Für Nostalgiker und Blauäugige geht die Olympiade erst morgen los

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(Tokio/Krefeld, 29. Juli 2021; 17.20 Uhr) Jetzt geht’s erst richtig los (als ob alles andere ein Kindergeburtstag wäre?)! So jedenfalls werden Nostalgiker und Blauäugige argumentieren, die die Leichtathletik unverdrossen für die olympische Kernsportart Nummer 1 halten. Auf Deutschland bezogen ist sie das schon lange nicht mehr. Allein der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat das immer noch nicht begriffen. Die (un-)verantwortlich handelnden Personen haben in ihrem schier grenzenlosen Optimismus oder Fatalismus dem Deutschen Olympischen Sport-Bund (DOSB) mit allen möglichen Eselsbrücken eine nicht bekannte Zahl von Athleten*innen vorgeschlagen, wovon der DOSB nach unterschiedlichen Verlautbarungen 88 respektive 90 (die nennt der DLV) nominiert und auf den Weg nach Tokio gebracht hat. Die Mühe machen wir uns nicht, das genau zu quantifizieren, ist auch eher nebensächlich. Wichtiger ist vielmehr, dass sich nach internationalen Maßstäben der unbestechlichen Weltbestenliste (WBL) 2021 jede Menge Sporttouristen im Nationaltrikot darunter befinden. Da gerade Erntezeit ist, könnte es auch als Fallobst bezeichnet werden.

Johannes Vetter und Christin Hussong die deutschen Trümpfe

Den Beweis dieser fachlich begründeten düsteren Prognose werden wir ab morgen in der Früh MESZ tagtäglich bis zum 08.August aufgetischt bekommen. Aber nun bekenne ich natürlich noch Farbe, sehe - was nicht sonderlich schwer ist - meinerseits im Speerwurf mit Johannes Vetter (1. der WBL mit 96,29m) von der LG Offenburg und Christin Hussong (2. mit 69,19m) vom LAZ Zweibrücken lediglich zwei aussichtsreiche Medaillen-Kandidaten am Firmament aufleuchten.
Für Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo (10. mit 6,92m) von der LG Kurpfalz scheinen diese trost-, da zuschauerlosen Olympischen (Nachhol-, Geister- und Corona-)Spiele bei ihren in dieser Saison latent vorhandenen Anlaufproblemen schlicht ein Jahr zu spät zu kommen. Der Vorname der 27-Jährigen bedeutet „Engel“ oder „Guter Geist“. Letzterer hat sie allem Anschein nach schnöde verlassen. Ein stets zu Scherzen aufgelegter Senioren-Sprinter, der nicht genannt werden möchte, deutete Malaika in „Vor dem Balken“ um. Es bedarf eigentlich keiner Erwähnung, dass wir uns herzlich gerne irren und eines Besseren belehrt werden. Beruhigend ist immerhin, dass die hirntote Regel der Juwelen-Meetings mit dem besten finalen Versuch der bis dahin drei Erstplatzierten keine Anwendung findet.

Ein frommer Wunsch der Organisatoren bleibt unerfüllt
 
Noch eine offizielle zahlenmäßige Angabe, die wir dem Bereich von Märchen und Sagen zuordnen, für eine charmante Untertreibung halten. Danach gibt es
„bloß" 50 Betreuer für die, konstatieren wir nach Abzug der drei verletzten Lisas Ryzih, Maier und Nippgen, 87 Aktiven. Wie soll sich das ausgehen bei all den Bundes- und Heimtrainern (manchmal sind sie indes identisch)? Der meines Erachtens chancenlose Zehnkampf-Überraschungsweltmeister Niklas Kaul vom USC Mainz hat gleich Mutter und Vater im Schlepptau. Soviel zum Thema, dass die Olympia-Organisatoren wegen der Infektionslage darum ersucht hatten, den Begleittross so gering wie möglich zu halten und gestalten. Ein allzu frommer Wunsch.

Ein deutsches Sextett geht morgen in die verschieden großen Ringe

Aus der Fraktion Stoß/Wurf geht morgen paritätisch verteilt ein deutsches Sextett mit den Qualifikationen im Diskuswurf der Männer (ab 02:45 Uhr MESZ) und Kugelstoßen der Frauen (12:25 Uhr MESZ) in die verschieden großen Ringe. Nicht dabei istChristoph Harting vom SCC Berlin als Olympiasieger von 2016 in Rio de Janeiro. Aber der wiedererstarkte damalige Drittplatzierte Daniel Jasinski (8. mit 67,47m) vom TV Wattenscheid, der bei seiner zuletzt gezeigten Konstanz die „Quali“ überstehen sollte. Dazu haben auch Clemens Prüfer (9. mit 67,41m) vom SC Potsdam und David Wrobel (11. mit 67,30m) vom SC Magdeburg das Rüstzeug. Allerdings verfügen sie nicht über die internationale Erfahrung eines Jasinski. Da können die Hände schon mal zittrig und die Knie weich werden. Prominente Beispiele aus der Vergangenheit gibt es derer reichlich.
Bei der Kugelstoß-Troika um Sara Gambetta (18. mit 18,86m) vom SV Halle, Christina Schwanitz (25. mit 18,63m) und Katharina Maisch (28. mit 18,51m), beide LV 90 Erzgebirge, bedarf es schon eines ausgesprochenen „Sahnetages“, sie im Vorkampf der besten Zwölf wiederzusehen. Positive Überraschungen sind allen Unkenrufen zum Trotz selbstverständlich jederzeit willkommen.
Mit der folgenden Verlinkung geht es zu den Zeitplänen. Da bei dem Wust an sich überschneidenden Sportarten bei den Öffentlich-Rechtlichen von ARD und ZDF stets nur Schnipsel zu sehen sein werden, empfiehlt sich der selektierbare Internet-Livestream von www.joyn.de.