"Königsmörder" sägen am eh wackligen Stuhl von DLV-Präsident Kessing

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Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Sindelfingen/Krefeld, Gründonnerstag,  01. April 2021)
Drücken wir eingedenk der vielen Unzulänglichkeiten und Ungereimtheiten bei der sich für innovativ haltenden Dachorganisation ein bisserl übertrieben auf die Tube: Große Dinge werfen ihre Schatten voraus! Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hält am 17.April 2021 in Sindelfingen (Glaspalast?) seinen Außerordentlichen Verbandstag ab. Ob in Präsenz oder digital, hat er bislang nicht kundgetan zu wissen. Sei’s drum: Doch das Spannende daran sind drei Eckpunkte auf der Agenda: Die Verabschiedung der bereits ausgearbeiteten Strukturreform und in weiten Teilen reformierten Satzung sowie Neuwahlen des Präsidiums. Und in letztgenannter Hinsicht wird seit geraumer Zeit hinter den Kulissen eifrig gewerkelt, sägen sinnbildlich einige „Königsmörder“ am eh äußerst wackeligen Stuhl des nominellen, leider wieder kandidierenden Präsidenten Jürgen Kessing (*28.03.1957) aus Bietigheim-Bissingen.

Ein von Beginn an umstrittener Steuermann

Der seinerzeit kurz zuvor durch eine Alkoholfahrt mit etwas über 1,1 Promille (Straftatbestand!) aufgefallene, von Beginn an im November 2017 umstrittene „Steuermann“ hat in den knapp 3,5 Jahren seine Unfähigkeit auf allen denkbaren Gebieten gründlich nachgewiesen. Während seiner ersten und hoffentlich letzten Amtszeit ging es mit der einstigen deutschen Leichtathletik-Herrlichkeit stetig bergab. Der (vorläufig) absolute Tiefpunkt waren jüngst die Corona-verseuchten Hallen-Europameisterschaften der Männer/Frauen im polnischen Torun mit dem 16.Rang einer großen Mannschaft mit 48 Aktiven im ansonsten liebend gerne polierten Medaillenspiegel. Gerade mal so eben vor dem „Giganten“ Aserbaidschan. Als Oberbürgermeister jener Kleinstadt in Baden-Württemberg ist Kessing allein schon von Berufswegen ein Verwalter, kein Gestalter mit unabdingbar erforderlichen unternehmerischen Fähigkeiten in solch hochrangigem Ehrenamt eines Fachverbandes mit fast 800.000 Mitgliedern. Als Minimalprofil verlangt es zumindest eines gekonnten Delegierfingers mit zielbringenden Maßnahmen und Entscheidungen.

Sein zweiter Wohnsitz ist das Fettnäpfchen

Obendrein taugt der blasse, uncharsismatische 64-Jährige nicht einmal zur repräsentativen Galionsfigur als Gruß-August und Frühstücksdirektor. Mit seiner tollpatschigen rhetorischen Art tritt er zielsicher in jedes Fettnäpfchen, das sich ihm in den Weg stellt, machte es gewissermaßen zu seinem zweiten Wohnsitz. Eine kleine Auslese seiner glücklicherweise eher seltenen, dafür jedoch höchst seltsamen Verlautbarungen im sinngemäß verkürzten Kontext: „Das bisschen DLV mache ich für die 100 Euro monatliche Aufwandsentschädigung noch nebenbei.“ – „Ich fand es bei der WM in Doha gar nicht so heiß.“ – Beim DLV bin ich Vorgesetzter von über 50 hauptamtlichen Kräften.“ Dies sind freilich nur jene in der Geschäftsstelle in Darmstadt, in deren bevorzugten anglizistischen Sprachgebrauch „Bowel City“ genannt.

Aufwand steht in krassem Missverhältnis zum sportlichen Erfolg

Danke für das Stichwort! Denn darauf sind neben den vielen Direktoren, deren Stellvertretern, Referatsleitern, Projektmanagern (früher hieß das schlicht Sachbearbeiter; die leitende Putzfrau ist vermutlich Projektmanagerin Cleaning = Reinigung) noch einmal 68 Bundestrainer und elf Stützpunkttrainer zu satteln. Veranschlagen wir das eher bescheiden angesetzt im Durchschnitt mit 5.000 Euro Bruttogehalt im Monat, so saldiert sich das in Summe ohne weitere Nebengeräusche wie Reisekosten et cetera auf 650.000 Euro und per anno, Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht mitgerechnet, 7,8 Millionen plus Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung und Berufsgenossenschaft. Es bedarf keines Professors der Mathematik zu der Schlussfolgerung, dass hier der immense finanzielle Aufwand in einem krassen Missverhältnis zum sportlichen Ertrag steht (siehe oben)  

Der Fisch stinkt zuerst vom Kopf

Bekanntlich stinkt der Fisch zuerst vom Kopf. Und dem geht es den gesetzmäßigen Gepflogenheiten zufolge irgendwann an den Kragen. Das soll dem Vernehmen nach justament in Sindelfingen, einer Kreisstadt mit dem unternehmerischen Symbolcharakter und Sternenglanz von Daimler Benz, das erklärte Vorhaben jener „Königsmörder“ sein. Dessen bedarf es zwangsläufig eines geeigneten Gegenspielers. Der wurde nach unseren gemeinhin verlässlichen Informationen in DLV-Seniorensprecher Heiko Wendorf (im Bild) aus Neustädt gefunden. Der selbständige 50-jährige Wirtschaftsjurist bringt auf vielerlei Gebieten das – Achtung: DLV-Deutsch – „Know how“ (Wissen) mit, ist ein Macher, Anpacker, Visionär. Er machte sich im Vorjahr weit über seine thüringischen Landesgrenzen hinaus einen klangvollen Namen mit der ersten bundesweiten Leichtathletik-Veranstaltung, dem 4.Neustädter Kugel-Cup mit der versammelten deutschen Spitzenklasse, nach dem „Lock down“ (wir berichteten mehrfach in Vorschauen und Reportage). Seither ist der Ehemann und spätberufene Vater des vierjährigen Sohnes Paul ein oft gefragter Gesprächs- und Interviewpartner weit über den Senioren-Bereich hinaus.
Jetzt muss er demnächst „lediglich“ noch gewählt werden. Daumendrücken ist nicht nur erlaubt, sondern im Interesse der Sache ausdrücklich erwünscht.