Pseudowissenschaftliches Ballyhoo, gespickt mit Floskeln und Phrasen

Kolumne

Ferngesehen

(Eugene/Krefeld, 22. Juli 2022, 22 Uhr) Uff, der große Zampano hat gesprochen! Nach der ihm in der Hierarchie unterstellten, sich gehörig vergaloppierenden DLV-Chefbundestrainerin Annett Stein kam in der vorigen Nacht MESZ bei der Fernsehübertragung von den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Eugene auch der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende Cheik-Idriss Gonschinska in einem mehrminütigen Interview bei ZDF-Moderator Norbert König zu Wort. Nicht allein mir stellte sich die Hänsel-und-Gretel-Frage: Was wollte der hauptamtliche Verbandsfunktionär bei seinem pseudowissenschaftlichen Ballyhoo, mit Allgemeinplätzen, Floskeln und Phrasen nur so gespickten Ausführungen eigentlich rüberbringen?

Wer hätte das gedacht: Wettkampfresultate werden durch Training generiert

Stark komprimiert und sinngemäß auf seine Kernaussage reduziert: Wettkampfresultate werden durch ein zweckorientiertes, zielführendes Training generiert. Wow! Wer hätte das gedacht? Die Moral von der Geschicht‘: Bei der aufwändigen, kostenträchtigen Vorbereitung auf diese WM mit einem riesigen Wasserkopf an Begleittross muss eingedenk des bislang weit überwiegend desaströsen, enttäuschenden Abschneidens der aufgeblähten deutschen Nationalmannschaft jede Menge schief gelaufen, konkreter: falsch gemacht worden sein in der Trainings- und Wettkampfsteuerung zum Saisonhöhepunkt hin. Stattdessen sind allzu viele in ein Formtief manöveriert worden.
Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass jenes Team ausgerechnet am Konzernsitz des DLV-Ausrüstungssponsor, der den Verband mit einem über 14 Jahre noch bis 2028 alimentierenden sittenwidrigem „Rentenvertrag“ (siehe Link) unterstützt, mit ihrem Markenzeichen auf dem gestreiften Trkot von einer Blamage in die nächste stolpert. Und das ist noch ausgesprochen charmant forumuliert.

Bei einem Wirtschaftsunternehmen würden Gonschinska und Stein gefeuert

Die Verantwortung tragen schlussendlich in letzter Konsequenz der oben genannte gebürtige 53-jährige Leipziger und ehemalige Hürdensprinter der einstigen DDR (siehe Wikipedia) und seine Chefhostess. Ginge es hier nicht mit Sport um die vermeintlich herrlichste, aber auch sündhaft teure, überwiegend mit Steuergeldern finanzierte Nebensache der Welt, sondern ein DAX-notiertes Wirtschaftsunternehmen, würde dieses Duo unisono gefeuert.
So schaut's aus!