M55 – 85) und Speer (W 35 – 85) auf die Online-Ergebnisliste.
Bei Sprinter und Viertelmeiler Guido Müller (*1938) aus Vaterstetten schwankt die Bandbreite von Bewunderung bis zum Ausdruck größten Bedauerns eingedenk seiner Besessenheit (siehe auch Kommentar). Der 76jährige Bayer siegte mit gebrochenem und geschientem linken Arm über 400 Meter der M75 souverän in 67,15 Sekunden. Nun werden die DLV-Claqueure ihm wieder rhetorische Kränze flechten, welch ein toller Kerl und harter Hund er ist. Darin stimmen wir jedoch nicht ein und bleiben unumstößlich bei der geäußerten Meinung. Jetzt ist es erst recht eine Verhöhnung der Konkurrenten von einem Behinderten auf Zeit geschlagen und gedemütigt worden zu sein. Den Fair-Play-Pokal wird er dafür nicht noch obendrein einheimsen können.  

Lothar Huchthausen gewann, scheiterte jedoch am Erwartungsdruck

(Torun/Krefeld, 24. März 2015) Es sah nach einem Selbstläufer aus, dass Jung-Achtziger Lothar Huchthausen (*12.03.1935) von der LG Altmark nicht nur überlegen den Titel bei der 10.Hallen-EM mit Winterwurf im polnischen Torun gewinnen würde, sondern en passant auch den Speerwurf-Weltrekord (39,06 m) in seiner „Schokoladendisziplin“ mitnimmt. Denn noch nicht Achtzigjährig, ein Anachronismus hausgemachter deutscher Prägung, hatte der Wurf-Allrounder bei der DM am 28. Februar 2015 in Erfurt den nationalen Rekord der M80 auf 41,06m gesteigert. Doch die Rechnung wurde ohne den Wirt und die Tagesform von Huchthausen gemacht, ging sie lediglich zur Hälfte auf. Der hurtige „Huchti“ gewann in dem Sechserfeld zwar überlegen mit einem Vorsprung von 10,12 Meter den Titel. Doch bei seinem Sieg mit 38,27m sprang gerade mal so ein neuer Europarekord heraus, den bislang sein Landsmann Heiner Will (*1929) mit 38,14m hielt, dem er schon den besseren deutschen Rekord von 39,94m abgenommen hatte. Dieses heillose Durcheinander beweist einmal mehr, dass es allerhöchste Zeit ist, dass der DLV diese völlig unsinnige nationale Regelung (Jahr der Vollendung), der internationalen (Tag der Vollendung) anpasst. Es ist doch völlig schizophren, dass nationale Rekorde, wie nicht nur dieses Beispiel lehrt, besser sind als Europa- und Weltrekorde.
Dazu gab es zum gestrigen Auftakt noch weitere Titel und Medaillen für deutsche Athleten/innen aus unserem Beritt mit Kugel, Speer und Hammer (siehe Online-Ergebnisliste). Es war freilich länderübergreifend nicht alles bei überwiegend schwacher internationaler Konkurrenz dermaßen glänzend wie das um den Hals gehängte Edelmetall. Wozu die Erfolgreichen, was die Gegner oder Opfer angeht, natürlich nichts können.
Neben den verschiedenartig zu filternden Resultaten bieten die polnischen Gastgeber erstmals in der Geschichte der kontinentalen Titelkämpfe einen „Livestream“ an. Ein feiner Service. Alle Achtung! Sei ein paar Etagen tiefer noch auf die Senioren-Spielecke der DLV-Netzseite hingewiesen. Der Fachmann für angewandte Ästhetik an Tastatur und Kamera mit dem selbst ernannten Spitznamen Flunker „erfreut“ die Teilnehmer vor Ort und die Daheimgebliebenen mit täglichen Wasserstandsmeldungen von der 205.000-Einwohner-Stadt an der Weichsel. Ob das als Versprechen oder Drohung zu werten ist, möge jede/r für sich selber herausfinden.