Fitnessstudios: Juristisch besteht keine Beitragspflicht im "Lockdown"

  • Drucken

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Krefeld und die Republik, 03. März 2021)
Nicht jeder noch so ambitionierte Senioren-Leichtathlet männlich wie weiblich ist in der komfortablen Situation daheim eine kleine „Folterkammer“ sein eigen nennen zu können. Auch die weit überwiegenden kommunalen Sportanlagen, die ohnehin bedingt nutzbar erst ab 01.März wieder geöffnet sind, verfügen nicht über eine „Muckibude“ mit geeigneten Gerätschaften für ein gezieltes Maximal- und Schnellkrafttraining. Was bleibt, ist die zusätzliche Mitgliedschaft in eines der kommerziell betriebenen vielen Fitnessstudios hierzulande mit sehr unterschiedlichen Ausstattungen, Angeboten und eben auch Beiträgen. Das kann sich, wenn der Fitness-Tempel in allen Belangen besonders edel ausstaffiert ist, mit „Nebengeräuschen“ (damit ist jetzt nicht die musikalische Dauerbeschallung sogar in der Umkleide, Sauna und auf der Toilette gemeint) auch schon mal bis in den knapp dreistelligen finanziellen monatlichen Bereich bewegen.

Es mangelt an der Bereitstellung der vereinbarten Leistung

Aber wie alle Leittragenden auf der einen wie anderen Seite wissen: Derartige Einrichtungen für ordentliches, begleitendes Training für die spezielle Sportart oder den Jahrmarkt der Eitelkeiten für Modellbauer am eigenen Körper sind seit November 2020 und vorerst unabsehbar weiterhin geschlossen. Und was ist mit den mehr oder weniger hohen Monatsbeiträgen? Rein juristisch betrachtet müssen während einer aufoktroyierten Ruhephase keine Entgelte gezahlt werden. Es mangelt schlicht daran, die vertraglich vereinbarte Leistung in Anspruch nehmen zu können.
Doch selbst seriöse Anbieter mit womöglich mehreren Standorten werden in aller Regel nicht von sich aus die allmonatliche Abbuchung bis zum Tage X aussetzen. Da muss sich man(n)/frau auf deren Netzseite schon kundig machen, was zu tun oder lassen ist. Wer eine soziale Ader hat und es sich leisten kann, lässt halt sein Bankkonto unbeanstandet belasten. Denn schließlich haben die Betreiber im „Lockdown“ (Abriegelung) zum Teil erhebliche fortlaufende Fixkosten. Und irgendwann, besser möglichst bald, möchte jede/r in gewohnter Umgebung das Training als Gemeinschaftserlebnis mit Gleichgesinnten wieder aufnehmen können und wegen Insolvenz nicht weiterhin verschlossene Türen antreffen.

Als wären Frisöre der wichtigste Wirtschaftszweig der Nation

Noch eine ketzerische Anmerkung, wer mag, stelle einen Zusammenhang her. Nicht nur das medienträchtige Spektakel und Ballyhoo (marktschreierische Rummel) um die ihre Ladenlokale seit 01.März wieder öffnen dürfenden notleidenden Frisöre, Coiffeure, Hair Stylisten und wie sie sich sonst noch nennen, geht mir entschieden zu weit. Es musste der Eindruck entstehen, als handele es sich um den wichtigsten Wirtschaftszweig der Nation. Ohne dem Leichtsinn das Wort zu reden: Mit gescheiten und stringent umgesetzten Hygienekonzepten ist sicherlich noch so manches andere machbar, um Existenzen vor dem drohenden Ruin zu bewahren und für die Allgemeinheit mehr Lebensqualität herzustellen.