Diskus-Ikone Robert Harting setzte markiges Signal gegen Doping

  • Drucken

Kommentar

Unter uns gesagt

(Berlin/Krefeld, 06. Oktober 2014)
Es ist eine pure Laune des Zufalls. Doch ein Dramaturg hätte es nicht besser und trefflicher inszenieren können. Vergangene Woche sickerte durch, dass dem Deutschlandfunk und der Berliner Zeitung der neue Gesetzentwurf aus den Bundesministerien für Justiz und Inneres zu einem erheblich verschärften Strafenkatalog zum Anti-Doping-Gesetz vorliege. Danach wird Doping zum Straftatbestand, es drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren Haft. Ferner verbunden mit einem Preisgeldentzug für die überführten Dopingsünder. Selbst bei einem Verdacht auf Doping sollen künftig Preisgelder eingezogen werden können. Ohne sie damit unter Generalverdacht stellen zu wollen, was auch kompletter Unsinn wäre, sind derzeit 7.000 Sportler im Testpool der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) geführt. Allerdings müssten im Falle eines Falles überführte Doper aus diesem Personenkreis mit der ganzen Härte des Gesetzes rechnen. Ehr-, Geld- und vor allem Freiheitsverlust sind schwerwiegende Argumente. „Eine gelungene Steilvorlage für einen sauberen Sport“, wird Dieter Rössner aus Marburg zitiert, ein ehemaliger Professor für Strafrecht.
Nur wenige Tage später meldete sich Diskuswurf-Allesgewinner Robert Harting (*18.10.1984) vom SCC Berlin aus seiner Reha nach der Knieoperation im vorigen Monat spektakulär zu Wort und setzte ein Aufsehen erregendes Signal zum Kampf gegen Doping. Der von der IAAF, dem Leichtathletik-Weltverband, zur Wahl des Welt-Leichtathleten 2014 vorgeschlagene Olympiasieger und aktuelle Weltmeister ersuchte die Verantwortlichen ihn „abzunominieren“, kreierte damit ganz nebenbei ein neues Wort. „Die Nominierung als solche finde ich zwar toll. Dennoch stehe ich zusammen mit einem ehemaligen Dopingsünder zur Wahl – und das ist für mich der Grund auf den Verzicht", sagte der kna
pp noch 29 Jahre alte Berliner am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Gemeint ist der ebenfalls auf der „Shortlistder IAAF stehende US-Sprinter Justin Gatlin, mit 9,77 Sekunden Weltranglisten-Erster über 100 Meter, der von 2006 bis 2010 gesperrt war.
Der ansonsten blasse und in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene DLV-Präsident Clemens Prokop (im Bild) bezeichnete im Gespräch mit der Rheinischen Post die Haltung von Harting „einen bemerkenswerten, mutigen Schritt und als ein wichtiges Zeichen gegen die Bagatellisierung von Doping im Sport“. Da ist der „Präses“ aber gehörig über seinen kleinen Schatten gesprungen, wird ihm doch ein zwiespältiges Verhältnis zur bundesdeutschen Leichtathletik-Ikone nachgesagt. Umgekehrt übrigens auch, beruht also auf Gegenseitigkeit.