Was nun, IOC: Seit der Aufschiebung hat sich am Zustand nichts gebessert

Kolumne

Moment Mal

(Tokio/Lausanne/Krefeld, 27. Mai 2021)
Versprochen ist versprochen, dass wir nicht locker lassen, die auf Gedeih und Verderb durchführen zu wollenden Olympischen (Nachhol-)Spiele in Tokio (23.Juli bis 08.August 2021) in Frage zu stellen. Zunächst mal ketzerisch mit realem Hintergrund gefragt: Was hat sich in der japanischen 38-Millionen-Metropole im Inselstaat Japan seit der vorjährigen Absage wegen der Corona-Gemengelage großartig geändert, dass sie nunmehr ausgerichtet werden könn(t)en? Nichts oder richtiger: Fast nichts! Die Zahl der Neuinfektionen der Bevölkerung steigen seit 15.Februar 2021 stetig bis drastisch an, es schwappt demzufolge konträr zum Großteil auf diesem Globus eine vierte Welle, und es ist zum wiederholten Male (auch aktuell noch) der Notstand oder Ausnahmezustand ausgerufen worden.
Was sich seit der Verschiebung auf 2021 zwangläufig geändert hat, ist die Gesamtzahl an Infizierten, Genesenen und Toten. Schenken wir uns den blanken Horror. Ja, geimpft wird auch mittlerweile. Aber das ist bei dem „rasanten Tempo“ mit derzeit 2,3 Prozent der 126 Millionen Menschen im „Land der aufgehenden Sonne“ getrost zu vernachlässigen. Wer da noch weiterhin „Blinde Kuh“ spielt, der handelt grob fährlässig bis vorsätzlich. Manche würden es kriminell nennen.

Riesiger Organisationsstab ist der neuralgische Punkt

Die teilnehmenden Sportler*innen mögen im Olympischen Dorf in dieser so genannten Blase gehalten werden (die indes auch nicht sicher ist, wie viele andere weitaus kleinere Großereignisse seither bewiesen haben). Aber sie sind schließlich nicht kaserniert, müssen außerhalb zu den Wettkampfstätten hin- und hergefahren werden. Und da der weithin größere Organisationsstab eben nicht in dieser „Bubble“ lebt, geht es um deren Schutz und der Verhinderung, dass sie nicht zu leibhaftigen Wanderpokalen mit Ansteckungspotenzial in ihrem Umfeld werden. Kurzum: Ein Ding der Unmöglichkeit! Punkt respektive Ausrufezeichen.

Medizinisches Personal in Tokio ist ebenfalls für eine Absage

Da wiederholen wir uns gerne: Bereits seit geraumer Zeit spricht sich eine deutliche Mehrheit von über 80 Prozent der Japaner gegen die Spiele aus. Und inzwischen plädieren nach einer Meldung der Deutschen Presse Agentur (dpa) auch die Krankenpfleger/innen sowie etwa 6.000 Ärztinnen und Ärzte in Tokio dafür, das Sportspektakel kurzfristig und endgültig für dieses Jahr von der Agenda zu streichen. Die Krankenhäuser hätten keine Kapazitäten mehr. „Wir halten es für die richtige Wahl, ein Ereignis abzusagen, das die Anzahl der Infektionen und Todesfälle erhöhen könnte“, heißt es in einem Schreiben des Ärzteverbandes an den deutschen Präsidenten Thomas Bach vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) mit Sitz in Lausanne/CH. Der Mann sollte mit seinen 67 Jahren (noch) nicht zu den oftmals senilen, greisen Gralshütern unter den 140 IOC-Mitgliedern aus aller Welt gehören. Obendrein ist Bach Jurist mit eigener Anwaltskanzlei in Tauberbischofsheim. Begriffe wie Schadenersatzforderung und Regressanspruch müssten ihm nicht erst erklärt werden. Und die könnte es nur so hageln. Dann ginge es mit Bach buchstäblich den Bach runter.

Sponsoren, deutsche Bundesregierung und DOSB tragen Mitverantwortung

Aber ehe wir kleines Lichtlein namens LAMPIS uns zum modernen Robin Hood als selbst ernannter Interessenvertreter etwaiger Witwen, Witwer und Waisen aufschwingen, geben wir dies zum „Besten“: Die japanische Zeitung „Asahi Shimbun", ein offizieller Olympia-Partner, hat zur Absage der Sommerspiele aufgerufen. In seinem gestrigen Leitartikel bezeichnete das Blatt die Großveranstaltung inmitten der Coronavirus-Pandemie als „Bedrohung für die Gesundheit". Das Risiko sei nicht zu akzeptieren, die IOC-Führung verhalte sich „selbstgerecht" und missachte den Willen der Bevölkerung.
Und wie ist es um die Haltung der Großsponsoren wie Coca Cola & Co., der bundesdeutschen Regierung und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit dem arg ins Gerede gekommenen Präsidenten Alfons Hörmann bestellt? Sie alle tragen Mitverantwortung und könnten zu Mittätern werden. Denn von diesem total auf Kommerz gebürsteten „Ignoranten“ Olympischen Komitee ist wohl eher keine Ein-, Vor- und Rücksicht zu erwarten.
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