Auch ohne den surrealen Spruch ein enttäuschendes WM-Abschneiden

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Belgrad/Darmstadt/Krefeld, 21. März 2022) Vollkommen surreal, geradezu absurd, fernab jeder Realität war die von DLV-Cheftrainerin Annett Stein vermutlich in Stein gemeißelte tollkühne These, das kleine deutsche Team würde bei den gestern zu Ende gegangenen Hallen-Weltmeisterschaften der Männer und Frauen in Belgrad „für Aufsehen sorgen“. Schaut diese hochdekorierte, vermutlich auch mit einem Direktoren-Gehalt ausstaffierte Dame eigentlich vor einem internationalen Großereignis mal nicht in die Weltrangliste? Das darf nach deren hanebüchenen Aussage getrost verneint werden! Die Lehren daraus muss sie nach diesem sportlichen und auch eigenen Offbarungseid selber ziehen, so es nicht andere tun.
Halten wir fest, dass wirkliche Fachleute weder Wunderdinge, noch Medaillen von diesem kleinen und mit letztlich 16 Leichtathleten (10 Männern, 6 Frauen) immer noch zu großen Aufgebot erwartet haben. Folgerichtig kam Germany in dem 29 Nationen umfassenden Medaillenspiegel nicht vor, in den es sich aus deutscher Sicht mit Ausnahme bei der Ü35-Generation schon lange nicht mehr zu blicken lohnt. Was nicht heißt, dass wir neuerdings diesem Götzen beim Vergleich von Äpfel und Birnen huldigen würden. Das war dramaturgisch notwendig.  

„Zwergen“-Staaten machen dem DLV etwas vor

Wie auch dies, welche „Zwergen“-Staaten da aufgeführt sind. Sogar mit der Schweiz (Dritte) und Belgien (Vierte) an exponierter Stelle. Selbst das mit rund zwei Millionen Einwohnern kleine Slowenien, das sich im Sport vor allem durch seine Ski-Springer/-Flieger einen Namen macht. Eine Springerin war es freilich auch. Nicht mit langen Sprunglatten an den Füßen, sondern einem Stab in den Händen. Was für die Stein-Schützlinge letztlich als beste Platzierung unter dem Strich stand, ist ein achter Rang. Das erregt gemessen an dem eigenen, indes restlos überzogenen, irrelevanten Anspruch in der Tat für Aufsehen. Halt auf negative Weise. So schaut’s aus!

Der gesamte „Wasserkopf“ des DLV gehört auf den Prüfstand

Was losgelöst davon über den eigenen Tellerrand gesehen auffällt, dass mehrere Weltrekorde, kontinentale Bestmarken, zu Hauf persönliche und saisonale Bestleistungen aufgestellt worden sind. Komplette Fehlanzeige bei der deutschen Nationalmannschaft. Da wächst keine/r mal sinnbildlich über sich hinaus. Eine Egalisierung der Saisonbestzeit. Das war’s. Oftmals wurde dem eigenen Leistungsvermögen hinterher gelaufen, gesprungen und gestoßen. Nüchtern besehen reichten die aktuelle Form und das Können für den internationalen Standard schlichtweg nicht aus. Vielfach ist mit der Qualifikation und Nominierung für derartige Titelkämpfe der Höhepunkt bereits erreicht. Da stimmt es mental zudem meist zwischen den Ohren nicht. Satt, matt und platt auf der ganzen Linie.
Eines sollte nach Olympia auch diese WM bei den für den Sport in unserem Lande in letzter Instanz Verantwortlichen vom Bundesministerium des Innern (BMI) klar aufgezeigt worden sein, dass beim DLV mit seinen über 50 hauptamtlichen Kräften in der Administration sowie 68 Bundes- und elf Stützpunkttrainern so einiges, genau genommen alles, auf den Prüfstand gehört.
Denn es ist für jeden neutralen Betrachter vom Fach augenfällig, dass Aufwand und Ertrag in einem krassen Missverhältnis stehen. Nicht erst seit den drei letzten Tagen von Belgrad.