Thum: Mutter der Kugelstoß-Kompanie wieder die Chefin im Ring?

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(Thum//Krefeld, 16. Juli 2021) Letzte Ausfahrt Thum. So könnte der 18.Thumer Werfertag in der sächsischen 5.700-Einwohner-Gemeinde für den Großteil der deutschen Starter bei den Olympischen (Nachhol- und Geister-)Spielen überschrieben werden, deren Leichtathletik-Wettbewerbe am 30.Juli beginnen. Es ist nach den Halle’schen Werfertagen im Frühjahr in Sachsen-Anhalt das zweitgrößte Werfer-Festival (allerdings ohne Hammerwurf) auf heimischem Boden. Dabei werden/wurden in „normalen Zeiten“ sogar mehr Zuschauer, bis zu 4.000 an der Zahl, generiert. Sicherlich im ursächlichen Zusammenhang damit, dass es sich um die Heimstätte des LV 90 Erzgebirge handelt mit den kugelstoßenden Galionsfiguren Christina Schwanitz und David Storl (jetzt SC DHfK Leipzig; Trainer Wilko Schaa) an der Spitze sowie als Vater der vielen Erfolge Heim- und Bundestrainer Sven Lang dahinter.

Bislang nur Dritte der DLV-Bestenliste

Und für seine Parade-Schülerin Schwanitz steht nach einer bisher verkorksten und vor allem durch die 14-tägige Quarantäne nach dem unüberlegten Gateshead-Trip zum Juwelen-Meeting „für bare Münze“ amputierten Saison, weswegen sie auch die DM versäumte, bei ihrem Heimauftritt die Nagelprobe auf der Agenda. Die 35-jährige Bundeswehr-Soldatin und Mutter der Kugelstoß-Kompanie will sicherlich nunmehr beweisen, dass sie die eigentliche Chefin im Ring ist. Die aktuelle DLV-Bestenliste weist sie derzeit mit 18,59m als Dritte hinter Sara Gambetta (18,86m) vom SV Halle und der kürzlich auf 18,69m verbesserten Alina Kenzel (VfL Waiblingen) aus, knapp vor ihrer ebenfalls für Tokio nominierten Klubkameradin Katharina Maisch (18,51m).

Hochinteressantes internes Gipfeltreffen

Gambetta und Maisch haben sich zuletzt rar gemacht. Ganz im Gegensatz zu „Tingel-Tante“ Julia Ritter vom TV Wattenscheid, die bei ihrer Hatz nach der letztlich leider verpassten Olympianorm (18,50m), die auch Kenzel bis zum Meldeschluss 29.Juni verfehlte, bei 18,35m gestoppt worden ist. Dennoch ist der Ehrgeiz der sehr sympathischen 23-Jährigen ungebrochen, wie sie mir vorigen Samstag beim 5.Neustädter Kugel-Cup erzählte. Dort übertraf die auf ihrem Niveau wohl konstanteste deutsche Kugelstoßerin bei einem Bestwert von 18,09m gleich viermal die 18-m-Marke (wir berichteten). Dieses interne Gipfeltreffen dürfte der allerdings nicht immer verlässlichen Papierform nach hochinteressant werden.

Start von Johannes Vetter dürfte mit einem Fragezeichen zu versehen sein

Das Kugelstoßen der Männer ist die einzige Stoß-/Wurf-Disziplin beiderlei Geschlechts, die in der japanischen 38-Millionen-Metropole nicht vertreten sein wird. Der als Doppel-Weltmeister (2011, 2013) frühere Thumer Lokal-Held blieb den geforderten Leistungsnachweis von 20,60m schuldig, absolvierte aus den verschiedensten Gründen trotz mehrfacher Ankündigung überhaupt keinen Wettkampf in dieser Freiluftsaison. Ein Jahr zum Vergessen! Ob es sportlich gesehen noch einmal ein besseres für den bald 31-Jährigen geben wird?
Auf der DLV-Netzseite wird der Speerwurf-Überflieger, Weltbestenliste-Erste und Gold-Kandidat Johannes Vetter von der LG Offenburg als das Zugpferd der Veranstaltung avisiert. Da melde ich mal leise Zweifel an, dass der 28-jährige Sachse, erst Dienstagabend in Gateshead am Start, an den Ablauf gehen wird. Das weiß ich – ohne Namensnennung – aus ziemlich erster Hand, dass dies aller Voraussicht nach nicht der Fall sein dürfte. Schließlich kann er im Hinblick auf seine Mission Olympiasieg nicht ständig Trainingseinheiten rausnehmen. Schau mer mal, dann sehen wir es. – Alle Startwilligen nach Disziplinen unter dieser Verlinkung.