DLV plant 80 WM-Starter: Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich

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Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Eugene/Krefeld, 29. Juni 2022)
Nicht kleckern, sondern klotzen. Chef-Bundestrainerin Annett Stein „kalkuliert“ für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Männer/Frauen vom 15. bis 24.Juli 2022 in Eugene im US-Bundestaat Oregon mit 80 Athleten*innen (siehe Link ). Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich. Die unter dem dicken Strich enttäuschende DM vom vergangenen Wochenende in Berlin spiegelt eine DLV-Mannschaft fast in Kompaniestärke jedenfalls nicht wider. Noch weniger die 23 Normenerfüller/innen in den Stadionwettbewerben (plus elf beim Marathon und Gehen). Gut, da kommen noch vier weitgehend chancenlose Staffeln hinzu. Ein paar Schlupflöcher werden dann noch über ein komplett undurchsichtiges „Worldranking“ des Weltverbandes World Athletics (WA, früher IAAF) gesucht und gefunden. Übrigens nicht zu verwechseln mit der aktuellen Weltrangliste.
Der Zweck heiligt die (Bundes-)Mittel, gilt die Devise
„Nutze jeden Vorteil“ getreu seines us-amerikanischen Ausrüstungssponsor mit dem stilisierten Fleischerhaken. Denn: Die Quote der Protagonisten setzt noch mal ungefähr die gleiche Zahl eines Begleittrosses von Bundestrainern, Ärzten, Physiotherapeuten, Offiziellen, Offiziösen, Frühstücksdirektoren, Grußonkeln und –tanten sowie was da sonst noch alles kreucht und fleucht über den großen Teich in Bewegung. Ganz zu schweigen von den vorgeschalteten Nebengeräuschen eines elftägigen „Pre-Camps" im 1.400 Kilometer entfernten Santa Barbara (Kalifornien) zur Aklimatisierung an den neunstündigen Zeitunterschied. Was „lacostet" die Welt? 

Mehr Augenmaß und Sinn für die Realität vonnöten

Ehedem lautete aus grauer Vorzeit der Nominierung schlagkräftiger Nationalmannschaften die Prämisse „realistische Endkampf-Chance“. Davon ist dieser nationale Dachverband, der nach Gutsherrenart agiert, bei dem Aufwand und Ertrag in krassem Missverhältnis stehen, schon lange abgerückt. Er wird aus Kollateralschäden auch kein Jota klüger. Da sei nur an die Hallen-WM im März in Belgrad erinnert, sollte selbst das wesentlich kleinere Team gemäß der weissagenden Frau Stein „für Aufsehen sorgen“. Heraus kam ein desaströses Abschneiden mit einem achten Rang als beste Platzierung (wir berichteten). Ein bisschen mehr Augenmaß und Sinn für die blanke Realität wären vonnöten. Wobei ein gewisser Bodensatz unvermeidbar, nicht kalkulierbar ist.  
Gleichwohl bleibt die Frage: Wie lange schaut sich das für den Sport zuständige Bundesministerium des Inneren (BMI) dieses verschwenderische Treiben von öffentlichen Mitteln, mithin der Steuerzahler, noch an? Schenken wir uns an dieser sportlichen Stelle die Aufzählung drängenderer Baustellen in allen möglichen Bereichen unserer Republik.