Seit heute Nacht tickt bis Ende Oktober die Mitteleuropäische Sommerzeit

Kolumne

Moment mal

(Krefeld und die Nation, 27. März 2022) Als ich heute Morgen als gewohnheitsgemäßer Frühaufsteher für den wonnevollen Dienst an der Tastatur mein Bose-Radio eingeschaltet habe, zeigte die analoge Uhr darauf 6:05 Uhr. Nicht dass ich es vergessen hätte, wurde ich unvermittelt daran erinnert, was noch zu erledigen ist: Auf WDR4, die laut Werbebotschaft angeblich „Meine Lieblingshits“ spielen, ertönte passend dazu „Johnny come lately (New kid in Town)“ von The Eagles. Übersetzt: Johnny kommt in letzter Zeit. Das war zugleich das nicht erforderliche Stichwort, dass heute am letzten Sonntag im März die Uhren in der Nacht von zwei auf drei Uhr vorgestellt werden respektive worden sind. Wohlgemerkt: Die Uhren, nicht die Zeit. Die ist, was sie ist und lässt sich nicht beliebig umstellen.
Wenn dem so wäre, würde ich lieber nicht in dieser Zeit leben, mich in eine bessere weit vor Corona und Ukraine-Krieg zurück versetzen wollen. Dabei könnte ich ruhig mein Alter beibehalten. Sonst würde ich ja irgendwann wieder in diese vermaledeite Chose geraten.

Heute kann niemand zu einem Termin zu spät kommen

Aber zurück in die Zukunft. So es bei elektronischen Geräten aller Art nicht bereits pünktlich auf die Sekunde genau automatisch geschehen ist, sind analoge Zeitmessgeräte halt um eine geschlagene Stunde vorzustellen. Das hat zumindest entschieden den Vorteil, dass heute niemand bei irgendwelchen Terminen zu spät kommen kann, er im Zweifelsfalle eine Stunde zu früh das Hochamt um 10 Uhr oder sonst was besuchen will. Übrigens: Nicht zu vermitteln ist es der domestizierten Tierwelt, deren sehr verlässliche innere Uhr sich nicht umstellen lässt. Als langjähriger Halter von vierbeinigen Boxern, zuletzt Hündin Jolie (im Bild) bis zur Verabschiedung in den Hundehimmel im Mai 2018, weiß ich, wovon ich schreibe. 

Längst als ökologischer und ökonomischer Unsinn entlarvt

Obwohl längst in zahlreichen wissenschaftlichen Studien als barer ökologischer und ökonomischer Unsinn zweimal im Jahr (Rückstellung am letzten Sonntag im Oktober) entlarvt, konnte sich die Europäische Union (EU) mit derzeitiger Präsidentin Ursula von der Leyen (CDU) an der Spitze bislang nicht darauf einigen, bei „welcher Zeit“, also echt oder vorgestellt, es dauerhaft bleiben soll. Ja, klar, momentan plagen uns alle miteinander wichtigere und drängendere Dinge. Aber die gibt es schließlich irgendwie und irgendwo immer. Folglich steht zu befürchten, dass dieser simple Vorgang bis zum Sankt Nimmerleinstag vor sich hin dümpelt. Vermutlich kann ich nicht so alt werden, das noch zu erleben.
Also auf bis zum nächsten „Moment mal“ in dieser leidigen, komplett überflüssigen Angelegenheit.