Olympia: Sorge um Gesundheit aller Beteiligten hat keinen Platz mehr

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Kolumne

Moment mal

(Frankfurt/Tokio/Krefeld, 21. Juli 2021)
Bevor kommenden Freitag der japanische Kaiser Naruhito die Olympischen (Nachhol-, Geister- und Skandal-)Spiele vom 23. Juli bis 08.August 2021 in Tokio eröffnen wird, bleibe ich verdrossen, aber als wirkungsloser Schattenboxer unermüdlich bei meiner klar ablehnenden Haltung für eine Durchführung. Das gezeichnete neutrale(re) Stimmungsbild zielt gleichwohl in dieselbe Richtung. Die ARD-Sportschau hat vorigen  Samstag in einem eigenständigen kritischen Beitrag anhand von Fakten die desaströse Corona-Gemengelage in der 38-Millionen-Metropole und Stimmung in der Bevölkerung aufgezeigt, ohne indes eine Wertung Pro oder Contra vorzunehmen. Kunststück: Schließlich entsenden sie auch ein etwa 50-köpfiges Fernseh- und Rundfunkteam, um über das stark amputierte größte und bedeutendste sportliche Völkerfest der Welt zu berichten.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sorgt sich um die Gesundheit der Beteiligten
 
Andere sind da weniger zurückhaltend. Selbst der gewissermaßen von Ehrenamts wegen zum Optimismus verpflichtete DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagte vor der Sonntagabend in Frankfurt beginnenden Abreise der 432 nominierten deutschen Sportler/innen: „Eine gewisser Sorge fliegt mit. Kann es einen von uns erwischen? Hoffentlich bringen wir am 09.August alle gesund wieder hierhin zurück.“ Ein frommer Wunsch. Gestern wurde aus dem längst noch nicht mit allen 11.300 Teilnehmern*innen aus 206 Nationen besetzten Olympischen Dorf die 67. Neuinfektion mit dem vermaledeiten, heimtückischen, ständig neue, noch gefährlichere Mutationen entwickelnden Virus gemeldet, geraten die Organisatoren in große Erklärungsnot. Ein Ende ist nicht abzusehen. Das ist so sicher… Doch zitieren wir nicht schon wieder die Kirche, die nichts dafür kann.

10.000 japanische Freiwillige sagten ihren Einsatz ab

Fast 67 Prozent der Japaner halten die Schutzmaßnahmen für „nicht ausreichend“. Was nützt es, dass angeblich rund 90 Prozent der Aktiven geimpft sind, jedoch derzeit lediglich 22,5 Prozent der einheimischen Bevölkerung?! Es wird auch ohne Zuschauer aus dem Gastgeberland und aller Welt zwangsläufig Berührungspunkte geben. Denn die modernen Gladiatoren müssen zu den Wettkämpfen aus ihrer Blase (Bubble) raus, in der all‘ die Offiziellen, Kampfrichter, Helfer und, und, und, nicht leben. 10.000 der insgesamt 80.000 (!) notwenigen japanischen Freiwilligen für die Wettkampfstätten sagten ihren Einsatz ab, je nach Umfrage sind 60 bis 83 Prozent der Bürger aus dem Land der aufgehenden Sonne für eine Absage oder neuerliche Verschiebung der Spiele.

Sportlerherz von Ex-Schwimmerin Antje Buschschulte blutet

Noch eine prominente deutsche Stimme von Ex-Schwimmerin Antje Buschschulte (*1978), als solche fünffache Olympia-Medaillengewinnerin, mehrfache Welt- und Europameisterin, heutzutage Grünen-Politikerin und als Referentin im Landtag von Sachsen-Anhalt in Magdeburg tätig, zur Farce, die da Olympia heißt: „Mein Sportlerherz blutet. Keiner will Spiele vor leeren Rängen, mit wenig Flair und auch nicht gegen den Willen der ausrichtenden Nation.“ Genau das ist der Knackpunkt, der strahlend lächelnd von der japanischen Regierung und IOC-Präsident Thomas Bach (Tauberbischofsheim) als „Herrn der Ringe“ bei Seite geschoben worden ist. Hoch lebe der Kommerz, wollen Sponsoren- und Fernsehverträge eingehalten werden, drohen ansonsten hohe Konventionalstrafen.
Da hat die (Für-)Sorge um die Gesundheit aller Beteiligten keinen Platz mehr.