Recht auf freie Ausübung des Sports wird der Ü30 massiv beschnitten

(Darmstadt/Bönnigheim/Krefeld, 20. Mai 2021) Wo ein Wille, da ist ein Weg. Damit wird treffend eine Charaktereigenschaft skizziert, mit der sich angeblich sogar Berge versetzen lassen würden. Das ist naturgemäß eine gewaltige Überzeichnung, soll lediglich symbolisieren etwas „Unmögliches“ geschafft zu haben. Wunder dauern allerdings bekanntlich erheblich länger. In diese Rubrik fällt durch die mit Scheuklappen versehene Brille des Dachverbandes DLV in Darmstadt zumindest die Ü30-Generation.
Gewiss, sie ist nicht der Nabel der Leichtathletik. Dennoch beileibe kein Grund, dass bei ihr auch im Jahr zwei von Corona überwiegend „tote Sporthose“ herrscht, das Recht auf freie sportliche Betätigung eines Individuums (sowohl eines Amateur- als auch Leistungssportlers) gemäß Artikel 2, Absatz 1 des Grundgesetzes (GG) zur allgemeinen Handlungsfreiheit des Menschen weitgehend abgesprochen und sinnbildlich mit Füßen getreten wird.

Auch unter den Senioren*innen befinden sich viele Spitzensportler

Den so genannten Spitzen- und Berufssportlern (erstaunlich, wer sich da unter diesem Etikett so alles tummelt) wird hingegen in elitären Veranstaltungen der
Laufsteg" bis hin zu einem vollständigen Programm nationaler Meisterschaften bereitet. Wären wir bei Artikel 3, Absatz 1 GG, der mit der Aussage „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ dasselbe Recht für alle umschreibt. Nix von alledem für die ewigen Talente für die nächsthöhere Altersklasse. Dass sich unter ihnen altersgemäß auch zahlreiche Spitzensportler befinden, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen. Nennen wir bespielhaft die vielseitige Tatjana Schilling (W50), den immer noch zur erweiterten nationale Elite der Männer gehörenden Kugelstoßer Andy Dittmar (M45), Wurf-Allrounder Norbert Demmel (M55) und Stabhochsprung-Überflieger (M65) Wolfgang Ritte, der in Summe 47 (!) Altersklassen-Weltrekorde aufgestellt hat. Wie erwähnt: Beispiele. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Alle nicht Genannten werden hiermit um Nachsicht gebeten.

Wolfgang Ritte unisono in beiden Kategorien vertreten

Und Berufssportler gibt es ebenfalls unter ihnen. Die Generationen M/W60+ werden aufgrund von Renten, Pensionen für Beamte und weiterer Versorgungsbezüge von der Deutschen Rentenversicherung Bund, Pensionskassen sowie verschiedener Versorgungswerke der Ärzte, Anwälte, Architekten, Künstler und was nicht sonst noch alles gesponsert. Wolfgang Ritte ist als ehemaliger Bediensteter des Landes Nordrhein-Westfalen und heutiger Pensionär gar in beiden Kategorien vertreten; nämlich Spitzen- und Berufssportler. Ja, klar, ein kleiner Kunstgriff. Denn jene werden nicht ursächlich wegen der leidenschaftlichen Ausübung ihres Freizeitvergnügens mit finanziellen Mitteln alimentiert.  

Mit gutem Willen geht's doch: Eine breitgefächerte Veranstaltung für Amateure

Aber zurück zum „Good will“, wie es der der DLV alias die „German Athletics Association“ (GAA) ausdrücken würde. Eben ein Herz und Einsehen mit den unendlich vielen Athleten*innen der zweiten und dritten Reihe. Im beschaulichen Bönnigheim im Landkreis Ludwigsburg in Baden Württemberg hat eine „opulente“ Veranstaltung von M/W15 aufwärts unter dem Arbeitstitel „Sportfest an Himmelfahrt“ stattgefunden. Das „aufwärts“ endete freilich bei Männern/Frauen, eine Seniorenwertung gab es leider nicht.

Kugelstoßer Eric Maihöfer in zwei Vereinen geführt

Bei der oberflächlichen Draufsicht auf die Ergebnisliste habe ich indes auch ein paar vermeintliche Spitzen- und Berufssportler entdeckt. Zusätzlich ist mir meiner früheren Disziplin entsprechend aufgestoßen, dass beim Kugelstoßen der Männer der mit 18,11m zweitpatzierte Eric Maihöfer unter VfL Sindelfingen geführt ist, bei seiner märchenhaft anmutenden Steigerung bei den Halleschen Werfertagen auf 19,75m indes unter LG Staufen firmiert (wir berichteten).
Wat nu? Nur eines davon kann stimmen! Die Kreis-Statistiker hier wie dort werden rotieren, so ihnen diese Doublette überhaupt sauer aufstößt?