"Kronprinzessin" Julia Ritter schlug "Königin" Christina Schwanitz

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(Bad Liebenzell/Krefeld, 23. Juni 2021) Nun bin ich erst mal baff, da es nach meiner Erinnerung gegen heimische Konkurrenz seit Urzeiten nicht mehr vorgekommen ist, und rätsele daran, wie ich diese Meldung aufmache? Klar, ist jetzt mit dem vorherigen Satz schon geschehen. Doch das ist nicht des Pudels Kern. Der stellt sich so dar in entweder: Die 23-jährige Kugelstoßerin Julia Ritter vom TV Wattenscheid schlug Ex-Weltmeisterin Christina Schwanitz (im Bild) um zwei Zentimeter: Oder: Die bislang im eigenen Lande unangefochten thronende deutsche Kugelstoß-Königin Christina Schwanitz (im Bild) vom LV 90 Erzgebirge unterlag gegen „Kronprinzessin“ Julia Ritter um zwei Zentimeter. So geschehen am gestrigen Abend auf einer ambulanten Anlage im stilvollen Ambiente des Kurparks von Bad Liebenzell (Schwarzwald) zur beiläufigen Bespaßung der Badegäste.

David Storl ein weiterer Problemfall

Besonders spaßig wird „La Schwanitz“ es allerdings nicht gefunden haben. Dem verlieh die „Schwäbische Zeitung“ mit dem Aufmacher-Foto entsprechend Ausdruck. Es zeigt die 35-jährige Sächsin mit süßsaurer Miene und zusammen gekniffenen Lippen (siehe Link). Statt der angestrebten Olympianorm von 18,50m musste sich die Zwillingsmama aus Dresden mit 18,11m und als erste Verliererin mit dem zweiten Platz hinter der 18,13m stoßenden Wattenscheiderin bescheiden. Die freute sich naturgemäß diebisch über diesen Coup, wusste allerdings dennoch nicht so genau, ob sie weinen oder lachen sollte. Denn auf der Hetzjagd nach besagter Norm und der Tingelei durch deutsche Ringe (erst vorigen Samstag startete sie in Sonsbeck, stieß dort mit 18,19m persönliche Bestleistung) gehen ihr mit Rasanz die Gelegenheiten aus. Dritte beim Kurkonzert der etwas anderen Art wurde Alina Kenzel vom Vfl Waiblingen mit der Saisonbestleistung von 18,00 Metern (vorher 17,90).
Den Wettbewerb der Männer gewann Christian Zimmermann vom Kirchheimer SC mit 20,04m. Das wohl ursprünglich angekündigte „Sorgenkind“ David Storl sagte verletzt ab. Für den einstigen „Wunderknaben" und  zweifachen Ex-Weltmeister wird die Luft immer dünner, soll er doch noch einen Leistungsnachweis von 20,60m abliefern. Wie, wo, wann das denn? Zweifel sind angebracht.


DLV muss seine Olympia-Mannschaft am 29.Juni benennen

Schließlich muss der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mit seiner weltweiten Strahlkraft von eigenen Gnaden seine Olympioniken in Lauerstellung am nächsten Dienstag (29.Juni) zunächst mal vor dem Segen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Bundesministerium des Inneren (BMI) benennen. Schwanitz kann zwar ersatzweise die Norm aus der diesjährigen Hallensaison (19,11m) und der Freiluftsaison 2019 (19,37m) vorweisen. Aber der fünfte Platz in der aktuellen deutschen Bestenliste ist sicherlich kein adäquates olympisches Empfehlungsschreiben. Noch viel weniger der geteilte 39.Rang in der Weltbestenliste 2021. Die Hintertür für Tokio endet hier bei Platz 24. Es darf getrost konstatiert werden, dass der völlig unüberlegte Start beim Diamond-League-Meeting in Gateshead (Großbritannien) mit der sich anschließenden 14-tägigen häuslichen Quarantäne Schwanitz gehörig die Petersilie verhagelt hat und einen weiteren gezielten Formaufbau auch durch Wettkämpfe verhinderte.
Nun hat sie den Salat. Obendrein ohne Petersilie. Wer den Schaden hat, bekommt den Spott geschenkt.