Jahresstart: Mitunter kommt es anders, als zuvor angedacht

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 02. Januar 2022)
Eigentlich wollten wir gestern an dieser Stelle und Ätherwelle behutsam die nicht vorhandene heile Welt abmalen und mit einem seichten Friede-Freude-Eierkuchen-Beitrag in 20 – 22 einsteigen. Eigentlich. Daraus wurde leider nix, wie gegebenenfalls nachzulesen ist. Der Frömmste kann eben nicht in Frieden leben, wenn es seinem bösen Nachbarn nicht gefällt, galt es eine schreiende Ungerechtigkeit an der wieder einmal untergebutterten Ü30-Generation aufzugreifen. Ja, wir hätten es uns leicht machen, diese Kröte unreflektiert und unkommentiert schlucken und einen simplen Link legen können. Getreu der Devise so mancher Funktionäre „Nach uns die Sintflut“.
Doch das ist nicht unser selbst gestelltes Credo. Vielmehr sind wir am Nikolaustag im Dezember 2009 angetreten ein Sprachrohr und eine Interessenvertretung für die ewigen Talente für die nächsthöhere Altersklasse mit dem Untertitel „LAMPIS – das Internetportal von, aber nicht nur Senioren-Werfer/innen" zu sein (siehe auch das Fenster Über Lampis). Hoppla: Da waren wir ja der vermeintlichen Aufwärtsentwicklung der sprachlichen Generalgleichmache der Geschlechter damals schon einen Schritt voraus und haben ein bisschen „gegendert“.

Kein Weichspüler, Durchlauferhitzer und Steigbügelhalter für Verbände

Was wir jedoch niemals gemacht haben und in Zukunft auch nicht werden: Den Weichspüler, Durchlauferhitzer und Steigbügelhalter für nationale wie internationale Leichtathletik-Verbände zu geben. Das überlassen wir getrost einer sibyllinischen (rätselhaften) Verharmlosungs- und Verlinkungsnetzseite, die mit den letzten blühenden Rosen Weihnachts- und Neujahrsgrüße abgesondert (von wegen absonderlich) hat. Unverdrossen werden wir da wo es unseres Erachtens geboten erscheint auch fortan im Interesse der Sache die Tastaturfinger in die Wunde legen und all jenen an unumstößlichen Fakten orientiert nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung den (Zerr-)Spiegel vorhalten. Meinung ist für uns nicht verhandelbar. Die gestatten wir uns. Basta! Selbstverständlich im Umkehrschluss auch Andersdenkenden.  

Publikumswahl mit äußerst geringer Beteiligung kommt einem Glücksspiel gleich

Karten wir noch etwas nach, was an weniger wichtigen Dingen auf der Zielgeraden des alten Jahres bei uns liegen geblieben ist. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) rief in der lausig und offenbar höchst widerwillig gepflegten Senioren-Spielecke seiner Netzseite zu Pseudo-Veranstaltungen wie informativen, virtuellen und digitalen Themenabenden auf. Ein Minderheiten-Programm. Darunter fiel auch die Publikumswahl zur Senioren-Leichtathletin und Senioren-Leichtathleten des Jahres 2021. Bei der äußerst geringen Beteiligung im unteren dreistelligen Bereich sind dem Zufall und der besseren Lobby-Arbeit der zuvor von einer so genannten Experten-Jury je fünf Auserkorenen (schon da scheiden sich die Geister) Tür und Tor geöffnet.

Exemplarisches Musterbeispiel für eine Farce war 2017 zu notieren

Da sei nur an 2017 erinnert. Seinerzeit hätte es bei objektiver Betrachtung die weltweit herausragende Sprinterin Ingrid Meier (*1947/W70) vom LAC Quelle Fürth werden müssen. Sie landete jedoch auf dem vierten Platz. Das exemplarische Musterbeispiel für eine Farce, eines Glücksspiels mit völlig ungewissem Ausgang. Worauf die flotte
„Meierin" völlig zurecht total verbittert war. Hinzu kommt die lieb- und schmucklose Kürung (welch ein pompöses Wort dafür), irgendwann vollkommen unbemerkt unter Fortführung der Wettbewerbe anlässlich der Senioren-Hallen-DM mit Winterwurf. Die obendrein nach 2021 auch heuer wieder ausfallen wird. Ein leidiges Thema für sich, das allerdings nicht allein dem DLV anzulasten ist.
In diesem maßlos bescheidenen Sinne einen schönen Sonntag und einen geschmeidigen Start in die erste Kalenderwoche Anno Domini 2022! Und stets unermüdlich Vorsicht, Umsicht und Rücksicht in Zeiten wie diesen walten lassen! Schafft ihr als mündige, verantwortungsbewusste Bundesbürger schon. Denn nicht nur bei den Lesern der FAZ steckt ein kluger Kopf dahinter.