Diamond League: Entscheidungen in Technik-Disziplinen als Lotteriespiel

(Gateshead/Rehlingen/Haßloch/Krefeld, 24. Mai 2021) Hoch lebe der ganz normale Schwachsinn und die potenzierte Einfältigkeit! Beim hochklassigen Wettbewerb der Diamond League gestern Abend in Gateshead (Großbritannien) wurde wider aller Vernunft, Kritik und Widerstände die in einem „Pilotprojekt“ im Vorjahr in Stockholm im Weitsprung der Männer ausprobierte neue Regel der World Athletics (WA) „Best of three“ in den technischen Disziplinen angewendet (siehe Glosse). Danach haben nur noch die besten Drei der acht Finalisten nach fünf Durchgängen einen sechsten Versuch, der, unabhängig von der Bestweite bis dahin, über Sieg und Platzierung entscheidet. Wer irgendwann vorher Weltrekord gesprungen ist und die ultimative Tagesbestweite erzielt hat, könnte am Ende auch nur Dritter werden und mithin weniger Preisgeld kassieren. Siehe oben! Hinzu kommen  in den horizontalen Sprungdisziplinen beinahe zwangsläufig unterschiedliche Windverhältnisse. So war es zum Beispiel im Weitsprung der Männer mit 2,8 zu 1,4m/sec. Rückenwind beim Erst- und Zweitplatzierten (siehe Ergebnisliste).

Christina Schwanitz stieß ernüchternde 17,86 Meter

Mit alldem hatte Kugelstoßerin Christina Schwanitz (*1985) vom LV 90 Erzgebirge nichts zu tun. Die routinierte und erfolgsverwöhnte 35-jährige Zwillingsmutter hat sich ihren verschobenen Einstand (den Start bei den Halleschen Werfertagen sagte sie kurzfristig ab) in die etwaige olympische Saison garantiert anders vorgestellt. Die Dresdnerin markierte mit für sie sehr ernüchternden 17,86m als Achte das Schlusslicht (siehe Resultat). Mit dieser Weite belegt die bisherige nationale Alleinherrscherin gerade mal den vierten Rang in der Jahresbestenliste, exakt einen Meter hinter der bis dato schon zweimal stark auftrumpfenden Sara Gambetta (18,86m) vom SV Halle. Das wird „La Schwanitz“ wurmen und zusätzlich anstacheln. Abgerechnet wird dann bei der DM der Männer/Frauen am übernächsten Wochenende in Braunschweig. Die zunächst für Gateshead avisierte und auch vom Sky-Reporter angekündigte Sprinterin Tatjana Pinto war buchstäblich nicht am Start.
Zurück zum Kugelstoßen der Frauen: Da hatten die drei Erstplatzierten beim letzten Durchgang ziemlich zittrige Hände und was sonst noch. Da hätte es durchaus einen sehr kuriosen Verlauf nehmen können. Den gab's aber leider nicht zur Dokumentation dieser Missgeburt einer zum Himmel schreienden Regeländerung.

Speerwerferin Christin Hussong erzielte Saison- und Stadionrekord

Beim 56. Internationalen Rehlinger Pfingstsportfest gestern im Bungertstadion sorgte Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken für die herausragende nationale Leistung auf Weltklasse-Niveau. Die 27-jährige Blondine verbesserte mit 66,96m im fünften Versuch ihre Saisonbestleistung (66,44m) marginal um 52 Zentimeter, dafür aber den Stadionrekord keiner Geringeren als der nicht mehr aktiven Christina Obergföll um über zwei Meter. Stark trumpfte auch der bislang schwächelnde Drehstoßer Bob Bertemes (PBL 22,22m aus 2019) aus Luxemburg auf. Der
in Mannheim von Khalid Alqawati trainierte Bartträger katapultierte sich mit seinen 21,71m (noch 21,46m) aus dem Niemandsland auf die sechste Position der Weltrangliste 2021.
Kein Genuss ohne Reue war hingegen die gestrige Live-Übertragung im SR-Fernsehen. Der Mann am Mikrofon (Name nicht bekannt) erwies sich als häufig verhaspelnder Dampfplauderer. Glücklicherweise sorgte die mitkommentierende Fachfrau und einstige Weitspringerin Bianca Kappler (ehedem LC Rehlingen) als ausgleichendes Element. Hier geht’s zur Ergebnisliste.

Tristan Schwandke steigerte sich mit dem Hammer auf 76,71 Meter

Eine frühere Disziplin-Domäne im kleinen Saarländle wurde gewissermaßen nach Haßloch in Rheinland-Pfalz transplantiert. Dort ging ab gestern Vormittag ein so genannter Normwettkampf für die bundesdeutsche Elite im Hammerwurf über die sportliche Bühne. Dabei überraschte Tristan Schwandke (*1992) vom TV Hindelang mit der beachtlichen Steigerung auf 76,71m und näherte sich der propperen Olympianorm von 77,50 m bis auf nicht mehr allzu ferne 79 Zentimeter. Allerdings kann das bei schon gesteigertem Leistungsvermögen eine ganze Menge sein. Keine Frage, dass es dem Oberallgäuer zu gönnen wäre. Mit-Organisator und Wurf-Allrounder Stefan Münch wusste anzumerken,  dass es sich seit 2013 um die beste Weite eines deutschen Hammerwerfers in der Männer-Klasse handelte. Die aus Mutterstadt stammende talentierte 20-jährige Samantha Borutta vom TSV Bayer 04 Leverkusen bewegte sich mit ihren 68,95m auf konstant hohem Niveau. Die Norm für die U23-EM hatte sie indes mit den 69,03m als Siegerin des B-Finales beim Werfer-Europacup 2021 in Split (Kroatien) schon vorher in der Sporttasche. Die Eintrittskarte von 72,50m für die Olympischen (Nachhol-)Spiele in Tokio scheint allerdings zu weit entfernt, ist womöglich bei behutsamem Aufbau auch nicht ihr und das erklärte Ziel von Heim- wie Bundestrainer Helge Zöllkau. Mehr in der Ergebnisliste.
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