Silbermedaille für Jonathan Hilbert beim Auslaufmodell 50 km Gehen

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(Tokio/Krefeld, 06. August 2021) Chance im doppelten Wortsinne genutzt (Erklärung folgt später). Jonathan Hilbert gewann in der Zweitage-Veranstaltung (gestern Abend 22:30 Uhr Ortszeit gestartet) im 50 km Gehen heute Nacht MESZ in Tokio nach 3:50,44 Minuten die Silbermedaille. Überraschend vielleicht, aber längst nicht so „sensationell“ wie es uns recht Ahnungslosen dieser für manche doch sehr exotisch wirkenden Disziplin der Leichtathletik (gestehe mein ambivalentes Verhältnis dazu) das Mitteilungsorgan des DLV im Internet nach dem Motto „Her mit den Superlativen“ glauben machen will. Der 26-jährige Thüringer mit dem Kraft spendenden Vereinsnamen LG Ohra Energie kommt keineswegs wie ein Phönix aus der Asche daher. Immerhin belegt er als bester Europäer hinter drei Japanern mit 3:43,44 Stunden den vierten Rang in der auch nach diesem Ereignis unverändert aktuellen Weltbestenliste 2021. Das sollte einen zumindest theoretisch befähigen, nach einen Medaille greifen zu können. Schmälern wollen wir damit diesen Erfolg jedoch keineswegs. Denn man(n) muss es in diesem Falle Stunden der Wahrheit auch erst mal abrufen. Gescheiterte Mit-Favoriten in allen möglichen Sportarten, auch der vermeintlichen olympischen Kernsportart, können ein traurig‘ Lied davon singen.

Jetzige Bundestrainer Roland Weigel gewann zuletzt 1992 Bronze

Da hat beim DLV-Schreiber die Historie wohl ein wenig den Blick getrübt. Dazu gehört auch geschichtlich, dass dieser längste Wettbewerb der Leichtathletik (viele sagen auch langweiligste) vorerst (?) zugunsten von weiterhin eingeführtem Firlefanz so genannter Fun- oder Trend-Sportarten (diesmal derer fünf) aus dem Programm genommen, schon 2024 in Paris fehlen wird. Also ein Auslaufmodell mit Endzeit-Charakter. Historisch durch die rosarote deutsche Brille betrachtet weiterhin, als der jetzige Bundestrainer Roland Weigel 1992 in Barcelona mit Bronze zuletzt eine Medaille Made in Germany beisteuerte. Greifen wir noch tiefer in die Nostalgie-Kiste: Der im Januar 2021 in Münster 78-jährig verstorbene Bernd Kannenberg (*20.08.1942 in Königsberg) vom LAC Quelle Fürth wurde 1972 für die Bundesrepublik Deutschland in München Olympiasieger. Somit wäre der Medaillensatz unter Aussparung der DDR nunmehr komplett.
Die weiteren Platzierten des deutschen Trios mit allesamt ungewöhnlichen Vornamen, die in dieser Konkurrenz mit zu Beginn 57 Teilnehmern, von denen der 45. als Schlusslicht nach 4:53,09 das Ziel passierte, waren als 33. Carl Dohmann in 4:07,18 und 42. Nathaniel Seiler in 4:15,37 Stunden. Alle Resultate.

Hat Speerwerferin Christin Hussong das „Schockerlebnis“ überwunden?

Zur christlichen Zeit ab 13:25 Uhr MESZ stehen heute noch vier Wettbewerbe mit deutscher Beteiligung auf der Agenda. Die besten Chancen sollten sich im Speerwurf der Weltbestenlisten-Zweiten Christin Hussong (69,19m) eröffnen, so sie denn ihr „Schockerlebnis“ aus der Qualifikation (Elfte mit 61,68m) überwunden hat und zur vorher oftmals gezeigten Stärke zurückfindet. Wenn tatsächlich alle günstigen Faktoren auf einmal zusammenkommen, könnte für die Sprintstaffel der Frauen Bronze herausspringen. Startzeit 15:30 Uhr. Sonst noch: 13:25 Uhr: Vorläufe über 4x400m, 13:50 Uhr Finale 4x100m, beides der Männer.