Traue keiner Rekordliste, die nicht von dir selber gefälscht wurde

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Bad Nauheim/Bad Vilbel-Dortelweil/Krefeld, 09. November 2021)
Lösen wir noch das Rätsel um die authentische Punktzahl der Weltrekord-Verbesserung in der M55 durch Thomas Stewens (*1966) aus Dortelweil beim Jedermann-Zehnkampf im September 2021 in Bad Nauheim aus jenem von uns ins Spiel gebrachtem dreifachen Zahlen-Cocktail auf. Definitiv falsch und  zu vernachlässigen ist das vom Veranstalter übermittelte und der „Wettraurer Zeitung“ vorbehaltlos übernommene Ergebnis von 8.325 Punkten. Nach einem veröffentlichten „Update“ der World Masters Athletics (WMA) per Stand 01.November 2021 haben 8.312 Punkte Eingang in die globale Rekordliste gefunden. Halten wir analog zu unserer obigen Grafik fest, dass die vielen Zahlen, Daten, Fakten stimmen und jenes Gesamtwerk ergeben.

Rekorde finden nur bei elektronischer Zeitmessung Anerkennung

Der DLV-Mehrkampfrechner ist insofern ein wenig irreführend, als dass er ein leicht zu übersehendes Häkchen bei elektronischer Zeitmessung verlangt. Dabei finden Mehrkampf-Rekorde nach den Internationalen Wettkampf-Regeln (IWR) auf allen Ebenen ohnehin nur Anerkennung, wenn sie in den Laufdisziplinen ausschließlich bei funktionierender Elektronik erzielt worden sind (wir berichteten mehrfach). Es ist bereits von EMA-Webmaster Hans-Peter Skala aus Ratingen veranlasst worden, dass der europäische Senioren-Statistiker Ivar Söderlind den Europa- und zugleich Weltrekord auf die Leistung von Stewens nacherfasst.

Unsägliches Durch- und Gegeneinander bei EMA und WMA

Noch eine Ungereimtheit zwischen European Masters Athletics (EMA) und WMA in der umgekehrten Richtung. Der Weltverband führt im Zehnkampf der M60 immer noch unverdrossen jene 8.123 Punkte von Stabhochsprung-Spezialist Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen als Weltrekord, aufgestellt im Frühjahr 2014 in Stendal. Den hat jedoch der Nord-Italiener Hubert Indra aus Lana in Südtirol bereits im Juni 2018 in Arezzo/I auf 8.202 Punkte verbessert (siehe dazu bei der EMA Decathlon auf Sete 18 und unseren damaligen Beitrag). Da wiederum liegt die kontinentale Dachorganisation richtig.
Es ist unsäglich und unerträglich, dass sich die Statistiker der internationalen Senioren-Verbände nicht im Sinne der Athleten/innen untereinander abstimmen. Jede/r hält sich offenbar für allwissend und unfehlbar. Ein schieres Unding bei dem Wust an Disziplinen und Altersklassen von M/W 35 bis soundso. Drum merke: Das über allem stehende Credo muss im Sinne der Athleten*innen 1.) "Ehre, wem Ehre gebührt" sein und 2.) müssen sich die Medien-Vertreter aller Couleur bei ihrer Berichterstattung darauf verlassen können, dass sie auf wirklich aktuelle Höchstmarken und deren Inhaber zurückgreifen.
Fazit: Traue keiner Statistik, die nicht von dir selber gefälscht worden ist.