Fünfter EM-Tag: Zwei aus zehn schnupperten an bronzenem Edelmetall

(München/Krefeld, 20. August 2022) Kontrastprogramm beim aufgeblähten DLV-Aufgebot bei den Europameisterschaften im Olympiastadion in München: Während Mittwoch alle sechs Finals ohne Beteiligung der gastgebenden einstigen „Grande Nation“ über die sportliche Bühne an der durch die Olympischen Sommerspiele 1972 geweihten Kultstätte gingen, war unser einig Vaterland – und das lassen wir „Gegenderten“ uns alle miteinander genüsslich auf der Zunge zergehen – in allen sieben Entscheidungen vertreten. Ein neuerlicher Medaillenrausch wie am vorigen Dienstag kam freilich nicht dabei heraus. Aber immerhin die sich mehrende Erkenntnis, dass die im Weltkonzert in Spitze und Breite nur noch die dritte Geige spielende deutsche Szene der Männer/Frauen zumindest auf dem alten europäischen Kontinent noch munter mitmischen, manchmal auch eine Rolle in vorderste Linie spielen kann. Allerdings sollte das bei den (un-)verantwortlich Handelnden im Verband nicht zu überschwänglichen Optimismus und einem „weiter so“ führen. Erhebliche Zweifel sind angebracht, da sich höchstwahrscheinlich am notleidenden leitenden Personal nichts ändern wird. Jede Wette!

Paritätisch verteilt zehn Deutsche in sieben Entscheidungen

Zehn Deutsche, hübsch paritätisch nach Geschlecht verteilt, in sieben finalen Endkämpfen: Was kam dabei unter dem Strich heraus? Zwei davon durften wenigstens an der Bronzemedaille schnuppern. Dreispringerin Neele Eckart-Noack fehlten als Viertplatzierte mit 14,43m daran lediglich zwei Zentimeter und das nun einmal unerlässliche Quäntchen Glück. Leider sollte  sich für die 30-jährige Niedersächsin mit 14,53m als Beste der Qualifikation die von uns geäußerte Binsenweisheit bestätigen, dass im Finale die Karten nun einmal gänzlich neu gemischt werden.
Einen Platz weiter hinten jedoch genau genommen noch näher dran war Langhürdler Joshua Abukabu. In einer äußerst knappen Auseinandersetzung mit Zielfotoentscheid  um Bronze wurde der Frankfurter in der persönlichen Bestzeit von 48,79 Sekunden über 400m Hürden Fünfter, fehlten ihm auf Rang vier sechs Tausendstel und auf den dritten Platz eine Hundertstel.
Der Rest vom Fest der Platzierten: 200m: 5. Joshua Hartmann 20,50; 8. Alexandra Burghardt 23,24 Sekunden; 1.500m: 5. Hanna Klein 4:05,49, 10. Katharina Trost 4:06,95 Minuten; 400m Hürden: 8.Carolina Krafzik 56,02 Sekunden (bis zur zehnten Hürde, die sie fast aus dem Stand überquerte, auf dem dritten Platz); 3.000m Hindernis: 5. Karl Bebendorf 8:26,49, 14. Niklas Buchholz 8:37,51 Minuten; Diskuswurf: 10. Henrik Janssen 61,11m.

Sprintstaffel der Männer rannte in 37,97 Sekunden deutschen Rekord

Und was am Vormittag geschah: Alle vier deutschen Staffeln erreichten die Finals. Die größten Hoffnungen weckte das männliche Sprintquartett (Kranz, Hartmann, Ansah, Ansah-Peprah), das als Vorlaufsieger in 37,97 Sekunden den deutschen Rekord um zwei Hundertstel verbesserte. Ein weiteres „Heimspiel“ verdiente sich das Münchner Kindl Christina Hering in 2:00,86 Minuten über 800m mit einem kleinen „q“ im Sportgepäck. Dies gelang auch der weiterhin nach ihrer Bestform suchenden Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch, für die gar 1,87m Saisonbestleistung bedeuteten (alle Resultate).

Thomas Röhler blamierte sich und schadete der Sache

Auf äußerst schwachem Niveau stand die Qualifikation im Speerwurf. Keiner der angetretenen 24 Recken schaffte die für ein direktes Weiterkommen verlangten 83 Meter. Der „Cut“ auf Platz zwölf lag bei lausigen 77,20m. Zweitbester war Julian Weber mit 80,99m. Andreas Hofmann zog als Elfter mit 77,29m sinnbildlich noch so gerade den Kopf aus der Schlinge, die bereits an seinem Hals baumelte. Und dann war da ja noch der restlos entzauberte Titelverteidiger Thomas Röhler, der völlig außer Form auf Gedeih und Verderb seine ihm zustehende persönliche „Wild Card“ ausspielte. Dies auch hinterher im Interview bei ZDF-Moderator Norbert König vehement und wortreich, indes nicht überzeugend verteidigte (was auch sonst?). Was dem Thüringer als 22. der Gesamtwertung mit 71,31m blieb, war eine sehr ordentliche Weite für einen Zehnkämpfer. Gegen Europameister Niklaus Kaul hätte es allerdings nicht gereicht, der bei seiner erfolgreichen Aufholjagd 76,05m geworfen hat. Jeder blamiert sich halt so gut er kann. Röhler konnte. Wer wollte das jetzt noch bestreiten?! Doch er schadet nicht nur sich, sondern auch dem Ansehen der ohnehin um Reputation und verlorenes Terrain ringenden deutschen Leichtathletik.
So schaut’s aus und wird ein Sportschuh draus!