Kürzel aW: alles Warmduscher - oder was?

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Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 11 . Mai 2014)
Wie offen sind eigentlich offen ausgeschriebene Meisterschaften? Wenngleich davon erfahrungsgemäß kein großer Gebrauch gemacht wird und die meisten Senioren/innen eben doch nicht über den Tellerrand ihres eigenen Regionalverbandes hinaus kommen, wirft es halt einige Fragen auf. Die Vorgehensweisen sind nämlich offenbar unterschiedlich. Die Konsequenz wäre die: wenn schon offen, dann mit allen Schlussfolgerungen. So müsste beispielsweise der - erfundene - Kugelstoßer Michael Krüger aus Quickborn in Schleswig-Holstein bei den Offenen Nordrhein-Seniorenmeisterschaften Ende Mai in Aachen bei entsprechender Weite mit allen daraus resultierenden Segnungen Titelträger werden können. Keine Aufschlüsse darüber liefert die Ausschreibung. Nicht ganz bis zu Ende gedacht, seit man sich irgendwann öffnete.
Die Rheinländer nahmen im Vorjahr eine getrennte Wertung vor, kürten die eigenen Athleten auch bei einem schwächeren Ergebnis zum Meister. Allerdings gestatteten sie den Fremdlingen in den technischen Disziplinen sechs Versuche, so die Leistung finalreif war. Stellen wir uns vor, dass bei den „French Open“ in Paris, dem bald beginnenden zweiten saisonalen Grand-Slam-Turnier im Tennis, wo die Scharapowas dieser Welt abstöhnen, nur Franzosen gewinnen könnten. Selbst wenn sie schon im Achtelfinale ausgeschieden sind. Unvorstellbar! Keine Sorge, liebe Fans von Sandplatzwühler Rafael Nadal, das ist nur eine Fiktion.
Folgende Lesart kommt aus Bayern, wobei wir immer schon vermutet haben, dass jenseits des Weißwurstäquators die Uhren etwas anders ticken. Ausgeschrieben als „Offener BLV DAMM Endkampf“, mischten sich gestern Gästeteams der LG BEC (M 70) aus Hessen und der LAC Degerloch (W 50) aus Württemberg unter die einheimischen Mannschaften in Dinkelsbühl. Die Teilnehmerlisten beider Klubs waren vor den jeweiligen Namen mit „aW“ gekennzeichnet. Das war garantiert nicht der Hinweis für den Platzmeister, dass es „alles Warmduscher“ seien. Vielmehr sollte es wohl „außer Wertung“ heißen. Freilich bis hierhin eine Mutmaßung, da beim Verfassen dieser Kolumne die Ergebnisliste noch nicht online war. Stimmt also doch irgendwie, dass in Bayern die Uhren anders ticken. Langsamer halt. Glücklicherweise haben sie nicht die elektronische Zeitmessung erfunden. Das war das schweizerische Unternehmen Omega, erstmals eingesetzt bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko.
In diesem Sinne noch einen schönen Sonntag und eine schaffensreiche neue (Arbeits-)Woche!