Widerstand gegen Olympische Spiele wächst in Japan vehement

Kolumne

Moment mal

(Tokio/Krefeld, 16. Mai 2021)
Während sich weltweit die Athleten*innen unverdrossen, aber sicherlich nicht unbelastet und unbeschwert für die Olympischen (Nachhol-)Spiele vom 23.Juli bis 08.August 2021 in Tokio zu qualifizieren und vorzubereiten suchen (etwa 400 in Deutschland), wächst in Japan der Widerstand gegen eine Ausrichtung. Die Rufe nach einer neuerlichen Verschiebung und gar einer Absage werden immer eindringlicher. Mit einer entsprechenden Petition sprachen sich in kurzer Zeit 350.000 Japaner für einen Verzicht aus. Darüber hinaus zeigen auch repräsentative Umfragen, dass die weit überwiegende  Mehrheit des 126 Millionen Einwohner starken Inselstaates, davon allein 38 Millionen in Tokio, gegen Olympia in lediglich etwas über zwei Monaten „eingedenk der gegenwärtigen Umstände“ votiert.

Gigantischer Organisationsstab außerhalb der Blase ein riesiger Risikofaktor

Denn Tatsache ist, dass wegen der extrem hohen Infektionszahlen der Coronavirus-Pandemie der Notstand in der japanischen Metropole und sechs angrenzenden Regionen verlängert werden musste und sich die Situation aufgrund des zähflüssigen Impftempos auf Sicht nicht in den Griff bekommen ließe. Der Schutz der Menschen vor dem Virus müsse oberste Priorität haben und nicht die Ausrichtung der Olympischen Spiele, argumentierte der japanische Anwalt und Politiker Kenji Utsunomiya. Nachvollziehbar! Jedenfalls für Lieschen Müller und Hans Mustermann.
Hingegen unverständlich, dass derweil Japans Regierung, die Olympiamacher aus dem Land der aufgehenden Sonne (die momentan eher Finsternis verheißt) und das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach unbeirrt an einer Austragung festhalten. Die Sportler mag man noch einigermaßen in dieser so genannten Blase schützen sowie mit Tests rauf und runter weitere „Hotspots“ verhindern können. Aber was ist mit dem gigantischen Tross rund um die Organisation, der sich außerhalb bewegt, als leibhaftiger Virus-Wanderpokal fungiert und in die Blase sticht?

Hoch lebe der Kommerz mit „Panem et circenses“
 
Ganz davon abgesehen, dass es unter diesen Voraussetzungen der notwendigen Aussperrung von Zuschauern aus aller Herren Länder das große Völkerfest des Sports nie und nimmer werden kann. Und wie leblos und blutleer die vermeintlich herrlichste Nebensache der Welt ohne Publikum ist, haben die Geisterspiele in allen möglichen Sportarten, vorneweg bei „König“ Fußball, hinlänglich unter Beweis gestellt. Kommerz auf Teufel komm‘ raus und dem alten römischen Motto „Panem et circenses“ (Brot und Zirkusspiele) um den Preis von auch „nur“ einem Menschenleben darf es nicht geben. Basta!
Es sei denn, einige verblendete Wirrköpfe wollen es mit aller Gewalt und Macht darauf anlegen, als Totengräber in die Olympische Historie einzugehen. Allerdings ein schier unvorstellbarer Gedanke. Drum merke: Der Pfad zwischen
Hosianna und kreuzigt sie" ist verflucht schmal.
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