DLV-Präsidium berief den dreiköpfigen hauptamtlichen Vorstand

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Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Darmstadt/Krefeld, 24. April 2021)
Donnerschlag! Bereits fünf Tage nach dem mit der Schaltzentrale in einem Darmstädter Hotel abgehaltenen digitalen Verbandstag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ließ die Fach- und Dachorganisation auf ihrer Netzseite die Katzen, genauer: Kater, aus dem Sack. Danach hat das neue Präsidium den geschäftsführenden dreiköpfigen hauptamtlichen Vorstand berufen und mit ihm Anstellungsverträge geschlossen. Die bis maximal mögliche Dauer von sechs Jahren wurde in üblicher Geheimniskrämerei nicht benannt. Und wie Lampis-Gastautor Dieter Krumm in unserer Vorschau goldrichtig gemutmaßt hatte, wurde der bereits auf der Gehaltsliste stehende bisherige Generaldirektor Cheick-Idriss Gonschinska (*16.12.1968) zum Vorsitzenden bestellt. Dem 52-jährigen Leipziger mit belasteter Doping-Vergangenheit als Hürdensprinter der einstigen DDR (siehe Wikipedia und Interpool), der in der Außendarstellung seinen ersten Vornamen (bedeutet: Ältester, Greis) inzwischen abgelegt hat, stehen Norbert Brenner und Ralf Buckwitz zur Seite.

Inzest: Das Spiel für die ganze Familie

Dieses Terzett hat eine Herkulesaufgabe vor sich, soll dem bislang eher bürokratisch und amateurhaft geführten Verband mit seinen laut DLV-Präsident Jürgen Kessing über 50 hauptamtlichen Kräften (können 51, aber auch 59 sein) in der Geschäftsstelle Darmstadt professionellere Strukturen verleihen. Ob deren Fähigkeiten und Dienstzeit dazu ausreichen? Denn schlussendlich wird weiterhin im eigenen Saft geköchelt, garniert mit dem hauseigenen Präsidium als Aufsichtsrat. Also Inzest: Das Spiel für die ganze Familie. Klüger wäre es zweifelsfrei gewesen, sich beim Vorstand fähige externe Leute mit nachgewiesenen Manager-Qualitäten an Bord zu holen, die mal gründlich klar Schiff machen. Der administrative Wasserkopf, der allerdings vom Fundament an auch auf den Prüfstand gehört, ist bereits personell mehr als abgedeckt, und für den sportlichen Sektor stehen die gewaltige Anzahl von 68 Bundestrainern sowie elf Stützpunktrainern zur Verfügung. Ein großes Orchester, das da im Takt zu dirigieren ist.

Bundesausschuss Senioren und „Vize“ Matthias Reick wegrationalisiert

Die rund 390.000 Senioren-Sportler/innen (fast die Hälfte der gesamten Mitgliedschaft) kommen übrigens in der Wahrnehmung und Betreuung an keiner Stelle mehr vor. Der Bundesausschuss Senioren wurde schon zum Jahresende 2020 vor Verabschiedung der neuen Satzung abgeschafft. Und der für die Ü35-Generation nominell zuständige bisherige ehrenamtliche Vizepräsident Allgemeine Leichtathletik, Matthias Reick (im Bild) aus Achim bei Bremen, der sie allerdings mehr schlecht als recht vertreten hatte, wurde ebenfalls wegrationalisiert.
Den ständigen Talenten für die nächsthöher Altersklasse steht eine noch düstere Zukunft bevor, als es die trübe Vergangenheit schon gewesen ist. Quo vadis = wohin gehst du, deutsche Senioren-Leichtathletik? Österreicher zu werden wäre keine schlechte Idee!