Beim DLV weiß mal wieder die linke Hand nicht was die rechte tut

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Stuttgart/Braunschweig/Darmstadt/Krefeld, 04. Juni 2021)
Auf der Netzseite des DLV wird berichtet, dass die erst 16-jährige Johanna Göring von Salamander Kornwestheim bei einem Kaderwettkampf in Stuttgart für die herausragende Leistung sorgte. Das Hochsprung-Talent habe seine Vorjahresbestleistung um 20 (!) Zentimeter auf 1,92 Meter gesteigert und sich damit an die Spitze der aktuellen deutschen Bestenliste gesetzt. Der Frauen, wohlgemerkt! Das ist fürwahr famos und höchst bemerkenswert. Der Beitrag schließt mit den Worten, dass der Teenager aufgrund seines jugendlichen Alters nicht bei der DM der Männer/Frauen an diesem Wochenende in Braunschweig startberechtigt sei. So verkündet es auch die hauseigene Vorschau des Verbandes.

Eigene Wettkampf-Bibel wird konterkariert

Wie bitte? Das konterkariert ganz klar die Bestimmungen der Deutschen Leichtathletik-Ordnung (DLO) dieser Dachorganisation, bei der oft die linke Hand nicht weiß was die rechte tut. Helfen wir ein bisschen nach: Da steht unter Punkt 5.2.1:
Sämtliche Meisterschaften sind grundsätzlich offen für alle Athleten, die die deutsche Staatsbürgerschaft und ein gültiges Startrecht für einen deutschen Verein/LG haben. Und weiter unter 8.5: Jugendliche dürfen grundsätzlich in allen höheren Altersklassen an einem Wettbewerb in einer Disziplin teilnehmen, wenn die eigene Altersklasse die betreffende Disziplin mit gleichen Rahmenbedingungen (Gewicht bzw. Streckenlänge) als zulässig aufweist.
Soweit die Wettkampf-Fibel und –Bibel des hohen Hauses in Darmstadt.

16-jährige Ulrike Meyfarth wurde just mit 1,92m Olympiasiegerin

Doch was nützt das alles, wenn die eigenen, in Stein gemeißelten Regeln mit einem Nebensatz in der DM-Ausschreibung „
Jugendliche U16 und U18 sind nicht startberechtigt" das unterlaufen. Schließlich geht es beim Sport nicht um das Alter eines Athleten, sondern einzig und allein um das Leistungsvermögen. Die jüngste Olympiateilnehmerin Cecilia Colledge aus Großbritannien war bei den Olympischen Winterspielen 1932 in Lake Placid (USA) elf Jahre und 73 Tage jung, belegte im Eiskunstlauf den achten Platz. Doch bleiben wir im seit 1990 wieder größer gewordenen Lande, allerdings bei derselben Disziplin. Jan Hoffmann aus der damaligen DDR ist der Zweitplatzierte in dieser Liste, war bei Olympia 1968 in Grenoble (Frankreich) zwölf Jahre und 113 Tage. Und da haben war auch noch als Blaupause den Hochsprung. Ulrike Meyfarth aus Frankfurt nahm 1971 im Alter von 15 Jahren an den Deutschen Meisterschaften der „Großen“ teil und belegte dort Rang zwei. Und ein Jahr später mit ebenfalls süßen Sechzehn wurde sie bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München mit, ja, 1,92 Meter und seinerzeitiger Weltrekordhöhe Goldmedaillengewinnerin.

Eine verblüffende Logik ganz nach Art des hohen Hauses

Wären wir wieder bei Johanna Göring, der klassenübergreifend Ranglisten-Ersten anno 2021. Um einmal die stark verengte heutige Sichtweise der (Unsinn-)Macher des DLV richtig zu bewerten, kann „frau“ zwar mit 16 Jahren Olympiasiegerin werden, aber nicht an einer DM teilnehmen. Versteht das jemand?
Und die nennen ihre Titelkämpfe „Leuchtturm-Projekte“ mit angeblicher weltweiter Strahlkraft. Aber sie knipsen sich selber das Licht aus. Eine verblüffende Logik.