DLV-Geschäftsstelle in Darmstadt: "Ein Käfig voller Narren 2.0"

Glosse

Neben der Spur

(Darmstadt/Baunatal/Krefeld, 25. August 2021)
Ausgewiesene Kineasten fortgeschrittenen Semesters werden sich womöglich an die französisch-italienische Filmkomödie „Ein Käfig voller Narren“ (Originaltitel: La cage aux folles) aus dem Jahre 1978 erinnern, die 1980 für den Oscar nominiert und vorher mit dem Golden Globe ausgezeichnet worden ist. Ob dieser schrille „Blockbuster“ aus dem Drag-Queen-Milieu noch dem heutigen Zeitgeschmack entspricht, sei einmal dahingestellt. Doch es gibt ja „Ein Käfig voller Narren 2.0“: Die Geschäftsstelle des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Darmstadt.
Sie produziert zumindest nach hausgemachter (Un-)Art ungewollt „Slapstick“, Schmonzetten und Realsatire am laufenden Band. Die mehrfach überarbeitete Ausschreibung (letzter Stand vom 20.August) zu den Deutschen Senioren-Meisterschaften vom 10. bis 12.September 2021 in Baunatal strotzt nur so vor Unzulänglichkeiten, Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten. Darauf werden wir später noch ausführlich eingehen.

Für drei DM-Normen ist eine Weltrekord-Verbesserung gefordert

Doch einen nicht unerheblichen Punkt daraus haben wir schon mal aufgegriffen – die Normen respektive Vergleichswerte in den Laufwettbewerben der W90:

Disziplin   Weltrekord W90   Quali W90

                        *1*                         *2*

100m              23,15                     30,00sec.
200m              55,62                     55,00sec.
400m           2:16,19                   2:04,00min.
800m           5:01,35                   5:30,00min.
1.500m      12:34,67                  12:30,00min.

*1* Quelle: WMA Records Outdoor (updated 02. August 2021); *2* Quelle: DLV Ausschreibung  Senioren-DM 2021 (Stand: V4_20.08.2021).

Genau hinschauen und genießen oder wundern

Bitte genau hinschauen und genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Aber selbstverständlich helfen wir in unserem missionarischen Eifer gerne ein bisschen auf die Sprünge. Über 100m scheint die Leichtathletik-Welt noch in Ordnung. Jedoch nicht mehr, wenn die doppelte Distanz zu Rate gezogen wird. Da muss a) zur Normerfüllung Weltrekord gelaufen und b) im Verhältnis zu den 100m im Schnitt von 27,5sec. deutlich schneller gerannt werden. Augenfällig ist es wieder über 400 und 1.500m, muss der Weltrekord auf der Bahnrunde gleich um 12,19 und auf der Mittelstrecke um moderatere 4,67sec. unterboten werden.

Herbert E. Müller ist der Investigator

Keine Frage: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Aber das ist verdammt viel Kleinholz auf einmal. Unverständlich ist in jedem Falle, dass hier irgendwer ungeprüft einen solchen Bockmist ins Netz stellt. Gemäß einem Originalzitat im „Aktuellen ZDF-Sportstudio“ des inzwischen nach der Strukturreform zum Frühstückspräsidenten degradierten Jürgen Kessing war er dereinst „Vorgesetzter von über 50 hauptamtlichen Kräften“. Darunter müsste es doch wenigstens eine/n geben, der mit Sinn und Sachverstand eine Ausschreibung gegenliest, bevor sie auf die Menschheit losgelassen wird. Und halten wir fest, dass es mit dem „laufenden Kaffeefilter“ Melitta Czerwinka-Nagel (*30.04.1930) von der LAG Saarbrücken mindestens eine ernsthafte Kandidatin aus dem Alterssegment für DM-Starts gibt.
Wobei wir von Allesrenner und Dauerbrenner Herbert E.Müller (*12.11.1929; im Bild) vom TSV Bayer Dormagen erfahren haben (ihm verdanken wir im Übrigen die obigen investigativen Ausgrabungsarbeiten und mithin den Stoff für diese Glosse), dass Melitta einen ernsthaften Angriff auf den 1.500-m-Weltrekord unternehmen möchte. Damit hätte sie dann allerdings nicht zwingend auch die DM-Norm.  
Verrückter und schriller geht’s nicht!