Speerwurf-Ass Johannes Vetter haderte mit dem Belag des Anlaufs

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(Gateshead/Krefeld, 14. Juli 2021) Ein deutsches Terzett war gestern Abend beim durch die Verlegung von London zweiten diesjährigen Diamond League-Meeting im britischen Gateshead am Start. Diesmal nicht mit einer zweiwöchigen häuslichen Quarantäne bei der Rückkehr in die Bundesrepublik belegt (Christina Schwanitz lässt schön grüßen!). Dabei machten die Speerwerfer bei der hirntoten Regelung „Best of Three“ nach fünf Versuchen und der Entscheidung im finalen sechsten Durchgang die beiden ersten Plätze unter sich aus. Den gerne zitierten Doppelsieg gibt es de facto nicht. Entgegen so manch kuriosem, eher absurden Ausgang bei dieser seltsamen Konstruktion setzte sich Johannes Vetter von der LG Offenburg gegen seinen Landsmann Julian Weber vom USC Mainz durch. Folgerichtig. Denn der saisonal weltweite Überflieger mit zuletzt sieben Wettkämpfen über 90 Meter erzielte im letzten Versuch mit 85,25m (zuvor 82,13m) nicht nur seine absolute Tagesbestweite.
Der regulär drittplatzierte Mainzer (81,07m) profitierte von diesem hausgemachten Unsinn, da er gegenüber 2012-Olympiasieger Keshorn Walcott (82,81m) aus Trinadad & Tobago mit amputierten 77,16 zu 76,74m und 42 Zentimeter Vorsprung das bessere Ende für sich hatte. Alles klar? Gut zu wissen, dass diese gequirlte Sch… nur bei Juwelen-Meetings Anwendung findet.
Keine Sorgen müssen sich wohl um Vetter gemacht werden, dass er ausgerechnet vor Olympia (die Leichtathletik-Wettbewerbe beginnen am 30.Juli) seine überaus konstante Top-Form eingebüßt haben könnte. Der 28-jährige Sachse äußerte sich im Interview mit dem Bezahlsender Sky Sport, dass der „beschissene, knochenbrecherische Belag“ der Anlauffläche keine für ihn inzwischen gewohnten Weiten jenseits 90 Meter zugelassen habe.

Malaika Mihambo mit extremen Anlaufproblemen

Der Anlauf ist naturgemäß auch beim Weitsprung ein ganz großes Thema. Und der passte mal wieder nicht bei Weltmeisterin Malaika Mihambo von der LG Kuzpfalz. Die feingeistige 27-Jährige belegte mit 6,65m nach der Lotterie-Wertung den zweiten Rang, nach herkömmlicher Methode mit derselben Weite, da im letzten Versuch erzielt, den dritten Platz. Vor allem das Resultat kann nicht ihr Anspruch sein. Da dürfte in Sachen Feinjustierung noch ein bisschen Arbeit bis zum Tage X vor ihr und ihrem Trainer liegen. Wenngleich mit sechs gültigen Versuchen, die bei ihr Seltenheitswert haben, jedoch einer grottenschlechten Serie mit Sprüngen bis 5,99m abwärts, hob sie im Extremfall 48 Zentimeter vor dem 20cm breiten Balken ab. Da stimmte überwiegend nicht einmal die Grobmotorik.
Als Dritter im nationalen Bunde belegte Tobias Potye von der LG Stadtwerke München in einer insgesamt enttäuschenden, auch qualitativ schwach besetzten Hochsprung-Konkurrenz mit der Schnapszahl von 2,22m in dem schnell auf sechs Teilnehmer dezimierten Achterfeld den vierten Platz. Doch gemessen daran, dass Mateusz Przybylko vom TSV Bayer 04 Leverkusen mit dem saisonalen Empfehlungsschreiben von 2,23m ein Olympia-Ticket offeriert bekam, nicht mal eine so schlechte Leistung. Die vielen Sozialfälle in der aufgeblasenen deutschen Leichtathletik-Mannschaft für Tokio sind oder wären jedoch ein Thema für sich.
Zur nach Disziplinen selektierbaren Ergebnisübersicht.