Mainz, wie es singt und lacht nach der Lesart von "Dienstleister" DLV

Glosse

Neben der Spur

(Mainz/Darmstadt/Krefeld, 02. Mai 2021)
Mainz, wie es singt und lacht. Bereits zwei Jahre nicht mehr im Karneval. Eine Schmonzette gibt es dennoch im Zusammenhang mit der DM Langstrecke gestern im Otto-Schott-Sportzentrum der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz zu belächeln. Dazu heißt es, verkürzt wiedergegeben, in der Ausschreibung des Schirmherrn DLV in plakativer roter Schrift: „Aufgrund der aktuell hohen Inzidenz-Werte in der Stadt Mainz… dürfen demnach nur Athletinnen und Athleten an den Start gehen, die einem Bundes- oder Landeskader angehören beziehungsweise Berufssportler sind.“ Normen mussten selbstverständlich auch erfüllt werden. Das alles machte unter den derzeitigen besonderen Umständen zur Reduzierung der Starterfelder durchaus Sinn. Anschließendes Kopfschütteln muss allerdings ein etwas tieferer Blick in die Teilnehmerliste hervorrufen. Dort steht hinter den Nachnamen von zwei 10.000-m-Läufern der Männer-Klasse ein Sternchen. Die Fußnote löst auf, was es mit den „Sternenträgern“ für eine Bewandtnis hat: „als Berufssportler gemeldet: Ein entsprechender Nachweis ist mit sich zu führen und bei Bedarf vorzuzeigen“.

Nachweis: Einkommensteuererklärung oder Gewerbemeldeschein?

Aha! Doch wie, bitte schön, ist der Beweis anzutreten? Mittels der Einkommensteuer-Erklärung aus erwirtschafteten Antritts- und Preisgeldern? Oder der Gewerbeanmeldung bei seiner Stadt als berufsmäßiger Langstreckenläufer? Beide kommen übrigens zufälligerweise (?) aus Braunschweig. Allerdings aus verschiedenen Vereinen. Nun müssen wir ja nicht weiter um den lauwarmen Brei herumfabulieren, was die Meldeliste ohnehin hergibt. Bei David Brecht (*1998) vom Braunschweiger Laufclub sind eingedenk einer Meldezeit von 29:44 Minuten ernsthafte Zweifel angebracht, dass er damit aus oben erwähnten Einkunftsarten seinen Lebensunterhalt als Berufssportler bestreiten kann. Nicht einmal das Existenzminimum in Höhe von 9.744 Euro (das ist zugleich der Steuerfreibetrag im Jahr 2021 bei Steuerklasse 1) ließe sich mit dieser Referenzzeit erwirtschaften.  
Aber das müssen wir nicht weiter vertiefen, zumal er mit gerade mal 23 Lenzen noch im „Hotel Mama“ leben könnte und keine eigene Familie ernähren muss. Eine Frage bleibt allerdings: Wie kommt ein derartiger Schwachsinn in eine Teilnehmerliste? Wer in diesem Dach- und Fachverband, der sich in pathologischer Selbstüberschätzung als „modernes Dienstleistungsunternehmen“ bezeichnet (selten so gelacht!), klopft mal alles ab, bevor es zur ungewollten Erheiterung der genauer hinschauenden Betrachter ins Netz gestellt wird?
Eine hypothetische Frage. Die Antwort ist einfach: Niemand! 

Gestrichen: Tanz in den Mai und Kundgebungen zum Tag der Arbeit

(Krefeld und die Republik, 01. Mai 2021) Ein Satz mit x? Das war/wird wohl nix! Im Jahr zwei von Corona also ein weiteres Mal: Nämlich der Tanz in den Mai. Zumindest nicht aushäusig in geselliger Runde mit Freunden und noch mehr Gleichgesinnten. Obwohl ich nicht nach dem Prinzip handele „Lieber ein stadtbekannter Säufer, als ein anonymer Alkoholiker“, habe ich mir aus diesem Anlass bei der im Krefelder Stadtwaldhaus unter rund 400 Feierbiestern heiter-beschwingt begangenen „Italienischen Nacht“ beim Kalt-Warm-Büffet und danach noch das eine oder andere Glas „Primitivo Puglia“ (Rotwein) gegönnt. Die nahezu unausbleibliche Folge von Wein, Weib und Gesang war, dass ich meinen morgendlichen Beitrag zum „Tag der Arbeit“ mit leichtem Restalkohol an der Tastatur geschrieben habe. Reklamationen irgendwelcher Art hat es dennoch während zehn Jahren zwischen 2010 und 2019 nie gegeben. Und daran kann es für den Eventualfall folglich diesmal garantiert nicht liegen respektive gelegen haben.

