Speer: Johannes Vetter und Christin Hussong überzeugten erneut

(London/Luzern/Berlin/Krefeld, 30. Juni 2021) Mit einer unrühmlichen, ziemlich blutleeren, uninspirierten Vorstellung verabschiedeten sich die auserwählten deutschen Elitekicker gestern Abend im Londoner Wembley-Stadion vor pöbelnden heimischen „Fans“ (sie buhten und pfiffen mehrtausendfach beim Abspielen der deutschen Nationalhymne) mit einer 0:2-Achtelfinal-Niederlage gegen England von dieser Fußball-EM und Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw nach 15-jährigem Wirken mit dem Höhepunkt des WM-Titels 2014 in den Ruhestand.
Und was machten derweil die deutschen Leichtathleten bei ihren buchstäblich letzten Chancen auf ein Flugticket zu den am 23.Juli beginnenden Olympischen (Nachhol- und Geister-)Spielen bei den Meetings in Luzern und Berlin? Urplötzlich wie „Kai aus der Kiste“ (Genderwahn nicht nötig, da männlicher wie weiblicher Vorname) tauchte niemand auf und gab ein Referenzschreiben in sportlichen Taten ab. Allerdings waren hier wie da mit Regen, Kühle und nassen Kunststoffbelägen auch schwierige äußere Bedingungen zu bewältigen.

Julian Weber warf mit 84,95m Saisonbestleistung

All das kann Speerwurf-Überflieger Johannes Vetter von der LG Offenburg als einzigem Germanen an der Spitze der Weltbestenliste offenkundig nicht anfechten. Mit 92,14 und 91,39m ließ der 28-jährige Vorzeigeathlet bei der diesmal international nicht so hochklassig besetzten „World Continental Tour“ im schweizerischen Luzern zwei weitere 90-Meter-Würfe aus dem Köcher und packte nach drei Versuchen vorzeitig seine Sporttasche. Als Drittplatzierter empfahl sich Julian Weber vom USC Mainz mit der Saisonbestleistung von 84,95m für einen Startplatz im „Land der aufgehenden Sonne“ (eingedenk der Corona-Gemengelage mehr so untergehenden…). Insgesamt gab’s in der Schweiz sieben deutsche Erfolge. Darunter den von Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken mit feinen 64,02m und deutlichem Vorsprung auf die Nächstplatzierte. Dabei hatte sie und ihre Mitbewerberinnen zu Beginn der Veranstaltung zusätzlich mit besonders widrigen Begleiterscheinungen fertig zu werden.
Gesehen habe ich in der Glotze leider fast nix. Ein Unwetter mit Blitz und Donner über Krefeld legte ab 20:10 Uhr meine Satelliten-Anlage lahm. Fatalerweise erst nach dem Grotten-Kick.– Ergebnisübersicht aus Luzern.

Gina Lückenkemper ein Schatten ihrer selbst

Da wir sie schon in unserer gestrigen Vorschau genannt haben, sei nicht verschwiegen, was Sprinterin Gina Lückenkemper beim Mittsommer Sportfest (sie nannten es skandinavisch Midsommar, ist zugleich der Titel eines Horrorfilms; das traf’s dann schon eher) Klubs SCC Berlin über 100 Meter abzuliefern vermochte. Machen wir es angemessen kurz: Es reichte in 11,53 Sekunden und satte drei Zehntel hinter Rebekka Haase vom Sprintteam Wetzlar bei Weitem nicht einmal für die Nebenrolle zur Ersatzfrau für die Sprintstaffel. Ein Jammer, wie die kesse junge Dame mit einer Bestzeit von 10,95 Sekunden aus 2017 sich seither abgewirtschaftet hat, nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Mögen ihr zumindest „die guten Ausreden“ und die nimmermüden Gunstbeweise des DLV erhalten bleiben. – Alle Resultate aus Berlin.