Unternehmen Gold von Speerwerfer Johannes Vetter krachend gescheitert

(Tokio/Krefeld, 07. August 2021; 16:30 Uhr) Strapazieren wir das Phrasenschwein, wonach der Tag nicht vor dem Abend gelobt werden sollte. Eingedenk des durch ihn selber in utopische, galaktische Höhen empor geschossenen Erwartungshorizonts vereinigte er die Superlative nur so auf sich, hat die Vorschusslorbeeren regelrecht ins Kraut schießen lassen. Er hatte saisonübergreifend 19 Wettkämpfe hintereinander gewonnen, dabei in diesem olympischen Nachholjahr derer sieben in Serie mit Weiten jensteis 90 Meter für sich entschieden, führte mit seinen 96,29m die Weltbestenliste 2021 mit sage und schreibe 6,74m Vorsprung an, er war die vermeintlich größte Gold-Bank im insgesamt 434 Teilnehmer starken Team „D“ und obendrein neben Langhürdler Karsten Warholm aus Norwegen der am höchsten vorgewettete kommende Olympiasieger der Leichtathletik.
Als es jedoch darauf ankam, missriet alles zur Makulatur. Da hilft kein Pudern und kein Schminken: Der bisherige Speerwurf-Dominator Johannes „Jo“ Vetter ist heute Nachmittag MESZ im Finale bereits nach dem Vorkampf mit für ihn völlig indiskutablen 82,52m als Neunter krachend gescheitert und verließ völlig gefrustet, aber äußerlich gefasst vorzeitig die Stätte der Schmach. Christin Hussong lässt (un-)schön grüßen, die gestern als große Medaillen-Hoffnung dasselbe Desaster erlebte!

Es war das von uns befürchtete schlechte Omen

Es war es also doch das in unserer heutigen Vorschau befürchtete schlechte Omen. Der zu weiche Belag soll schuld daran gewesen sein, dass der 28-jährige Kraftprotz seinen brachialen Stemmschritt nicht in den Kunststoff der an sich knüppelharten Marke MONDO rammen konnte. Doch die anderen stemmen schließlich auch und werfen nicht mit beiden Füßen in der Luft ab. Immerhin waren auf den Rängen zwei bis vier ausnahmslos Saisonbestleistungen zu notieren. Darunter vom Mainzer Julian Weber, der als Vierter mit 85,30m denkbar knapp um 15 Zentimeter an Bronze vorbeiwarf. Und Vetter selber erzielte in der zittrigen Qualifikation im alles entscheidenden dritten und letzten Durchgang 85,64m. Wenngleich es Kaffeesatzleserei ist, hatte der gebürtige Dresdner da womöglich bereits den Glauben verloren, eine seiner vielen 90-Meter-Keulen (insgesamt 28) auspacken zu können. Schließlich befand sich seine Formkurve schon bei den letzten Wettbewerben daheim etwa auf dem 85-Meter-Level im Sinkflug.

Trainer und Athlet hatten keinen Plan B

Sport findet eben auch immer zu einem Großteil zwischen den Ohren statt. Und wenn sich jemand einredet, auf dem Untergrund geht es für mich einfach nicht, dann befeuert diese unterschwellige Autosuggestion den selbstzerstörerischen, lähmenden Prozess. Aber ich will hier nicht den Hobby-Psychologen geben. Doch immerhin kann ich in diesem Bereich  ungeachtet des Niveaus aus dem Fundus von 1.160 Wettkämpfen allein in meiner Spezialdisziplin Kugelstoßen schöpfen. Irgendwie schien es mir an der mentalen Einstellung sowie bei Vetter und seinem Trainer Boris Obergföll (geb. Henry) an einem Plan B zu fehlen. Dass es niemanden mehr ärgerte als diese verschworene kleine Gemeinschaft, versteht sich am Rande. Dumm gelaufen, Mund abwischen und weitermachen. Indes leichter gesagt, als getan. Dieser Stachel wird extrem tief sitzen. Denn wer den Schaden hat, bekommt den Spott geschenkt. - Der Ergebnisspiegel.

Dürre Abschneiden von 2016 in Rio de Janeiro wurde noch unterboten

Da ist es bei der Nation und uns lediglich noch eine Randnotiz, dass im Rennen der potenziell Bulimiegefährdeten über 10.000 Meter Konstanze Klosterhalfen nahe ihrem deutschen Rekord in 31:01,97 Minuten Achte und Hochspringerin Marie Laurence-Jungfleisch mit 1,93m Zehnte wurde.
Obwohl noch der morgige Marathonlauf der Männer in Sapporo ansteht, dort aber keine Wunder vom DLV-Terzett bei der Übermacht aus Afrika zu erwarten sind, ist bereits jetzt klar, dass mit einmal Gold und zweimal Silber das dürre Abschneiden von 2016 in Rio de Janeiro noch unterboten wird. Seinerzeit holten allein die Werfer mit zweimal Gold- (Thomas Röhler und Christoph Harting) und einer Bronzemedaille (Daniel Jasinski) die Kastanien aus dem Feuer. Selbstverständlich werden wir morgen ohne jede Schönfärberei noch eine ausführliche Bilanz anhand der untrüglichen Fakten folgen lassen.
Alle Resultate vom Schlusstag der Stadionwettbewerbe.