Hoffentlich steht der Wonnemonat Mai für die Rückkehr in ein zwangloseres Leben

Anecken könnte ich trotzdem. Schlussendlich halte ich persönlich auch die mit dem Tänzchen in Ehren ausfallenden Mai-Kundgebungen für aus der Zeit gefallen. Nicht etwa, dass es keine Missstände mehr geben würde, ob derer es sich für die Gewerkschaften zum Wohle ihrer Mitglieder zu streiten lohnte. Mehr deshalb, dass linke und rechte Krawallbrüder diese Plattformen nutzen, sich öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen. Unsere Freunde und Helfer in Polizei-Uniformen werden diesen Teil der Verhinderung durch die Corona-Pandemie sicherlich als sehr wohltuend empfinden. Es sei ihnen von Herzen gegönnt, die oft genug für uns „Normalos“ ihre körperliche Unversehrtheit aufs Spiel setzen (müssen).
Ansonsten hoffen wir mal inständig, dass der mit Legenden, Mythen und Anekdoten gepflasterte Wonnemonat Mai ein Signal für eine Rückkehr in ein zwangloseres Leben setzen möge, sinnbildlich eingeläutet durch die Maiglöckchen. Darauf ein bis drei Corona!

Kurt Kaschke untermauert den Ehrentitel "Master of Desaster"

(Vila Real de Santo Antonio/Lausanne/Krefeld, 29. April 2021) Schon wieder Kurt „Kuddel-Muddel“ Kaschke. Das lässt sich jedoch nicht vermeiden. Leider. Dem Präsidialherrn der European Masters Athletics (EMA) mit Sitz in Lausanne/CH haben wir anlässlich unseres April-Scherzes Anno Domini 2020 den Rücktritt in die Schuhe geschoben und vollauf bewusst den nicht schmeichelhaften Ehrentitel „The Master of Desaster“ verliehen. Den verdient sich der Wahl-Portugiese mit Wohnort in Assafora bei Lissabon gerade einmal mehr. Die Pfade sind allerdings verschlungen wie im Dschungel. Es ist äußerst kompliziert, den Sachverhalt stark komprimiert und dennoch verständlich aus einer öffentlich hinterlegten umfangreichen E-Mail über 55 Zeilen im DIN-A-Format in zunächst englischer Sprache wiederzugeben. Wer es indes genauer wissen möchte, dem sei der Beitrag der Facebook-Gruppe „EMA friends“ mit ihren 1.784 bekennenden Anhängern anempfohlen.

Portugal Masters-Verband beklagt respektloses Verhalten der EMA

Zunächst die Vorgeschichte zu dem – noch charmant formuliert – ungeheuerlichen Vorgang. Auf dem EMA-Internet-Portal gibt es unter News vom 14.April 2021 eine „president’s letter“ von Kaschke (im Bild), in der er unter anderem 
die kommenden internationalen Senioren-Meisterschaften bis 2024 aufführt. Darunter die Senioren-EM Stadion vom 14. bis 23.Oktober 2021 in Vila Real de Santo Antonio an der Algarve in Portugal. Die finden sich allerdings nicht in der Rubrik „Upcoming Championships 2021“ mit einem Logo und der Verlinkung zur Veranstalter-Netzseite des „Localen Organisation Comitees“ (LOC) wieder.
Und nun kommt der Knackpunkt aus der veröffentlichten E-Mail von Michele Correira, einem Vorstandsmitglied des portugiesischen Masters-Verbandes
Associacao Nacional Atletismo Veterano" (ANAV), an das EMA-Präsidium im sinngemäß übersetzten Wortlaut: „Leider wiederholt die EMA nach den (geplanten, die Redaktion) Hallen-Europameisterschaften in Braga und der (durchgeführten, die Red.) Berg-/Crosslauf-EM auf Madeira 2020 ihr Verhalten der totalen Respektlosigkeit gegenüber einem ihrer Mitgliedsverbände und dem Regelwerk der EMA bezüglich der hypothetischen EMACS 2021 in Portugal. Die ANAV weist das Verhalten der EMA, vertreten durch Herrn Kaschke, erneut scharf zurück.“

Kirmesveranstaltung, da es an einer offiziellen Genehmigung mangelt


Denn, das kommt später noch zum Ausdruck, sind Portugals drei involvierten Verbände (Dachorganisation a la DLV, Masters- und Regionalverband der Algarve) über diese Titelkämpfe auf ihrem Hoheitsgebiet nicht informiert worden. Mithin mangelt es auch an der zwingend erforderlichen Genehmigung dafür. Allem Anschein nach hat K.K. aus A. federführend für die EMA lediglich einen Vertrag mit der Gemeinde für die Nutzung der Sportanlagen und einem lokalen Ausrichter (Verein) abgeschlossen. Folglich befindet sich das nötige Prozedere momentan im Stadium einer „Kirmesveranstaltung im Boxerzelt“ und nicht einer offiziellen Europameisterschaft. Also Finger weg davon!
Schließen auch wir an dieser Stelle mit den Worten von Correira: „Dieses Verhalten muss ein für alle Mal aufhören! Die EMA kann bei der Organisation von Meisterschaften nicht an einem Mitgliedsverband vorbeigehen. Das steht im Reglement, und vor allem ist es eine Frage des RESPEKTS!“
Rums, das sitzt.

