Prof. Dietrich Grönemeyer empfiehlt: "Turne bis zur Urne"

  • Drucken

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 05 . Oktober 2014)
Was hat den Mikrokosmos der Senioren-Leichtathletik seit unserer letzten Kolumne bewegt? Grundsätzlich zuviel, um hier alles niedergeschrieben zu werden. Doch immer wieder „erbaulich“ und zum Bauklötze staunen ist ein virtueller Rundgang durch die einschlägigen Netzseiten, der bisweilen zum Rundumschlag animiert. Etikettenschwindel betreibt seit rund sechs Wochen die European Masters Athletics (EMA), die kontinentale Senioren-Dachorganisation mit Sitz im schweizerischen Lausanne am Genfer See (nobel geht die Welt zu Grunde, dort residiert auch das Internationale Olympische Komitee/IOC), bei ihrem Internetauftritt. Es steht nicht drauf, was drin ist. Unverändert firmiert sie als European Veterans Athletic Association (EVAA) und altem Logo. Während sie sich geradezu unglaublich schnell nach der längst überfälligen Namensänderung (wenngleich zunächst ohne das Plural-„s“ bei Masters, wo Lampis drauf hinweisen musste) anlässlich der Generalversammlung bei der EM Ende August in Izmir (Türkei) mit neuem "Outfit", aber noch falschem Schriftzug (siehe oben rechts) präsentierte, hat der gelegentlich sprintende EMA-Präsident Kurt Kaschke aus Freudenstadt im Schwarzwald nun wieder die Langsamkeit entdeckt. Das ist schwach, ganz schwach, wird sein Wohnsitz nicht zum Programm. Freude kommt dabei jedenfalls nicht auf.
Die kann auch beim Aufruf der unverändert miserabel, da höchst selten und amateurhaft gepflegten Senioren-Spielecke auf der DLV-Netzseite nicht entwickelt werden. Erst geschlagene vier Tage nach den Deutschen Senioren-Meisterschaften im Wurf-Fünfkampf in Baunatal erschien dort ein Beitrag mit dem irreführenden Titel „Susanne Wissinger verbessert Mehrkampfrekord“. Damit ist jetzt nicht das fehlende „e“ hinter verbessert gemeint. Denn nach vier Tagen war es längst Vergangenheit. Sondern das Wort „Mehrkampfrekord“. Erstens suggeriert es, dass es sich um einen Rekord im Drei-, Fünf- oder Siebenkampf gehandelt habe, und zweitens bleibt im Dunkel, welcher Rekord da eigentlich gesteigert wurde. Obwohl es im Text nicht mehr verheimlicht werden konnte, dass es ein Weltrekord war, ist es quasi typisch für den DLV, dass bei den Senioren/innen in der plakativen Überschrift der Ball hübsch flach gehalten wird. Noch lieber würde er, wenn es nur ginge, unterirdisch gespielt. Unverändert schizophren ist zudem, dass von heimischen „Oldies“ sehr wohl ein Weltrekord aufgestellt werden kann, es sich aber weiterhin lediglich um eine Deutsche Senioren-Bestleistung handelt. Geht’s vielleicht noch ein bisschen bekloppter? Bestimmt! Einfach nur abwarten. Ganz nach Belieben mit oder ohne Tee zu trinken.
Schließen wir mit etwas wirklich Erbaulichem, ein paar Lebensweisheiten, gerade für ältere Menschen, vom Sinologen, Arzt, Bestsellerautor und Lehrstuhl-Inhaber Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer (*1952) aus Bochum. Keine Namenszufälligkeit, sondern tatsächlich der ältere Bruder von Liedsänger, Musiker und Ex-Schauspieler („Das Boot“) Herbert Grönemeyer (*1956). Wie die angesehene Rheinische Post gestern berichtete, hielt der 61-jährige Mediziner einen viel beachteten Vortrag vor 1.200 begeisterten Zuhörern im voll besetzten Saal des Krefelder Seidenweberhauses. Vorweg sein sehr griffiger Ratschlag: „Turne bis zur Urne“. Er nannte drei Grundbegriffe, wie man von den Indern lerne könne 120 Jahre alt zu werden: Bewegung, Eigenverantwortung und Ernährung. Zu Letzterem ließe sich „Stark durch Magerquark“ leicht merken. „Alt zu werden ist nicht allein eine Gnade“, behauptet unser 94-jähriges VIP-Mitglied Philipp Frech aus Pulheim, der es schließlich wissen muss. Grönemeyer hatte auch ein Beispiel eines heute 94-Jährigen parat, der sich täglich mit Sport fit hält und erst mit 85 mit Bodybuilding begann. Was lehrt uns das? Es ist selten zu früh, jedoch nie zu spät! „Nehmt euer Schicksal selber in die Hand, bewahrt Haltung“, empfiehlt Grönemeyer.
In diesem Sinne einen zauberhaften ersten Sonntag im vermeintlich „Goldenen Oktober“ und eine arbeits- oder für Ruheständler erlebnisreiche Woche! Zweites gerne auch für die erste Gruppe der Werktätigen.