Alwin J. Wagner als Zeitzeuge bei Doping-Aufklärung ein gefragter Mann

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Stuttgart/Melsungen/Krefeld, 22. Februar 2015)
Es ist unter Insidern schon lange kein gut gehütetes Geheimnis mehr, dass in der „Blütezeit“ des Dopings und noch keiner großflächigen Wettkampfkontrollen, von solchen daheim im stillen (Folter-)Kämmerlein ganz zu schweigen, während der siebziger- und achtziger Jahre in der alten Bundesrepublik nicht nur weiße Schafe unterwegs waren. Da wurde von Trainern und Medizinern (!) sanktioniert bei (Leicht-)Athleten geschluckt und gespritzt, was die Schwarte hergab. Kreuze auf Friedhöfen pflasterten ihren Weg. Birgit Dressel, Ralf Reichenbach und Uwe Beyer, um nur einige prominente Opfer zu nennen. Obwohl wir gründlichen Deutschen ungekrönte Weltmeister der Vergangenheitsbewältigung und –aufarbeitung aller Art sind, versickerte eine groß angelegte, mehrere hundert Seiten starke diesbezügliche Studie des Sportausschusses des Bundestages aus dem Vorjahr im Sande. Eine paar Auszüge in den Medien – das war’s. Gewissermaßen wie im richtigen Leben, wo mit schnellem Verfallsdatum Themen aufflackern. Gerade so, als würde es HIV, Rinderseuche, Vogelpest, Ebola und sonstige Geißeln der Menschheit nicht mehr geben. Leider ein fataler Trugschluss.

Sp(r)itzenathleten pilgerten nach Freiburg


Doch zurück zu unserer eigentlichen Baustelle. So bleibt es weitestgehend der Findig- und Hartnäckigkeit sowie Ausgrabungskunst von Journalisten vorbehalten, Missstände der Vergangenheit aufzudecken und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu transportieren. Aktuell machte sich ein Autoren-Team des SWR-Fernsehens aus Stuttgart in der Sache verdient. Diesmal mit etwas anderem Ansatz als sonst üblich. Es geht vordergründig nicht um die Dopingsünder, die gleichwohl als Zeitzeugen gefragt sind und befragt werden, sondern um das System dahinter. Eine besonders unselige Rolle spielte dabei der schon lange nicht mehr in Freiburg praktizierende und heutzutage im fernen Südafrika lebende Prof. Dr. Armin Klümper.
Besagte „Blütezeit“ habe ich als Modell des Jahrganges 1944, Spätlese Anfang Dezember, logischerweise hautnah miterlebt, ohne sie indes als Kugelstoßer der zweiten Reihe mitzumachen. Als Indiz dafür mag meine 1976 mit einem Körpergewicht von 96 Kilogramm erzielte Lebensbestleistung von 16,90 Meter herhalten. Zwei bis drei Meter mehr hätte ich mir indes mit den „weißen Kotletts“ des damals gebräuchlichen Diana-bols (bezeichnend, dass die Glücksgöttin der Jagd zur Namensgebung herhalten musste) schon noch anfressen können. Als junger, allein ernährender Ehemann und Vater standen rein finanzielle Gründe dagegen. Von Ethik und Fair play keine Spur. Schließlich machten es (fast) alle anderen auch. Wer wüsste dies besser als ich, der Winter für Winter von „kurenden Hinterbänklern“ links und rechts überholt wurde. Allerdings wäre ich bei meiner durchaus soliden Grundbasis für einen lupenreinen, drei- bis viermal die Woche trainierenden Amateur nie in den „Genuss“ gekommen, mir meine Depotspritze für die wettkampfreie Zeit bei Klümper abzuholen. Freilich kenne ich die Sprüche über für eine paar Tage abwesende Sp(r)itzenathleten. „Der ,Soundso' (Namen in Wirklichkeit bekannt, der Verfasser) ist gerade in Freiburg zum Abschmierdienst.“

SWR-Fernsehen legt heute Abend nach

Der ehemalige Weltklasse-Diskuswerfer Alwin J. Wagner (*1950) aus Melsungen bei Kassel, mit dem ich als Gründungsmitglied der Leichathletik-Bundesliga im Jahre 1975, er für den USC Mainz, ich als „Playing Captain“ für den FC Bayer 05 Uerdingen, in erhalten gebliebener Sportfreundschaft verbunden bin, ist dieser Tage als Zeitzeuge gefragt. Vergangenen Freitag gegen 18 Uhr war er während der Übertragung der ARD von der Nordic-WM in Falun (Schweden)  zwischen dem Skisprung-Finale der Frauen und der Qualifikation der Männer in einem Beitrag des SWR zu sehen und hören. Und heute Abend (22.05 Uhr) ist Alwin Studiogast der SWR-Sendung „Sport“. Nicht verpassen, wenn der heutige vehemente Anti-Doping-Kämpfer, der an Schulen, Sportvereinen und sonstigen Einrichtungen mit Jugendlichen Vorträge hält, aus dem Nähkästchen plaudert.
In diesem Sinne noch einen schönen Sonntag und sofern aktiv im Einsatz eine gedeihliche Vorbereitung auf die Deutschen Hallen- und Winterwurf-Meisterschaften der Ü-35-Generation am kommenden Wochenende in der thüringenschen Landeshauptstadt Erfurt!