Ex-Hammerwurf-Weltrekordler Karl-Hans Riehm schreibt die siebte Null

(Konz/Krefeld, 31. Mai 2021) Ein nicht nur mit 1,88 Meter und seinerzeit austrainierten 110 Kilogramm körperlich Großer seiner Zunft schreibt heute die siebte Null: Ex-Hammerwerfer Karl-Hans Riehm (*31.Mai 1951 in Konz bei Trier) vollendet sein 70.Lebensjahr. Den werden nachgewachsene Generationen nicht mehr auf dem Bio-Computer zwischen den Ohren haben. Aber auch dafür gibt es ja LAMPIS mit einem Zeitzeugen an der Tastatur, der in seiner Dreifachfunktion als kugelstoßender Sportjournalist und Mannschaftskapitän des damaligen Leichtathletik-Bundesligisten FC Bayer 05 Uerdingen (später LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) so manche Recken von einst, insbesondere bei Stoß und Wurf, quasi hautnah erleben durfte. Zuletzt das fortgeschrittene Geburtstagskind vor bald 35 Jahren bei den Internationalen Österreichischen Masters-Meisterschaften am 28.Juni 1986 in Dornbirn ganz in der Nähe vom Mehrkampf-Mekka Götzis in Vorarlberg.

Ein feiner Kerl und prima Kumpel aus der großen Werfer-Familie

Dort ist KHR, verbunden mit einem verlängerten Wochenende, aus Spaß an der Freud, aber durchaus ambitioniert, noch mal in der M35 in den Ring gegangen. An das Ergebnis kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber sehr wohl an den feucht-fröhlichen Abend beim Bankett aller Aktiven, Organisatoren, Kampfrichter und Helfer. Ja, so etwas gab es damals. Da haben mein ebenfalls hammerwerfender Klubkamerad Hans-Jürgen „Bongo“ Bongartz (*1944) und ich, säd de Jeck, gemeinsam mit Riehm an der Ecke eines Tisches gesessen und stundenlang gefachsimpelt und in Erinnerungen geschwelgt, dass sich sinnbildlich die Balken der Holzdecken des alt-ehrwürdigen Wirtshaussaales bogen. Trotz seiner mannigfachen Erfolge eben ein stets auf dem Boden gebliebener feiner Kerl und prima Kumpel aus der großen Werfer-Familie. All' jenen, die dazu gehören, muss das nicht großartig erklärt werden.

Sechs auf einen Streich: Eine Weltrekord-Serie für die Ewigkeit  

Aber nun zum historischen, epochalen Ereignis, bei dem der damals noch so gerade 23-Jährige im Mittelpunkt des Geschehens gestanden hat. Beim Rehlinger Pfingstsportfest am 19.Mai 1975 sorgte er Disziplin-übergreifend für ein noch nie vor- und nachher dagewesenes Weltrekord-Festival. Riehm übertraf in allen sechs Versuchen
die bis dahin gültige globale Höchstmarke (76,66m) von Alexei Spiridonow aus der Sowjetunion um letztlich satte 1,84m.
Schlussendlich schraubte der aus der bekannten Hammerwurf-Schule von Ernst Klement hervorgegangene Konzer im Trikot vom TV Germania Trier (ab 1978 TV Wattenscheid) den neuen Bestwert auf 78,50m. Gleichermaßen mit Weltrekord überbot er bei einer Veranstaltung 1978 in Heidenheim an der Brenz mit 80,32m als zweiter Hammerwerfer kurz nach dem Sowjetrussen Boris Saitschuk (80,14m) die immer noch (oder wieder) magische 80-Meter-Marke um 32 Zentimeter.
Und fast zu guter Letzt dies: Riehm sollte auch nach seiner glanzvollen Karriere als zehnfacher Deutscher Meister, Europa- und Weltcup-Sieger, Olympia-Zweiter von 1984 und Träger des Rudolf-Harbig-Gedächtnispreises 1982 dem Hammer in etwas anderer Form treu bleiben. Denn er übernahm 1990 die elterliche Schreinerei in seinem Geburts- und Heimatort Konz.
Bleibt noch ein „Herzlicher Glückwunsch“ zum Jubeltag, lieber Karl-Hans!