Melitta Czerwenka-Nagel lief bis in die "Neue Zürcher Zeitung"

(Saarbrücken/Krefeld, 30. April 2021) Schade, dass es die besch… Zeiten gerade nicht zulassen. Denn ab einem bestimmten Alter, das jede/r für sich selber festzurren muss, sollten alle Geburtstage gebührend gefeiert werden. Bei der äußerst erfolgreichen Mittel- und Langstrecklerin Melitta Czerwenka-Nagel (*30.04.1930) von der LAG Saarbrücken ist es just heute die erste Wiederholung des „Neunzigsten“. Ein vorweg genommenes Geburtstagsgeschenk bekam der „laufende Kaffee-Filter“, wie wir sie einmal liebevoll gemeint zu ihrer eigenen Erheiterung genannt haben, die geistig und körperlich beneidenswert fitte Saarländerin bereits vorigen Samstag kredenzt. Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) widmete ihr in der besonders stark gelesenen Wochenend-Ausgabe eine dreiseitige Personen-Geschichte in der Rubrik „Zweite Halbzeit – wie wir gut alt werden“ mit sieben großformatigen Fotos. Das kommt einem ähnlichen Ritterschlag gleich wie bei ihrem langjährigen Sportfreund Herbert E.Müller (*12.11.1929) vom TSV Bayer Dormagen, dem im September 2019 das Magazin „Die Zeit“ in Ehrerbietung den roten Teppich ausrollte.

...und heute feiert sie Geburtstag

Doch ehe wir ohnehin nur unzureichend aus der NZZ zitieren, einfach unsere Verlinkung anklicken und sich ein eigenes Bild nicht nur von den Fotos machen. Aber noch ein trefflicher Kalenderspruch von der Dame mit dem Nagel im Namen und den Nägeln (Spikes) unter den Laufschuhen: „Masters-Athleten sind nicht nur resistenter gegen Stress, sie sind auch zufriedener mit dem Leben.“
Und natürlich noch dies von dieser Stelle und auf dieser Ätherwelle: Herzlichen Glückwunsch, liebe Melitta! Nur noch neun bis zur W100 und der Zertrümmerung etlicher Weltrekorde. Das schaffst Du schon!

Ein Ärgernis: Föderalismus auch bei Leichtathletik-Werfertagen

Kolumne

Moment mal

(Leichlingen/Krefeld, 28. April 2021)
Vorweg: Es sei jedem von Herzen gegönnt in allenthalben trostlosen Zeiten wie diesen offizielle Wettkämpfe bestreiten zu dürfen. Erst recht in unserem relativ leicht und unverdächtig mit Abstandswahrung zu organisierenden originären Bereich von Stoß/Wurf. Was allerdings stört, Unverständnis und mithin Neid schürt, dass auch hier offenbar greifende föderalistische System „der Einheit von Vielfalt“. Soll heißen: Die unterschiedlichen Bundesländer rühren fernab von aktuell eh durchgängig zu hohen Inzidenzzahlen ihren eigenen Brei an. Eben auch in der Leichtathletik. Und da ist ein klarer Ost-Trend zu erkennen. Rasenkraftsport in Erfurt (Thüringen), Werfertage in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern), Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt), Kienbaum und Berlin-Höhenschönhausen (beide Berlin) waren unlängst möglich.
Aber dem zur  Entkrampfung der Teilnehmerzahlen bewusst zweigeteilten Eia Benner-Werfertag des Leichlinger TV am 30.April/01.Mai wurde behördlicherseits die Durchführung versagt (wir berichteten). Trotz eines umfangreichen Hygienekonzepts, das auch im Vorjahr allen Anforderungen standhielt, und diesmal zusätzlicher Corona-Schnelltests vor Einlass ins Sportzentrum Balker Aue der beschaulichen so genannten Blütenstadt Leichlingen in Nordrhein-Westfalen.
Das verstehe wer will? Meinerseits muss ich passen! So ich noch aktiv wäre, würde ich mich gar gehörig darüber ärgern. Wenn schon denn schon gleiches (Un-)Recht für alle. Dieser vertrackte Virus macht schließlich nicht an irgendwelchen imaginären Grenzen von insgesamt 16 Bundesländern halt. Zumal obendrein überschreitender Wettkampf-Tourismus nicht verboten ist. Ziemlich verrückt, das Ganze.