Olympia: DOSB nominiert 88 Leichtathleten, DLV nennt derer 90

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(Tokio/Frankfurt/Darmstadt/Krefeld, 03. Juli 2021) Es ist ein bisschen so wie bei der Bestellung von 125 Gramm feinster Mailänder Salami an der Frischwurst-Theke von EDEKA oder sonstwo. Die Antwort der Verkäuferin nach dem Auswiegen: „Darf’s etwas mehr sein?“ Klar doch! Das lässt sich im übertragenen Sinne auch getrost auf die Leichtathletik adaptieren. DLV-Cheftrainerin und Optimismus-Beauftragte Annett Stein sprach im Vorfeld von rund 65 Aktiven bei den Olympischen (Nachhol- und Geister-)Spielen vom 23. Juli bis 08.August 2021 in Tokio. Nach der heute bekannt gewordenen Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mit Sitz in Frankfurt/Main sind es bei widersprüchlichen Angaben von DOSB und Deutschem Leichtathletik-Verband (DLV) 88 respektive 90 geworden. Nachgezählt haben wir das indes nicht. Aber auf zwei nach oben oder unten kommt es bei diesem noch größer aufgeblasenen „Heißluftballon“ nun auch nicht mehr an (siehe oben).
Obendrein dürfte erfahrungsgemäß noch mal die doppelte Anzahl an Heim-, Bundestrainern und sonstigen ganz wichtigen Offiziellen wie dem präsidialen „Gruß-August“ Jürgen Kessing zu veranschlagen sein. Dabei haben die japanischen Organisatoren mit bangem Blick auf die überaus kritische Corona-Gemengelage, aktuell noch mit Starkregen und Erdrutschen in der 38-Millionen-Metropole, die teilnehmenden Nationen ausdrücklich ersucht, kein unnötiges, überflüssiges Begleitpersonal zu entsenden. Aber was „lacostet“ schon die Welt, wer sich zum Nulltarif auf Dienstreise begeben darf. Allzu menschlich. Allerdings wegen genannter Situation vollkommen unangebracht, ein „Super-Spreader-Festival“ aus Olympia zu machen.  

Diskuswerfer Daniel Jasinski als einziger der drei Medaillen-Gewinner von 2016 dabei

Erwartungsgemäß gehören mangels saisonaler Resultate Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler (LC Jena) und der doppelte Kugelstoß-Exweltmeister David Storl (SC DHfK Leipzig) nicht dem aufgeblähten Kader an. Allein Diskuswerfer Daniel Jasinski vom TV Wattenscheid ist von den lediglich drei Medaillengewinnern der Olympischen Spiele von 2016 in Rio de Janeiro noch dabei. Einziger Gold-Kandidat ist Speerwurf-Überflieger Johannes Vetter von der LG Offenburg, der mit dem Alleinstellungsmerkmal deutscher Leichtathleten die Weltjahresbestenliste 2021 mit 96,29m und deutlichem Vorsprung von 6,74m anführt. Streng genommen wäre jene Liste der alleinige verlässliche Gradmesser für eine Nominierung gewesen, statt fernab nicht erbrachter Normen nach irgendwelchen Kunstgriffen, Krücken und Eselsbrücken in den 27 (!) DIN-A4-Seiten umfassenden, komplizierten Nominierungsrichtlinien zu greifen. Doch schauen wir hinterher in einer Bestandsaufnahme, wie viele Sporttouristen im Germany-Trikot da so unterwegs gewesen sind. Eine Ausnahme sei jetzt schon mit der aus Mutterstadt stammenden, neuerdings für den TSV Bayer 04 Leverkusen startenden Hammerwerferin Samantha Borutta (*07.08.2000) genannt, die als noch 20-Jährige mit 71,08m (34.) eine junge, aufstrebende Athletin mit großer Perspektive ist. Aspekt: Erfahrung sammeln.

Veranstalter geben keine Kondome an die Athleten*innen aus
 
Noch eine kleine Schmonzette zum Nachspiel. Der DLV muss für seinen Tross ordentlich Kondome ordern. Kein Scherz unserer Netzseite für Erwachsene, denen nichts Weltliches fremd sein sollte, sich selber schon vermehrt oder im Stillen viel Gutes getan haben! Denn entgegen bisherigen olympischen Gepflogenheiten, so berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa), werden die Veranstalter wegen der Pandemie keine „Verhüterlis“ zur Vermeidung allzu enger sozialer Kontakte unter den Athleten und *innen aus aller Herren Länder ausgeben. Als ob es sich damit verhindern ließe? Eine höchst naive Vorstellung Made in Japan!
Verlinkungen zu den diesbezüglichen Beiträgen des DOSB, DLV und den Profilen aller bislang insgesamt 438 Nominierten aus allen Sportarten.