Kugelstoßerin Julia Ritter scheiterte bei der Normen-Hetzjagd

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(Odense/Krefeld, 28. Juni 2021, 20 Uhr)  „We are red, we are white, we are Danish dynamite“. Das haben erst gerade wieder die dänischen Elitekicker bei ihrem imponierenden Achtelfinal-Erfolg der Fußball-Europameisterschaft beim 4:0-Sieg über Wales vorigen Samstag in Amsterdam/NL unter Beweis gestellt. Beliebig übertragbar ist das allerdings nicht. Selbst in ihrem Heimatland geht die Rechnung Dritter nicht einfach auf, zieht allein dieser Nimbus nicht. Das wäre auch allzu simpel. Für uns lediglich als schmückendes Vehikel gedacht.
Kugelstoßerin Julia Ritter vom TV Wattenscheid ging bei ihrer Hetzjagd nach der Olympianorm von 18,50m der Zündstoff aus. Auf der „letzten Ausfahrt Odense“ gestern als Gast bei den Dänischen Leichtathletik-Meisterschaften musste die Westfälin dem enormen Kräfteverschleiß, auch durch die damit verbundenen Reisen, von vier Wettkämpfen innerhalb von acht Tagen Tribut zollen. Der Akku war schlichtweg so gut wie leer, reichte es nach zuvor 18,19, 18,13 garniert mit einem Sieg über Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge) und der persönlichen Bestleistung von 18,35 lediglich zu für sie inzwischen unterdurchschnittlichen 17,48 Meter.

Anspruch von Christina Schwanitz kann nicht „Dabei sein ist alles“ sein

Schade drum! Nicht zuletzt deshalb, da der DLV bei einer Normerfüllung ihrerseits in gehörige Erklärungsnot geraten wäre. Einem 35-jährigen „Auslaufmodell“ Schwanitz ohne Norm und aktuelle Form (18,11m) Eselsbrücken mit zurückliegenden Leistungen zu bauen und einer aufstrebenden 23-jährigen Nachwuchsathletin mit Zukunftsperspektive vorzuziehen, wäre sehr schwer vermittelbar gewesen. Dennoch mal als neutraler Beobachter vom Fach ganz objektiv betrachtet: Es kann nicht der Anspruch einer Ex-Weltmeisterin mit einem „Hausrekord“ von 20,77m sein, dem Olympischen Gedanken von Hinterbänklern „Dabei sein ist alles“ als Option zu ziehen.

Olympiasieger Thomas Röhler kam verbandsinternen Sandkastenspielen zuvor

Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler (LC Jena), so ist es heute im ARD-Videotext und verschiedener Online-Medien nachzulesen, kam derweil allen verbandsinternen Sandkastenspielen zuvor. Der Goldmedaillen-Gewinner von 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) sagte wegen Rückenbeschwerden den Start in Tokio ab, der mangels eines bisherigen Leistungsnachweises der hinter dem souveränen Weltbestenlisten-Ersten Johannes Vetter (LG Offenburg) schwächelnden deutschen Speerwerfer keineswegs als sicher gegolten hätte. Dass es überhaupt Erwähnung gefunden hat, ist wohl der Ehrerbietung vor einstigem Glanz geschuldet.