DLV-Bundeskader 2023: Eine Personalie stößt auf großes Unverständnis

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Darmstadt/Jena/Krefeld, 10. November 2022)
Vorweg zum besseren (Un-)Verständnis wohin der imaginäre Hase später läuft: „Auf Vorschlag der verantwortlichen Bundestrainerinnen und -trainer und nach Beratung der DLV-Kommission Leistungssport sowie der Einbindung der Athletenvertretung wurden zum 1.November durch die jeweiligen Cheftrainerinnen und -trainer die neuen Kader für die Saison 2023 berufen und vom DLV-Vorstand sowie dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) bestätigt.“

Dabei war hier nominell geballte Fachkompetenz am Werk

Dabei handelt es sich auszugsweise um den Original-Wortlaut auf dem offiziellen Mitteilungsorgan des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit Sitz in Darmstadt unter leichtathletik.de. Dem geneigten LAMPIS-Leser sei anempfohlen, sich die Eckpunkte dieser Botschaft in aller Ruhe zu verinnerlichen. Kleine Hilfestellung: Die Quintessenz kann ja wohl nur lauten, dass sich eine derartige Ansammlung von (mutmaßlich) geballter Fachkompetenz nicht irren kann. Nennen wir in unserem konkreten, noch zu schildernden Fall auch die dazugehörigen Namen des Quartetts: Cheick-Idriss Gonschinska, Vorstand Leistungssport; Annett Stein, Chef-Bundestrainerin; Sven Lang, Leitender DLV-Bundestrainer Wurf/Stoß; Boris Obergföll (geb. Henry), DLV-Bundestrainer Speerwurf Männer.

Speerwerfer Thomas Röhler bekam einen Erbhof verliehen

Und nun zu dem Mann, der in einem nicht nachvollziehbaren, generösen Akt der zum Himmel schreienden, richtiger: stinkenden Ungerechtigkeit mit der Berufung in den neuen Bundeskader einen Erbhof verliehen bekommen hat: Speerwerfer Thomas Röhler (*30.09.1991) vom LC Jena. Der 31-jährige Thüringer hat als Olympiasieger von 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) mit 90,30m und dem Titel bei der Europameisterschaft 2018 in Berlin mit 89,47m die beste Zeit längst hinter sich. Sein Mundwerk ist besser als sein Handwerk, versteht es anscheinend mit Verbalinjurien alle Verantwortlichen einzulullen, sich damit die nach seiner bloßen Leistung nicht mehr verdiente ideelle und materielle Spitzensportförderung zu sichern und mithin einem anderen aus dem „Talentschuppen“ wegzunehmen.

Mit "Wild Card" bei der EM sportlichen Offenbarungseid geleistet

Sein bislang letzter sportlicher „Husarenstreich“: Völlig außer Form und wider besseren Wissens (auf den studierten Kopf ist er schließlich nicht gefallen) zog er als Titelverteidiger seine persönliche „Wild Card“ für die EM 2022 in der bayerischen Metropole. Zumindest dort nahm er keinem besseren Landsmann den Platz weg. Doch was nach dem Motto des DLV-Ausrüstungssponsors „Nutze jeden Vorteil“ erwartungsgemäß dabei herauskam war ein kapitaler sportlicher Offenbarungseid. Mit unterirdischen 71,31m schmierte er als 22. unter 24 Startern in der Qualifikation ab. Zum vernichtenden Vergleich: Die Weite dieses „Würfchens“ liegt  22,59m unter seiner Bestleistung von 93,90m aus 2017. Setzen wir noch einen drauf: Zehnkämpfer Niklas Kaul warf bei seinem Titelgewinn mit 76,05m sage und schreibe 4,74 Meter weiter. Noch Fragen?

Da staunt der Laie und wahrhaftige Fachleute wundern sich

Für alle Fälle noch ein paar Fakten: Für die Weltbestenliste 2022 wird ein Fernglas benötigt, um irgendwo im Nirwana den Namen Röhler zu entdecken. Kaprizieren wir uns folglich auf den übersichtlicheren Mikrokosmos der aktuellen DLV-Jahresbestenliste. Da belegt er mit 72,51m den 14.Rang. Das ist also außerhalb seiner vollmundigen Lippenbekenntnisse sein Entree für alle Weihen als Kaderathlet. Versteht das jemand? Ohne hier Namen sehr bekannter wahrhaftiger männlicher und weiblicher Fachleute zu nennen: Keine/r unter den Insidern der Speerwurf-Szenerie! Einige sprechen gar von einem handfesten Skandal.
Hätten wir das nebenbei gleich mit geklärt.