Hallen-EM: Allzuviel deutsche Spreu vom Weizen getrennt worden

  • Drucken

(Torun/Krefeld, 05. März 2021) Stellt euch mal lebhaft vor, es ist Leichtathletik und keiner geht hin. Unvorstellbar? Mitnichten! Klar, Zuschauer vor Ort sind in Zeiten wie diesen im Jahr zwei der Corona-Seuchenlage noch nicht wieder möglich. Doch selbst die öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehanstalten (ARD und ZDF) und EUROSPORT als der Leichtathletik-Sender Nr.1 von eigenen Gnaden zeigen der einstigen olympischen Kernsportart die kalte (Wintersport-)Schulter.
Nun gut, zum gestrigen Auftakt der Hallen-Europameisterschaften der Männer/Frauen im polnischen Torun wurde in diversen Vorentscheidungen lediglich die Spreu vom Weizen getrennt. Aber auch ab heute bis Sonntag haben die Nordische Ski-WM in Oberstdorf, der Biathlon-Weltcup in Nove Mesto (Tschechien) und was nicht sonst noch alles (sogar ein unbeutendes Radrennen bei Eurosport) von früh bis spät den lieben Tag lang bei Live-Übertragungen Vorfahrt. Das spiegelt sehr treffend den nicht mehr vorhandenen Stellenwert, erst recht einer EM unter dem Hallendach, der Leichtathletik wider. Da können sie sich noch so sehr mit irgendwelchen zweitklassigen, dazu englischsprachigen „Livestreams“ abstrampeln. Das ist 1.) kein vollwertiger Ersatz und kann 2.) nicht jede/r mit erforderlicher Internet-Voraussetzung sehen.

Kollektives Scheitern des DLV-Trios über 1.500m der Männer

Andererseits: Wer weiß, wozu es gut ist/war? Denn unter den mit letztlich 48 Aktiven (nominiert waren ursprünglich 50) aufgeplusterten Kader des entsendenden DLV waren/sind erwartungsgemäß allzu viele EM-Touristen, gab es in den schwarz-rot-goldenen Farben gestern reichlich Ausschuss, um beim obigen Getreide-Vergleich zu bleiben. Das Trio über 1.500m  der Männer scheiterte mit erbärmlichen Vorstellungen, aber stets „guten“ Ausreden gleich im Kollektiv. Beim Hochsprung löste der mit 2,28m deutsche Überraschungsmeister Jonas Wagner aus Dresden mit übersprungenen 2,16m in der Qualifikation frühzeitig das Ticket für die nicht sonderlich weite Heimreise nach Sachsen. Er habe gelernt, sich selber überraschen zu können (siehe Link). Das war dann wohl eher eine von der unliebsamen Art.  

Auf die Kugelstoßerinnen war Verlass, zwei heute im Finale

Kommen wir durch die keineswegs verklärte heimische Brille betrachtet zum erfreulicheren Teil. Auf das deutsche Kugelstoß-Terzett war Verlass. Medaillen-Kandidatin Christina Schwanitz vom LV 90 Erzgebirge erreichte gewissermaßen mit ihrer letzten Standard-Weite (siehe Hallen-DM) von 18,86m im Filterverfahren der 17 Starterinnen den ersten Rang der Ausscheidung. Sara Gambetta vom SV Halle erzielte mit 18,43m gar eine persönliche Hallen-Bestleistung und zieht als Siebtplatzierte in das heutige Finale (19:06 Uhr) der besten Acht ein. Das verpasste zwar die Jüngste im Dreierbunde. Doch die 23-jährige Katharina Maisch (ebenfalls Erzgebirge) enttäuschte als Zehnte mit 17,93m keineswegs, stieß sogar 28 Zentimeter weiter als bei ihrem Bronze-Gewinn bei den Hallen-Titelkämpfen in Dortmund. Damit stellte sie unter Beweis, zum ersten saisonalen Höhepunkt bestens gerüstet gewesen zu sein. Nicht alles und jedes muss an Medaillen aufgemacht werden, wenn zumindest der eigene Anspruch und die Wirklichkeit in Einklang gebracht werden können.
Alles Weitere unter leichtathletik.de.