Winterwurf-DM: Teilweise unzumutbare Zusammenlegung von Klassen

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Erfurt/Darmstadt/Krefeld, 04. April 2022)
Ja, es ermüdet uns auch, häufig auf den armen, sich vergeblich abstrampelnden Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) eindreschen zu müssen. Aber noch einmal: Er liefert die Ursachen, wir die Wirkung darauf. Und Missstände sollten nun mal aufgegriffen werden. Sonst entsteht der falsche Eindruck, es wäre alles in Ordnung, zumindest submaximal gewesen. Das war jedoch bei der 1.Winterwurf-DM der Ü-35-Generation am 25./26.März 2022 in Erfurt nicht der Fall, wie wir mit ein wenig Zeitverzögerung von einer sich stellvertretend für ihre ebenfalls betroffenen Sportkameradinnen beklagenden Teilnehmerin erfahren haben. Übrigens auch schon vor Ort der Handlung von ihnen als Bitte ungehört bei den Kampfrichtern geäußert. Das hat nichts mit notorischer Nörgelei zu tun, wie unlängst ein wild gewordener Verbandsfunktionär behauptete. Was wieder mal die berühmte Gretchenfrage aufwirft: Wer ist hier eigentlich für wen in dieser Zweckgemeinschaft auf Zeit da?  

Fachkompetenz hätte deutlich anders ausgesehen

Doch zu den Fakten: Die W60 bis 85 musste in allen drei Disziplinen mit Diskus, Speer und Hammer gemeinsam bei getrennter Wertung in denselben Wettbewerben antreten. Das machte dann bis zu 18 Starterinnen mit je sechs Versuchen und in Summe einer Dauer bis zu zwei Stunden. Und das ganze Trauerspiel dreimal relativ kurz hintereinander. Das hält kein Pferd aus und drückte zwangsläufig auf die Leistungen. Erwähnte Bitte, es doch wenigstens nacheinander in zwei Gruppen aufzuteilen, was letztlich nicht länger gedauert hätte, stieß auf ebenfalls beschriebene taube Ohren. „Das hat der DLV so beschlossen, und das bleibt so“, war die ultimative Antwort. Peng!
Wohlgemerkt: Es handelte sich um eine Zwei-Tages-Veranstaltung mit lediglich drei Disziplinen und relativ wenigen Werfern*innen in den verschiedenen Altersklassen (wir berichteten). Da wäre also auch Ausweichpotenzial vorhanden gewesen. Aber das hätte eine bisschen Umdenken und Bastelarbeit am Zeitplan erfordert. Das war dann wohl für ein erkleckliches Startgeld in dreifacher Ausführung und bis zu 18-facher Duplizierung zu viel verlangt. Der DLV und Fachkompetenz: Da prallen zwei augenscheinlich nicht in Einklang zu bringende Welten aufeinander.

Ein unreflektierter „Börsenbericht“ in der Senioren-Spielecke

Und was lesen wir darüber in dem DM-Beitrag in der Senioren-Spielecke auf der Verbandsnetzseite? Nichts! Ein vollkommen unreflektierter Börsenbericht mit der bloßen Aneinanderreihung von Namen und Zahlen als Abklatsch der Ergebnisliste. Dabei war die Autorin selber im Einsatz, berichtete in dritter Person über ihre eigene tolle Leistung mit dem Diskus. Einmal von dieser Stilfrage abgesehen (warum schreibt sie nicht unter einem Pseudonym?):  Dass eine leibhaftige ZDF-Sportredakteurin garantiert mehr kann, steht nicht zur Debatte. Vielmehr dürfte es eine Vorgabe des DLV sein, stets mit Friede, Freude, Eierkuchen die nicht vorhandene heile Leichtathletik-Welt abbilden zu müssen.