Zwei silberne und eine bronzene Medaille für das DLV-Team

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(München/Krefeld, 21. August 2022) Mit einem stimmungsvollen Regenbogen über dem Zeltdach des Olympiastadions von 1972, 50 Jahre später immer noch eine architektonische Schönheit mit einem besonderen Flair für inspirierte Darsteller und stimulierte Zuschauer, begann gestern am vorletzten Wettkampftag die Abendveranstaltung bei der Leichtathletik-EM. Ein schönes, auch von den Fernsehkameras eingefangenes und ins Pantoffelkino geliefertes Bild. Allerdings mit der Kehrseite von teilweise schwierigen Bedingungen bei nicht anhaltendem Nieselregen. Insbesondere beim Speerwurf der Frauen und Stabhochsprung der Männer mit ihren ultralangen Verweildauer am Ort der Handlung.
Da war indes lediglich die Frage zu beantworten, wer hinter dem nun in 19 Wettkämpfen in Serie unantastbaren Überflieger und Weltrekordler (6,21m) Armand „Mondo“ Duplantis aus Schweden, der es gnädig machte und es beim neuen Meisterschaftsrekord (CR) von 6,06m bewenden ließ, die beiden weiteren Medaillenränge belegen würde. Erfreulicherweise konnte sich Bo Kanda Lita Baehre als „erster Verlierer“ und übersprungenen 5,85m mit der Silbermedaille schmücken lassen. Dritter mit 5,75m wurde der Norweger Lillefosse.

Lea Meyer: Nach „Slapstick“ bei der WM nunmehr Silber bei der EM

Der 23 Jahre junge, ehrgeizige Leverkusener mit seinem sicherlich noch großen Potenzial durfte schon im Vorfeld als die größte, wenn nicht gar einzige deutsche Medaillenhoffnung in den sechs Entscheidungen der „Evening Session“ gehandelt werden. Doch nahezu gleichzeitig beim vom Zeitplan abschließenden Rennen über 3.000m Hindernis sollte es eine faustdicke Überraschung geben. Für die zeichnete Lea Meyer verantwortlich, die bei der WM in Eugene durch ihre unfreiwillige Slapstick-Einlage mit dem „Köpper“ in den Wassergraben weltweite Berühmtheit erlangte. Seinerzeit sich aufrappelnd und tapfer-zügig ins Ziel laufend, deutete die knapp noch 24-Jährige ihre wahren Möglichkeiten bereits an. Doch mit dem was sie gestern in einer makellosen Vorstellung bot, damit sprengte sie förmlich ihre Leistungsgrenzen und stieß in ungeahnte Dimensionen vor.

Bisherigen "Hausrekord" um 10,26 Sekunden in Schutt und Asche gelegt

Trotz einer vorherigen Corona-Infektion (erst seit neun Tagen ist sie wieder negativ getestet) unterbot die Kölnerin in einem couragierten Rennen ihre bisherige persönliche Bestzeit von 9:25,61 um unfassbare 10,26 Sekunden auf 9:15,35 Minuten, belohnte sich dafür hinter der haushohen Favoritin Luzia Alba (9:11,31 CR), aber deutlich vor der ebenfalls hoch gehandelten Britin  Elizabeth Bird (9:23,18) mit einer nicht für möglich gehaltenen Silbermedaille. Aus solchem Holz sind die vom DLV in seinem Anglizismuswahn propagierten „True Athlets“ (Wahre Athleten) geschnitzt, die über sich hinauswachsen, wenn es darauf ankommt. „Das Publikum hat mich getragen. Heute hat einfach alles zusammen gepasst“, sagte die nachvollziehbar überglückliche „Meyerin“ ins ARD-Mikrofon. Und vermutlich jeder Zeit-, Augen- und Ohrenzeuge freute sich mit ihr. Da schließe ich mich als Chronist ein.
Sei darüber nicht vergessen, dass am Vormittag bei fortwährender Regendusche, was in dem konkreten Falle kein Nachteil war, Saskia Feige im 20 Kilometer Gehen in der persönlichen Bestzeit von 1:29,25 Stunden Bronze gewann.
Alle weiteren Resultate der deutschen Finalisten: 800m: 7. Christine Hering 2:00,82 min.; 3.000m Hindernis: 12. Elena Burkhard 9:39,63 min. (SB); 4x400m Männer: 7. Schlegel, Schneider, Koch, Sanders 3:02,51 min.; 4x400m Frauen: 5. Thiel, M.Mayer, Schmidt, Krafzik 3:26,09 min. (SB); Stabhoch: 8. Torben Blech 5,50m, 9. Oleg Zernikel 5,50m; Speer: 11. Annika Marie Fuchs 54,52m; 20 km Gehen: 9. Leo Köpp 1:21,36 Stunden (SB), 20. Karl Junghannß 1:28,31, Nils Brambach DQ. Und die Gesamtergebnisse des sechsten Wettkampftages.