Bei Johannes Vetter drückt womöglich noch woanders der Sportschuh?

Kolumne

Moment mal

(Offenburg/Herzogenaurach/Krefeld, 17. August 2021)
Mitten im Strom die Pferde zu wechseln hat sich schon auf Trecks im ehedem Wilden Westen allzu häufig als fatale Entscheidung erwiesen. Das lässt sich sinnbildlich auch auf alle möglichen Bereiche des normalen Lebens übertragen. Nicht zuletzt auf die angeblich herrlichste Nebensache der Welt: den Sport. Derer Beispiele gibt es unendlich viele, habe ich aus unmittelbarer Erfahrung als Aktiver in den vier Sportarten Fußball, Eishockey, Tennis und Leichtathletik miterlebt. Aber auch später ab meinem 22. Lebensjahr als Sportjournalist in der Berichterstattung für Print, Funk, Fernsehen und Co-Autor von Büchern mit dem Schwerpunkt Eishockey.

Wechsel aller Art nicht immer das Allheilmittel

Doch nicht nur da haben sich Trainer-Wechsel oftmals als der berühmt-berüchtigte Griff ins Klo herausgestellt. Auch der von Zehnkämpfer Jürgen Hingsen (*1958) vom FC Bayer 05 Uerdingen, der im Olympiajahr 1988 seinen Entdecker, langjährigen Mentor,  Coach, väterlichen Freund, den „Karajan unter den Trainern“ Norbert Pixken (*18.08.1938,
29.12.2018) verließ und „inoffiziell“ zum TV Wattenscheid wechselte. Das Ergebnis ist älteren Generationen bekannt: Drei Fehlstarts im einleitenden 100-m-Lauf und das denkbar früheste Aus bei den Olympischen Spielen in Seoul. Die Hintergründe kenne ich, will sie aber an dieser Stelle nicht auswalzen. Sie sprechen allerdings nicht für das vor Ort körperlich anwesende damalige Trainer-Trio des TVW.

Kunterbunter Mix aus Pleiten, Pech und Pannen

Beim kunterbunten Mix von Pleiten, Pech und Pannen von Speerwerfer Johannes Vetter (LG Offenburg) bei Olympia anno 2021 in Tokio war es in Sachen Planung und gezielt(er)em Aufbau womöglich auch ein wenig der dauerhafte Bundes- und Heim-Trainer Boris Obergföll (geb. Henry). Doch es darf gemutmaßt werden, dass der Sportschuh noch woanders drückte, wie uns der ganz genau hinschauende Senioren-Werfer und Trainer Georg Kinadeter (*1946) vom TV Hauzenberg in Niederbayern freundlicherweise nebst entsprechendem Link zu zwitscherte: Die Probleme nämlich hausgemacht waren. Denn Vetter hat auch ein bisschen die Pferde gewechselt, nämlich zum 12.Juli 2021 den Schuh-Sponsor von Nike auf Puma. Sicherlich nicht allein, weil ihm das Logo mit dem springenden Raubtier besser gefällt als der stilisierte „Fleischerhaken“ des us-amerikanischen Giganten. Gut, dass bei einem Halb-Profi (er ist zudem bei der Bundeswehr) der monetäre Aspekt eine Rolle spielt, ist durchaus legitim.

Bislang letzter 90-m-Wurf im alten Modell

Aber passte der Schuh nicht nur von der Größe? Zweifel sind geboten. Der 28-jährige Sachse bestritt seinen letzten Wettkampf im alten Modell am 29.Juni 2021 bei der „World Continental Tour“ in Luzern, warf dort als Siegerweite bei nur drei absolvierten Versuchen 92,14m und noch 91,39m. Es sollten bis dato seinen letzten über 90 Meter gewesen sein. Es folgten – bereits gestern beschrieben – als Eingänge in die jeweiligen Ergebnislisten 85,25, 86,48, 85,64, 82,52 und 86,17m. Alles purer Zufall, oder was? Erschwerend kommt hinzu, dass die frühere Spitzen-Trainerin Gertrud Schäfer (unter anderem von Siebenkämpferin Sabine Braun und Speerwerferin Beate Peters, beide Weltklasse) bei Vetter eine falsche Fußstellung des linken Stemmbeines ausgemacht hat. Das in Summe mag einiges der für Vetters überragenden Möglichkeiten  lang anhaltenden Talfahrt erklären.       
Nun aber diesbezüglich endgültig genug unserer Vetter-Wirtschaft. Sonst müssten wir noch Berater-Honorare aufrufen.