Ein in Spitze wie Breite ernüchterndes Niveau beim Mehrkampf-Meeting

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(Ratingen/Krefeld, 21. Juni 2021) Da hilft kein pudern und kein schminken: Einmal abgesehen von einigen persönlichen Lichtblicken war das 24.Ratinger Mehrkampf-Meeting, das im Vorjahr wegen Corona ausfiel, alles in allem in Spitze und Breite eines der schwächsten seit der Premiere 1997. Damals gewann Frank Busemann als frischer Olympiazweiter von 1996 in Atlanta mit 8.556 Punkten den Zehnkampf und die deutsche Rekordhalterin Sabine Braun (6.985) mit dem bislang unangetasteten Meeting-Rekord von 6.787 Punkten den Siebenkampf. Das waren noch Zeiten (siehe Gesamtbilanz)! Und diesmal? Keine/r der dafür in Frage kommenden nationalen und internationalen Starter*innen erreichte die nicht nur insgeheim angestrebten Olympia-Normen von 8.350 beziehungsweise 6.420 Punkten.

Zweitschwächste Siegerleistung der Historie im Zehnkampf

Titelverteidiger Kai Kazmirek von der LG Rhein-Wied wiederholte seinen Erfolg von 2019 (8.444) mit dem zweitschwächsten Resultat der 24-jährigen Ratinger Historie von 8.184 Punkten. Nur zwei der ursprünglich 19 angetretenen Recken überboten die 8.000-Punkte-Grenze, die längst nicht mehr die Eintrittstüre zur absoluten Weltklasse darstellt. Dies war noch Matthias Brugger (8.080) vom SSV Ulm. Der zur Halbzeit führende junge Andreas Bechmann (*1999) von Eintracht Frankfurt wurde leider durch die wieder auftretenden Fußbeschwerden eingebremst, hielt jedoch tapfer und bravourös durch. Der Hesse belegte im Endklassement den dritten Platz (7.955) der lediglich zwölf „Finisher“ unter den ursprünglich 19 angetretenen „Königen der Athleten“.

Nicht „königlich“, der Auftritt von Weltmeister Niklas Kaul

Ja, es kann viele plausible Gründe geben, einen Zehnkampf nicht beenden zu können. Wer sich verletzt oder irgendwo eine Nullnummer mit drei ungültigen Versuchen abliefert, der ist entschuldigt. Was allerdings Weltmeister Niklas Kaul (im Bild) vom USC Mainz bot, war alles andere als „königlich“, hat vielmehr ein heftiges Geschmäckle. Der 23-Jährige benutzte diesen für ihn über weite Strecken enttäuschenden Wettbewerb, der sich nun mal aus zehn Einzeldisziplinen zusammensetzt und erst dann vollendet ist, als Spekulationsobjekt.
Als absehbar war, dass nicht drei deutsche Zehnkämpfer ihm die Tokio-Suppe würden versalzen können, stieg der Mainzer nach der Saisonbestleistung von 4,90m im Stabhochsprung vor seiner Paradedisziplin Speerwurf aus. Den durchaus noch möglichen Gesamtsieg schenkte er mit der Begründung ab, kein Risiko eingehen zu wollen. Wenn es danach gegangen wäre, hätte überhaupt kein/e Olympiakandidat/in antreten dürfen. Mal 30 Sekunden drüber nachdenken, Herr Kaul. Das sollte zu schaffen sein.

Siebenkämpferin Vanessa Grimm wusste zu überzeugen
     
Kazmireks weibliches Pendant Verena Mayr geborene Preiner, die 2019 am Niederrhein mit 6.591 Punkten einen österreichischen Landesrekord markierte, wurde mit 6.254 Punkten Dritte hinter der immerhin eine persönliche Bestleistung aufstellenden Kanadierin Georgia Ellenwood (6.314) und der bis vor dem abschließenden 800-m-Lauf führenden Odile Ahouanwanou (6.254) aus Benin. Knapp dahinter folgte die buchstäblich bis zum letzten Laufschritt prächtig kämpfende Vanessa Grimm (6.231) vom Königsteiner LV. Die 24-jährige Polizeikommissarin bestätigte in etwa ihr Resultat von vor drei Wochen in Götzis (6.316) und darf sich als momentan Zehnte der Weltbestenliste (bis Platz 24; Stichtag 30.Juni) berechtigte Hoffnungen machen über diesen Umweg ein Ticket für Tokio zu ergattern. Auch ein Beweis dafür, dass die Norm zu hoch gegriffen ist. Mit sechs „Gestrandeten“ war auch die Ausfallquote beim schönen Geschlecht sehr hoch. - Mit den jeweiligen Links geht es zu allen Ergebnissen der Männer und Frauen.