Warum schaut der DLV nicht einfach mal über den nachbarlichen Zaun?

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 01. Februar 2015)
Weltweit wird Deutschland, ja, genau so und nicht anders heißen wir (!), von demokratisch regierten Ländern für sein Grundgesetz gerühmt, geradezu bewundert. Vielen diente es gar als Vorlage für die eigene Verfassung. Nicht gerade als Blaupause, aber zumindest Richtschnur. Nicht zuletzt werden wir um das Grundrecht der freien Meinungsäußerung und der Pressefreiheit beneidet. Dazu hat der VDS-Vizepräsident Dr. Christoph Fischer in der Februar-Ausgabe des Magazins „Sportjournalist“ des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) ein höchst bemerkenswertes Editorial verfasst. Mit der Pressefreiheit, selbst in anderen zivilisierten Kulturen, können nicht alle mit der nötigen Gelassenheit umgehen. Die Franzosen haben es erst kürzlich auf höchst perfide Art und Weise erleben, richtiger erleiden müssen. Eine ganze Nation in Schockstarre!

Konstruktive Kritik nicht in den Wind schlagen

So hoch wollen wir unseren sonntäglichen Brotkorb jetzt nicht hängen. Doch es sei daran erinnert, dass sich hier zu Lande öffentliche Personen und Organisationen der Kritik stellen müssen. Ob es ihnen schmeckt oder nicht. Sie kann im Idealfalle ja auch durchaus konstruktiv sein, wenn die Ge- und Benannten in mutmaßlicher Unfehlbarkeit die Alarmssignale nicht überhören. Oder, schlimmer noch, wider besseren Wissens schlicht ignorieren. Getreu der Devise: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Beim Gesundheitswesen geht das trotz völlig zu Recht gepriesener „Men- und Women-Power“ der Ärzteschaft und anerkannter, hoch technisierter Apparatemedizin schon seit geraumer Zeit gründlich in die weiße, manchmal grüne Hose. 40.000 Tote im Jahr an Krankenhauskeimen sind eine erschreckende, aufrüttelnde Zahl! Darin sind wir also auch einsame Spitze. Allerdings nur, wenn die Tabelle rumgedreht wird.
Warum nicht in einer globalisierten Welt über den nachbarschaftlichen Zaun schauen? Die Skandinavier und  Niederländer könnten uns auf dem gerade genannten Gebiet trefflichen Anschauungsunterricht bieten. Aber nicht nur da. Die ausgewiesen Wintersport-Nation knapp unter dem Meeresspiegel, oft fälschlicherweise Holland (das sind nur zwei Provinzen dieses Namens) genannt, haben „uns“ bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Putin-Land im – von mir verpönten – Medaillenspiegel allein mit „Schaatsen“ (Eisschnelllauf) den Rang abgelaufen. Und bei der Leichtathletik-EM der Männer/Frauen in Zürich war es gemessen an den Einwohnerzahlen (80,89 zu 16,8 Millionen), der Mannschaftsstärke und der Tradition eine gefühlte Niederlage gegen die „Oranjes“. Ohne das Staffelpech über 4 x 100 m der Frauen hätte die  überragende Sprinterin Dafne Schippers Deutschland fast im Alleingang vom dritten Platz geschubst.

Niederländer machen uns locker etwas vor

Und schon wären wir nach diesem kurzen Anlauf beim Stichwort. Die Nachbarn aus dem flachen Lande, wo die höchsten Erhebungen Dünen und Autobahnbrücken zu sein pflegen, machen uns in der leidigen Trikot-Frage für Masters (Senioren) bei gleichem Ausrüstungssponsor auch locker etwas vor. Das weiß ich aus allererster Quelle vom gebürtigen Niederländer, Lampis-Gründervater und Wahl-Niederrheiner Peter Holthuijsen (im Bild). „Piet“ ist als Zehnkämpfer im besten Leistungssportler beim damaligen Mehrkampf-Europacup in der A-Nationalmannschaft seines Heimatlandes gestartet. Viel später als Master bei Europameisterschaften dank hünenhafter Gestalt, fast zwei Meter groß, um die 120 Kilogramm schwer, im Kugelstoßen und Diskuswerfen. Darin ist er eingedenk seines Doppel-Startrechtes schon niederländischer und deutscher Seniorenmeister geworden. Es gibt bei den Niederländern keine (!) Unterscheidung bei den Trikots für das A-Team und die Masters. Zweitgenannten steht zwar nicht die aktuelle Kollektion, sondern die jeweils zweite und dritte Generation für internationale Starts zur Verfügung. Der Schriftzug lautet in nicht gerade weit verbreiteter Landessprache "Nederland" und nicht "Netherlands". Kostenpunkt für ein Trikot: 15 Euro gegen 39,95 € bei der Marketing-Agentur des DLV.
Und zu (un-)guter Letzt noch eine Schmonzette in diesem Zusammenhang. Nachdem ich fünfzehn Mal im geliehenen Trikot von Olympia-Teilnehmer (1992 und 1996) Claus Dethloff mit den drei schwarzen Streifen von Adidas an den Seiten auf weißem Grund und Bundesadler auf rotem Brustring bei Europa-/Weltmeisterschaften gestartet bin, habe ich mir für die Hallen-WM 2012 im mittelfinnischen Jyväskylä ein rabattiertes Kauftrikot vom DLV gegönnt. Das hat seinerzeit 30 Euro plus Versand gekostet. Es war schon vom neuen Sponsor, ebenfalls in weiß mit Flagge und dem schönen Schriftzug DEUTSCHLAND in schwarzen Lettern auf der Brust. Aber nun kommt’s: Auf dem Waschzettel im Inneren des Leibchens steht zu lesen und staunen „MADE IN BULGARIA“, ein – Achtung, Satire! – ausgesprochenes osteuropäisches Hochlohnland, Vertrieb „Nike European Operations Netherlands B.V.“  Da legst di nieda. Nicht nur bajuwarisch.
In diesem Sinne noch einen zauberhaften Sonntag und eine erste Februar-Woche voller unermüdlicher Schaffenskraft!