Ü35 mit Willkürakt des DLV zu Melkkühen der Nation gestempelt

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Troisdorf/Krefeld, 30. Dezember 2022)
Schon aufgefallen? Die von ihrer Dachorganisation gemeinhin mit der größtmöglichen Stiefmütterlichkeit behandelten Senior:innen sollen nach der neuen Gebührenordnung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) noch obendrein als Melkkühe der Nation herhalten. Die Startgebühren für eine Einzel-DM wurden für 2023 pro Disziplin um knapp zehn Prozent von 21 auf 23 Euro erhöht. Getreu dem Motto die vermögende Ü35-Generation hat’s ja. Insbesondere die vielen Rentner und Pensionäre jenseits der Sechzig bei ihren – Achtung: Satire – üppigen Versorgungsbezügen. Erschwerend kommt hinzu, dass die ewigen Talente für die nächsthöhere Altersklasse ihre Meldegebühren oftmals aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Ganz zu schweigen von den Reisekosten aller Art zu den Schauplätzen. Was die Sache noch perfider macht und mal ganz locker gegen den im Grundgesetz nach Artikel 3 verbrieften Gleichheitsgrundsatz verstößt: Derweil bleiben bei Männern, Frauen und U23 die so genannten Organisationsgebühren (siehe Link; Seite 9) stabil. Also ein ungeheuerlicher Willkürakt, der an Unverschämtheit und Dreistigkeit kaum noch zu überbieten, durch absolut nichts gerechtfertigt ist.

Mathias Hörmann brachte den Stein des Anstoßes ins Rollen

Glücklicherweise schluckt nicht jeder die Kröte, die ihm zum Fraße vorgeworfen wird. Bekannt ist es uns von Mathias Hörmann (*1952) von der LG Troisdorf geworden, in Personalunion M70-Athlet, Übungsleiter und lizenzierter Kampfrichter. Der bat in einer E-Mail Sven Schröder von der DLV-Wettkampforganisation um Hintergrundinformationen zu dieser unverständlichen, in sich nicht schlüssigen Maßnahme der in selber Sache ungleichen Behandlung. Die schnelle, aber argumentativ dürre Antwort von Schröder gipfelte in dem Schlusssatz: „Um den Nachwuchssport etwas zu unterstützen, erfolgte in diesem Jahr die von Ihnen genannte Anpassung.“ Also sollten sich die Senior:innen getreu dem Bibel-Spruch
Auge um Auge, Zahn um Zahn" für die Differenz eine Spendenquittung ausstellen lassen. Der immense Verwaltungsaufwand würde dann zumindest den Mehrerlös wieder zunichtemachen.
Spaß bei Seite: Es ist eine „Palastrevolution“ angezeigt mit den gewählten DLV-Seniorensprechern Jennifer Gartmann und Heiko Wendorf an der Spitze.